Der Philologenverband Baden-Württemberg setzt
sich für den Erhalt des gegliederten Schulwesens ein,
das Durchlässigkeit in vertikaler und horizontaler Hinsicht ermöglicht

Wohl selten wurde die Frage welches Schulwesen das überlegene ist, das gegliederte oder das integrierte, so häufig gestellt wie in der Zeit „nach PISA“. Die eindeutige Antwort lautet, dass das gegliederte Schulwesen das erfolgreichere, gerechtere und überlegene ist! Ein gegliedertes Schulwesen verbindet in gelungener Weise Individualisierung UND Gleichbehandlung und vermeidet die extremen Varianten der Vereinzelung oder der Zwangs-Kollektivierung. Das gegliederte Schulwesen ist also ein sinnvoller Kompromiss zwischen der Schule der totalen Freiheit und der Schule der totalen Gleichheit, die mit einer Gesamtschule stets vergeblich angestrebt wird. Beide Extremmodelle sind längst überholt und haben sich in der Vergangenheit als untauglich erwiesen. Die Strukturdebatte um das beste Schulwesen dagegen ist noch längst nicht überholt. Fast immer jedoch wird sie erbittert und mit Scheinargumenten, auf deren Nachweis man vergeblich wartet, geführt.

In allen einschlägigen Studien der vergangenen Jahre und Jahrzehnte (von TIMMS über LAU bis PISA) hat die deutsche Gesamtschule weit schlechter abgeschnitten als das gegliederte Schulwesen süddeutscher Prägung. Verbindliche Lehrpläne, das Fächerprinzip und zentrale Prüfungen sind notwendige Bestandteile des Schulwesens und müssen unbedingt erhalten bleiben. Auch das häufig kritisierte Prinzip der Selektivität gibt es immer und in allen Schulsystemen weltweit. Ein gegliedertes Schulwesen basiert seine Auswahl auf der Heterogenität der von Schülern erbrachten Leistungen, deren Existenz sicher keiner anzweifeln möchte. Das gegliederte Schulwesen als ein sozial selektives Schulwesen zu titulieren verbietet sich, weil es der Grundlage entbehrt. Das gegliederte Schulwesen in Baden-Württemberg bietet vielerlei Möglichkeiten der Durchlässigkeit in horizontaler und vertikaler Hinsicht. Ein Wechsel der Schulformen ist bei den entsprechenden Leistungsvoraussetzungen praktisch jederzeit möglich und eine horizontale Durchlässigkeit ist dadurch gegeben. Das Prinzip, dass kein Abschluss ohne zusätzliche Möglichkeiten und weitere Bildungsangebote bleiben soll, zeigt, dass auch für eine vertikale Durchlässigkeit gesorgt wird.

Nicht verschwiegen werden soll an dieser Stelle, dass im Bereich der Hauptschulbildung im Moment nicht alles optimal läuft und sich in Zukunft stark verbessern muss. Der Hauptschulabschluss muss wieder eine Wertigkeit erfahren und darf nicht ins Abseits gestellt werden.

Der Philologenverband Baden-Württemberg befürwortet deshalb natürlich weitere Anstrengungen des Kultusministers für die Verbesserung der Hauptschulbildung.

Der Philologenverband Baden-Württemberg warnt dagegen vor der Aushöhlung des gegliederten Schulwesens quasi durch die Hintertür. Maßnahmen in Richtung einer vereinheitlichten Lehrerausbildung, wie sie durch den BA/MA-Abschluss angestrebt werden, wird eine Absage erteilt!

Lesen Sie hierzu auch unsere Stellungnahme zur Lehrerbildung in Baden-Württemberg.