PISA-Mythen
Mythos 1
„Deutschland hat bei PISA sehr schlecht abgeschnitten“
In der Studie „PISA II“ von 2003 erreicht Deutschland über die 4 getesteten Leistungsbereiche Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften und Problemlösen einen durchschnittlichen Rangplatz von 15,75 (bei 29 Plätzen). Deutschland liegt damit ziemlich genau im Mittelfeld zwischen den 10 besten und den 10 schlechtesten Ländern. Deutschland hat damit zwar keinen sehr guten, aber auch keinen sehr schlechten Platz. (Siehe Ranglisten weiter unten)
Mythos 2
„PISA belegt die Überlegenheit von Gesamtschulsystemen“
Eine ganze Reihe von Nationen der „1. Welt“ mit Gesamtschulsystem oder verlängerter Grundschule schneiden in der Studie PISA II von 2003 schlechter ab als Deutschland:
Auch skandinavische Länder schneiden in einzelnen oder mehreren Bereichen schlechter ab als Deutschland:
(Siehe Ranglisten weiter unten)
Mythos 3
„PISA beweist, dass die frühe Verteilung der Schüler auf die verschiedenen Schularten in Deutschland zu schlechteren Lernergebnissen führt“
PISA beweist im Gegenteil, dass dieser Zusammenhang nicht nachweisbar ist: Zitat aus der OECD-Studie „Lernen für die Welt von morgen. Erste Ergebnisse von PISA 2003“, OECD (Hrsg.) 2004, S. 300. Quelle: http://www.pisa.oecd.org/dataoecd/18/10/34022484.pdf
„Ein wichtiger Aspekt der Einteilung in Leistungsgruppen ist das Alter, in dem die Aufteilung auf verschiedene Schultypen im Allgemeinen erfolgt und Schüler und Eltern folglich mit Entscheidungen konfrontiert werden. In Deutschland und Österreich werden solche Entscheidungen sehr früh getroffen, in etwa im Alter von 10 Jahren. In Ländern wie Neuseeland, Spanien und den Vereinigten Staaten findet hingegen keine formelle Differenzierung vor Ende der Sekundarschulzeit statt, zumindest nicht zwischen den Schulen. Es besteht kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen dem Alter, in dem die Selektion stattfindet, und den Durchschnittsergebnissen der Länder.
Fazit
1) Das
deutsche PISA-Ergebnis ist nicht katastrophal:
Deutschland hat bei PISA II einen Platz im Mittelfeld erreicht.
2) PISA lässt keine Aussage über die Leistungsfähigkeit des gegliederten Schulsystems zu. Mit Deutschland vergleichbare Nationen, die bei PISA besser abschneiden, haben ein Gesamtschulsystem, die vergleichbaren schlechteren Länder aber auch. Sogar die führende Weltmacht USA hat in 3 von 4 Bereichen schlechter als Deutschland
abgeschnitten.
3) PISA
beweist keineswegs, dass die frühe Aufteilung der Schüler gemäß ihrer Begabung zu schlechteren Lernergebnissen führt. PISA beweist vielmehr, dass es dazwischen gerade keinen Zusammenhang gibt – und dass die unterschiedlichen Lernerfolge deshalb auf andere Ursachen zurückzuführen sind.
Internationale Ergebnisse PISA II (2003): Alle vollständigen Ranglisten |
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Lesen |
Mathematik |
Naturwissenschaften |
Problemlösen |
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die 10 ersten Länder der Ranglisten
Länder im Mittelfeld der Ranglisten
die 10 letzten Länder der Ranglisten
Die im Text erwähnten Länder sind jeweils etwas heller dargestellt.
Philologenverband Baden-Württemberg www.phv-bw.de