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22.10.2014 / 1811 - 13-14

 
     

Was "sexuelle Vielfalt" auch bedeuten kann!

Bernd Saur, Vorsitzender des PhV BW, nimmt Stellung zu den heftigen Reaktionen von Kultusminister Stoch und den baden-württembergischen Regierungsparteien auf einen falsch interpretierten FOCUS-Artikel

Der aufmerksame Leser des FOCUS-Kommentars konnte feststellen, dass die darin geäußerte Kritik weder direkt auf die baden-württembergischen Bildungspläne noch auf die der Kultusministerien in Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen zielte, sondern auf Vorstellungen und Bestrebungen bestimmter Sexualpädagogen, die in der Einleitung des Kommentars ausführlich dargestellt werden.

Durch die Lektüre zweier Artikel (Quellenangabe unten) über die sogenannte dekonstruktivistische, neoemanzipatorische Sexualpädagogik wachgerüttelt, wollte ich warnend darauf hinweisen, dass unter dem Deckmantel der Vielfalt von den Verfechtern dieser Pädagogik das verstanden wird, was ich beschreibe.

Die in diesem Zusammenhang aufgezählten Beispiele, die mich selbst natürlich nicht weniger schockieren als viele Kommentatoren, entstammen nicht etwa meiner Phantasie, sondern finden sich in dem Buch "Sexualpädagogik der Vielfalt" von Elisabeth Tuider (Universität Kassel), das als Standardwerk gilt und laut Christian Weber von großen sexualwissenschaftlichen Institutionen empfohlen wird. Es empfiehlt diverse praktische Übungen, die in Workshops mit Kindern und Jugendlichen genutzt werden können, und eine Wandzeitung, auf welche Schüler "auch scheinbar Ekliges, Perverses und Verbotenes" schreiben sollen. Dies hat einen Verein gegen sexuellen Missbrauch und laut Antje Schmelcher auch einen Staatsanwalt auf den Plan gerufen. Als Methode sollen die "Verwirrung" und die "Veruneindeutigung" bezüglich der eigenen sexuellen Identität angewendet werden.

Als weiterer Vordenker dieser Sexualpädagogik gilt der Kieler Pädagogikprofessor Uwe Sielert, der als Mitbegründer und Geschäftsführer der "Gesellschaft für Sexualpädagogik" im Rahmen seiner Gender-Sexualpädagogik drei Lebensumstände "entnaturalisieren" möchte: die Kernfamilie, die Heterosexualität und die Generativität (die Altersgrenze zwischen den Generationen). Er zählt zu den meinungsbildenden Akteuren in seinem Feld und vergibt ein Qualitätssiegel für Ausbilder.

Vor Bestrebungen dieser Art sollte in meinem FOCUS-Beitrag gewarnt werden. Keinesfalls war es die Absicht, einzelnen Schulministerien konkrete diesbezügliche Pläne zu unterstellen. Sowohl Schlagzeile als auch Bildunterschrift des FOCUS-Artikels sind übrigens nicht Teil meines Kommentars, sondern vom Verlag so gewählt.

Dieser Intention des FOCUS-Kommentars werden die heftigen persönlichen Angriffe seitens des Kultusministers und der Regierungsparteien jedoch nicht gerecht, die von derselben Überspitzung geprägt sind, die man mir vorwirft. Beruhigend aber wird im Sinne einer Klärung auf viele Mitbürgerinnen und Mitbürger die Aussage des Kultusministers wirken, dass in Baden-Württemberg bei der Entwicklung des neuen Bildungsplans unter "sexueller Vielfalt" eben dieses nicht zu verstehen ist. Hätte hierfür nicht ein einfaches Dementi ausgereicht anstelle einer so vehementen Reaktion?

Für Hintergrundinformationen wird auf die erwähnten Artikel verwiesen:

"Unter dem Deckmantel der Vielfalt" von Antje Schmelcher (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 12.10.2014, Nr. 41)
"Was Sie noch nie über Sex wissen wollten" von Christian Weber (Profil/Juni 2014 – Urhebervermerk: Süddeutsche Zeitung, 24.4.2014, Feuilleton, Bayern)

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An den Gymnasien des Landes Baden-Württemberg werden über 300.000 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Der Philologenverband Baden-Württemberg e.V. (PhV BW) vertritt über 8.400 im Verband organisierte Lehrerinnen und Lehrer an den 446 öffentlichen und privaten Gymnasien des Landes.

Im gymnasialen Bereich hat der Philologenverband BW sowohl im Hauptpersonalrat beim Kultusministerium als auch in allen vier Bezirkspersonalräten bei den Regierungspräsidien die Mehrheit und setzt sich dort für die Interessen der rund 27.000 Lehrkräfte an den Gymnasien des Landes ein

www.phv-bw.de

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Bild des PhV BW-Vorsitzenden Bernd Saur