Hohe Auszeichnung für "Förderung der Lehre" |
Die stellvertretende PhV-Landesvorsitzende und Bildungsreferentin, Dr. Susanne Lin-Klitzing, wurde mit "herausgehobenem Landeslehrpreis" ausgezeichnet |
Der 28. Oktober 2004 war ein ganz besonderer Tag für die stellvertretende Landesvorsitzende und Bildungsreferentin des Philologenverbandes Baden-Württemberg, Dr. Susanne Lin-Klitzing (41): Zusammen mit Professorin Dr. Caroline Röhr (42) vom Institut für Anorganische und Analytische Chemie der Universität Freiburg wurde die Akademische Oberrätin und Erziehungswissenschaftlerin am Institut für Erziehungswissenschaft und Psychologie der Universität Stuttgart mit dem herausgehobenen Landeslehrpreis ausgezeichnet. "Die Förderung der Lehre, die gegenüber der Forschung oftmals zu gering geschätzt wird, ist eine Kernaufgabe der Hochschulpolitik", stellte Wissenschaftsminister Professor Dr. Peter Frankenberg, der die Ehrung und Vergabe der Preise vornahm, fest und betonte: "Mit dem Landeslehrpreis wollen wir herausragende Leistungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in der Lehre belohnen."
Die beiden herausgehobenen Preisträgerinnen erhielten das erhöhte Preisgeld in Höhe von 25.000 Euro zur Verwendung in ihren Lehrobjekten. Die Jury setzte sich übrigens aus drei Studierenden und drei ehemaligen Preisträgern zusammen. "Die Studierenden entscheiden selbst, wer den Landeslehrpreis erhält", sagte eingangs der Rektor der Universität Stuttgart, Professor Dr. Ing.habil. Dieter Fritsch. In einer vom Wissenschaftsministerium herausgegebenen Presseerklärung hieß es: "Dr. Susanne Lin-Klitzing erhielt den Landeslehrpreis für ihre herausragenden Lehrleistungen, die durch eine anregende Vielfalt, klare Strukturen und eine große didaktische Befähigung getragen sind."
"Die Lehrveranstaltungen von Dr. Lin-Klitzing zeichnen sich durch einen besonders stringenten Aufbau und hervorragend aufbereitetes Begleitmaterial aus", stellte Wissenschaftsminister Peter Frankenberg heraus. Sie verbinde offene Formen der Lehre und Elemente traditioneller Lehre ziel- und ergebnisorientiert miteinander, auch unter Einsatz der neuen Medien. Frankenberg: "In der Lehrveranstaltung ‚Didaktische Modelle – online präsentiert' entwickeln Studierende eine online verfügbare Lernsoftware. Dr. Lin-Klitzing berät und leitet sie dabei an. Eine solche Grundlagen-Lernsoftware zum Thema Didaktik ist bundesweit ein Novum." Das Lehrkonzept sei von den Gutachtern als sehr benutzerfreundlich eingestuft worden. Gewürdigt worden seien auch der interesse- und wissensfördernde Aufbau, die Interdisziplinarität des Lehrkonzepts und seine Übertragbarkeit auf andere Disziplinen sowie die herausragend positive Bewertung der Veranstaltungen durch die Studierenden.
Der Erwerb hochschuldidaktischer Kompetenzen gewinne angesichts steigender Erwartungen an die Bildungsangebote der Hochschulen immer mehr an Bedeutung, erklärte Frankenberg weiter. Hochschuldidaktische Fragestellungen seien an den Hochschulen ein verbreitetes Thema, allerdings sei die praktische Lehrkompetenz im Vergleich zur hochschuldidaktischen Forschung lange Zeit vernachlässigt worden. Hier bestehe Handlungsbedarf. Frankenberg: "Hochschullehre, die zum Lernen anregt, ist wesentlich, um Studierende zu motivieren. Sie ist unverzichtbar, wenn die Hochschulen mit einem qualitätsbezogenen Profil im Wettbewerb bestehen wollen. Die Studierenden müssen spüren, dass die Hochschulen ihren Bildungsauftrag ernst nehmen", forderte der Minister.
Lin-Klitzing wies in ihrem Vortrag darauf hin, dass "ein Umdenken in der wissenschaftlichen Welt über den Wert der Lehre" erst dann erreicht werde, wenn "gute Lehre" neben wissenschaftlichen Veröffentlichungen, Forschungsprojekten und dem immer wichtiger werdenden Einwerben von Drittmitteln tatsächlich ein Kriterium in Berufungsverhandlungen sei. Solange Lehrleistungen bei Berufungsverfahren irrelevant seien, bleibt es dem Idealismus Lehrender überlassen, ein besonderes Maß an Zeit für die überlegte Gestaltung von Lehrveranstaltungen aufzuwenden, die ansonsten "rentabler" in Veröffentlichungen oder wissenschaftliche Forschungsprojekte gesteckt werden müsste. Oder es bedarf – wie hier in Baden-Württemberg - besonderer Anstrengungen eines Landes und einzelner Universitäten "gute Lehre" zu stützen, mit dem Ziel, den Wissenszuwachs der Studierenden optimal zu fördern.
Es sei ihr Ziel, so Susanne Lin-Klitzing, das selbstständige wissenschaftliche Arbeiten von Studierenden zu fördern. Dazu nutze sie als Sozialformen für die Studierenden eine Kombination von Einzel-, Team- und Plenumslernen. Studierende sollten bewusst eigene Verantwortung für den Aufbau und die Weitergabe ihres Wissens übernehmen. Nicht die Institution bilde, sondern das Individuum bilde sich selbst – "natürlich mithilfe qualifizierter Wissensvermittlung an der Universität."
Der Philologenverband gratuliert PhV-Vizechefin Dr. Susanne Lin-Klitzing herzlich zur herausragenden Würdigung ihrer universitären Arbeit, die gerade auch im Blick auf eine erforderliche Behebung von Defiziten in der Fachdidaktik sowie in der Schul- und Unterrichtsforschung an den Universitäten des Landes, für die sich der Philologenverband einsetzt, einen besonderen Stellenwert hat. Hans-Eckhard Giebel .