Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Pressemitteilung vom 5. November 2003)
Lehrer leiden unter starker beruflicher Belastung

Angesichts des schlechten Abschneidens bei der letzten Pisa-Studie lässt sich mit Lehrerschelten sicher die Lufthoheit über deutsche Stammtische gewinnen. Doch Lehrer, die altersentsprechend gesund und weit gehend beschwerdefrei sind, stellen in ihrer Berufsgruppe eine Minderheit dar. Ursachen sind hohe Belastungen und Beanspruchungen im Schulalltag.

Zu diesem Ergebnis kommt der Forschungsbericht "Belastung und Beanspruchung von Lehrerinnen und Lehrern", der vom "Institut für interdisziplinäre Schulforschung" an der Universität Bremen erarbeitet und jetzt als Fb 989 in der Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin veröffentlicht wurde. Seine Ergebnisse räumen mit der Mär von der belastungsarmen Tätigkeit des Lehrerberufs auf.

Dazu untersuchte die Studie insgesamt 178 Lehrerinnen und Lehrer an fünf Bremer Schulen. Mit einem umfangreichen Fragebogen wurden die subjektiv eingeschätzten beruflichen Belastungen und deren Auswirkungen auf die Gesundheit erfasst. Eine psychologisch-medizinische Screening-Untersuchung ergänzte die subjektiven Angaben um objektive Befunde. Zusätzlich wurden bei einigen Lehrkräften über mindestens eine Arbeitswoche Langzeit-EKG-Messungen vorgenommen. Die Häufigkeit der Herzschläge diente als Indikator der psychophysischen Belastung.

Die Ergebnisse zeigen bei einem hohen Anteil der Lehrkräfte aller beteiligten Schulkollegien eine deutliche Beeinträchtigung der psychophysischen Verfassung oder "Gesundheit". In der untersuchten Gruppe zeigten fast die Hälfte (43%) auffällige Befunde im Rahmen von
Einzeluntersuchungen. Hier waren insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen stark vertreten. Auffällig war aber auch der geringe Erholungswert von Unterrichtspausen. Dementsprechend verschlechtert sich die psychophysische Leistungsfähigkeit im Sinne zunehmender Erschöpfung von der ersten zu späteren Unterrichtsstunden hin.

Zu den am häufigsten genannten Belastungsfaktoren (84 Prozent der Befragten) gehörte "der Lärm, der von Schülern ausgeht". Drei von vier Lehrern gaben an, dass ihnen das Ertragen von Lärm verglichen mit der Zeit ihres Berufsanfangs inzwischen schwerer falle. Orientierende Schallpegelmessungen ergaben, dass der für "geistige und informatorische Arbeit" empfohlene Schalldruckpegel von weniger als 55 dB(A) im Unterricht selten erreicht, aber oft um ein vielfaches überschritten wird. Erste Beobachtungen aus der Anschluss-Studie "Lärm in Schulen", die sich hauptsächlich auf dieses Phänomen konzentriert, scheinen dies zu bestätigen.

Schulisches Lernen beruht nach wie vor auf mündlicher Kommunikation. Lärm stört nicht nur die Kommunikation, sondern wirkt sich auch negativ auf das Befinden, die Gesundheit und die mentale Leistungsfähigkeit der Menschen aus. Die hohe Zahl der Lehrer, die vorzeitig in den Ruhestand gehen, aber auch die ernüchternden Ergebnisse der PISA-Studie sollten Anlass genug sein, um die Arbeitsbedingungen der Lehrer und die Lernbedingungen der Schüler zu verbessern, so das Fazit der Autoren. Der Bericht enthält einige Lösungsvorschläge.

Literatur:
Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund/Berlin, Forschungsbericht Fb 989 "Belastung und Beanspruchung von Lehrerinnen und Lehrern";
H.-G. Schönwälder, J. Berndt, F. Ströver, G. Tiesler; ISBN 3-89701-999-X; 192 S.; 17,00 EUR. Zu beziehen beim Wirtschaftsverlag NW, Postfach 10 11 10, 27511 Bremerhaven ,Tel .: 0471/945 44 61, Fax 0471/945 44 88.

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