Der Landesvorsitzende

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

"Rettet das Gymnasium!", so könnte man in diesen Tagen formulieren. Denn: Die Grünen fordern die neunjährige Basisschule für alle Schülerinnen und Schüler, die SPD die sechsjährige Grundschule, CDU und FDP haben die gymnasiale Schulzeit um ein Jahr gekürzt, und Privatschulen und andere Schularten werden von den Medien glorifiziert. Nur am Gymnasium gibt es angeblich "alte Strukturen" und "alte Lehrkräfte".

Ich frage mich, welche Interessen eigentlich hinter dieser Anti-Gymnasium-Kampagne stecken? Ich vermute, es ist die wieder erweckte Ideologie der Gleichmacherei und die Absicht, gymnasiale Lehrkräfte schlechter zu bezahlen und mehr arbeiten zu lassen. Wir, die wir täglich an Gymnasien arbeiten, wissen, dass es schwierig ist, in heterogenen Klassen Lernfortschritte zu erzielen; die Förderung "alternativ Begabter" erfordert Personalressourcen. Die Unterforderung stellt genauso wie die Überforderung von Schülerinnen und Schülern ein Problem dar. Deshalb halten wir an unserer durch Erfahrung begründeten Auffassung fest, dass ein Aufgliedern von Schülerströmen und damit das gegliederte Schulwesen die beste Förderung der verschiedenen Begabungen gewährleistet. Wir wissen, wie anspruchsvoll und aufwändig gymnasialer Unterricht in den Bereichen der Kompetenz- und Wissensvermittlung, der Leistungsmessung und der Erziehung ist.

Gymnasiallehrkräfte leisten täglich Schwerstarbeit. Sie arbeiten im Durchschnitt länger als andere Lehrergruppen. Dies ist wissenschaftlich nachgewiesen. Die Schulleitungen und die mit Sonderaufgaben betrauten Kolleginnen und Kollegen leisten auf der Grundlage eines ganz schmalen Personal- und Sachbudgets Hervorragendes. Deshalb: Wir lassen uns die Schulart Gymnasium weder kaputt reden noch kaputt schreiben.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Sie stärken das Gymnasium durch Ihren engagierten Arbeitseinsatz. Vertreten Sie darüber hinaus die Schulart Gymnasium offensiv, unter anderem auch durch Leserbriefe an ihre lokale/regionale Tageszeitung.

Der Philologenverband Baden-Württemberg hat eine positive Mitgliederentwicklung: Es sind vor allem junge Kolleginnen und Kollegen, die derzeit im Philologenverband Mitglied werden und eine Anerkennung gymnasialspezifischer Arbeit einfordern. Verstärken Sie diese positive Entwicklung, indem Sie die Kolleginnen und Kollegen Ihrer Schule über unsere Positionen und Ziele informieren.

Der Philologenverband Baden-Württemberg ist der Berufsverband der Lehrerinnen und Lehrer an Gymnasien. Nur ein starker Berufsverband kann unsere gemeinsamen Interessen wirksam vertreten.

Mit kollegialem Gruß

Karl-Heinz Wurster
Landesvorsitzender

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