Editorial |
Verehrte Leserin, verehrter Leser
große Ereignisse standen in den letzten Wochen im Mittelpunkt: zum einen das Ausscheiden von Erwin Teufel aus dem Amt des Ministerpräsidenten und die damit verbundene Wahl seines Nachfolgers Günther Oettinger, zum anderen die Personalratswahlen, deren Ergebnisse uns bei Redaktionsschluss dieser gbw-Ausgabe leider noch nicht vorlagen, sodass wir erst im nächsten Heft ausführlich darüber berichten können. An dieser Stelle möchte ich - auch im Namen des gesamten Landesvorstands - jetzt schon einmal all denen herzlich danken, die sich bei der Wahl zu den Örtlichen Personalräten und Stufenvertretungen, dem BPR und HPR, mit ihren Stimmen für die Kandidatinnen und Kandidaten des Philologenverbandes entschieden haben. Der Philologenverband wird sich mit den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten weiterhin für unsere Kolleginnen und Kollegen an den Gymnasien einsetzen und ihre Interessen vertreten.
Zum Wechsel an der Spitze der Landesregierung: Die Verdienste, die sich Erwin Teufel in seiner langjährigen Amtszeit als Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg erworben hat, sind unbestritten, verdienen Anerkennung und Würdigung. Anzuerkennen ist, dass Erwin Teufel sich stets für die Beibehaltung des Beamtenstatus für Lehrer ausgesprochen am dreigliedrigen Schulsystem und Zentralabitur festgehalten hat. Unbestritten ist auch, dass mit den zwischen 1991 und 2006 geschaffenen 11.500 neuen Lehrerstellen ein bundesweit einmaliger Kraftakt in Teufels Regierungszeit geleistet wurde. Es gab allerdings auch Kritik - bis hin zu Protesten und Demonstrationen in Stuttgart und Pforzheim im Jahr 2003 - als die 25. Deputatsstunde für Lehrkräfte an den Gymnasien beschlossen wurde. Nicht vergessen sind also Erinnerungen an einen Ministerpräsidenten, der unter dem Druck wachsender Finanzlöcher im Landeshaushalt die Lehrerarbeitszeit erhöhte - und das zu einem Zeitpunkt, zu dem aufgrund des schulischen Reformprozesses statt Arbeitszeiterhöhung Stundenentlastung angesagt gewesen wäre. Erfreulich hingegen: In seiner Abschiedsrede richtete der scheidende Ministerpräsident einen besonderen Dank an die Lehrerinnen und Lehrer. Dankesworte für die Lehrer gab es auch von Günther Oettinger in seiner Regierungserklärung. Oettinger wörtlich:
"Erfolge in der Bildungspolitik haben viele Ursachen. Ich möchte eine besonders herausstellen: unsere engagierten Pädagogen, die Lehrerinnen und Lehrer in allen Schularten. Ohne ihre Leistung wäre es nicht möglich gewesen: die Einführung der Fremdsprache ab Klasse 1, die Verkürzung des Wegs zum Abitur, die Einführung der neuen Bildungspläne – so schnell, so gut umzusetzen. Die Lehrer haben gerade in den Jahren der Reformen unseren Respekt, unsere Mitwirkung, unseren Dank verdient."
Günther Oettinger nannte als wesentlichen Schwerpunkt seiner künftigen Regierungsarbeit den Bildungsbereich. Thematisiert wurden Ganztagesschule und Ganztagesbetreuung (s. auch die Berichte des PhV zu diesem Thema in dieser gbw-Ausgabe). Bis zum Herbst sollen die Gespräche zwischen Land und Kommunen zum Thema "Bildung und Betreuung" abgeschlossen sein. Oettinger will eine "faire Kosten- und Aufgabenteilung" und sagte wörtlich: "In die Köpfe der Menschen investieren heißt: In die Zukunft investieren." Der PhV wird den neuen Ministerpräsidenten immer wieder an diese Worte erinnern.
Oettinger dankte ferner allen, die Ausbildungsplätze schaffen und erhalten. Gut wäre es, wenn diese Worte auch für den Schulbereich gelten, also ein Abbau von Lehrerstellen in den nächsten Jahren unterbleibt, junge Lehrer weiterhin eingestellt und ältere Lehrkräfte entlastet werden, die sich über Jahrzehnte auf vielen Gebieten des schulischen Lebens engagiert eingesetzt haben. Der Philologenverband begrüßt, dass Günther Oettinger seine Dialogbereitschaft erklärt hat und wünscht ihm eine glückliche Hand bei den künftigen Entscheidungen, die der Philologenverband in den bildungs- und berufspolitischen Bereichen gern argumentativ begleiten wird.
Mit freundlichen und kollegialen Grüßen Hans-Eckhard Giebel Redaktion "Gymnasium Baden-Württemberg"
Weitere Beiträge in dieser gbw-Ausgabe:
Der 6. Frauenkongress des Philologenverbandes in Ulm thematisierte Hochbegabtenförderung
– ·Aus dem Hauptpersonalrat A 14 Beförderung zum 1. Oktober 2005 (herkömmliches Verfahren)
Thema aktuell - heute: Dieter Kleinmann (FDP, MdL)- Bildung, Erziehung, Betreuung
– ·Auch Berufsschullehrerverbände lehnen Spreizdeputat ab – PhV: Schleichende Deputatserhöhung wird nicht akzeptiert
– PhV: Öffentlich-rechtliche Medien und Privatsender müssen mit guten Programmen Erziehungsarbeit unterstützen
– Die Abschaffung der Lernmittelverordnung muss gut überlegt sein und darf nicht unter Sparaspekten erfolgen
– PhV-Mitglieder für Verdienste mit Staufermedaille geehrt
– Junge Philologen fordern Einführung einer Berufseinstiegsphase für Gymnasiallehrer