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Alter ist kein Qualitätsmerkmal |
"Deutsche Lehrer viel zu alt" ist eine Schlagzeile, die man in letzter Zeit immer wieder in den Medien finden konnte. Ein undifferenzierter Ruf nach "jungen" Lehrerinnen und Lehrern wird auch in manchen Podiumsdiskussionen oder Briefen von Eltern erhoben. Diese Forderung kommt in der Regel sehr gut an; sie ist grundsätzlich auch nicht von der Hand zu weisen. Natürlich ist es für jedes Lehrerkollegium und für jede Schule wichtig, über junge Lehrkräfte zu verfügen. Niemand wird den Wunsch nach einer ausgewogenen Altersstruktur eines Lehrerkollegiums verneinen.
Dennoch sollte man die aktuelle Diskussion und den pauschalen Ruf nach "jüngeren" Lehrerinnen und Lehrern mit einer gewissen Vorsicht betrachten.
Erstens lässt sich die Altersstruktur im Lehrerbereich nur sehr begrenzt steuern. Historisch oder demographisch bedingte starke Jahrgänge oder Einstellungswellen, die durch steigende Schülerzahlen hervorgerufen werden, verhindern eine wirklich ausgewogene Personalstruktur und eine Steuerung durch die Politik. Die Alternative, Lehrkräfte über den aktuellen Bedarf hinaus einzustellen oder ältere Kolleginnen und Kollegen in großem Maße zugunsten der Einstellung von jüngeren vorzeitig zur Ruhe zu setzen, ist bei der aktuellen Haushaltslage in Anbetracht der hierdurch entstehenden enormen Mehrkosten und Pensionslasten nicht realistisch. Auch kein Privatunternehmen kann in großem Umfang Beschäftigte auf Vorrat einstellen. So genannte Vorruhestandsregelungen wurden dort akzeptiert, weil die Unternehmen nicht selber für die langfristigen Kosten aufkommen mussten, sondern die Rentenkasse hierfür gerade steht – mit allen negativen Konsequenzen.
Zweitens ist festzustellen, dass gerade jetzt viele jüngere Lehrkräfte an unsere Schulen gelangen. Das Durchschnittsalter der Lehrerinnen und Lehrer betrug in Baden-Württemberg 2002/2003 über alle Schularten hinweg 47,7 Jahre. Aktuell und in den kommenden Jahren kommt es durch zahlreiche Neustellen und altersbedingtes Ausscheiden zu einer deutlichen Verjüngung des Lehrkörpers. Allein in diesem Jahr wurden rd. 5.000 junge Lehrkräfte eingestellt.
Drittens eine Klarstellung: Die Frage des Alters ist kein Qualitätsmerkmal. Die Diskussion über eine Verjüngung der Kollegien ist keine Kritik an "älteren" Lehrerinnen und Lehrern. Sie sind mit ihrer Erfahrung, mit ihrem Fachwissen und mit ihrer Sozialkompetenz unverzichtbar für unsere Schulen. Es ist unsere Aufgabe - auch als Bildungspolitiker -, dies deutlich zu machen. Etwas pointiert ausgedrückt: Ich sehe schon die Zeiten auf uns zukommen, in der in der Presse, aber auch in Elternbriefen die Forderung aufgestellt wird: "Wir benötigen dringend mehr ältere und erfahrene Lehrerinnen und Lehrer an unseren Schulen".