Gymnasium Achern wurde Sieger der "Capital"-Studie |
Philologenverband gratuliert Schulleiter und PhV-Mitglied Paul Droll, seinen Kolleginnen und Kollegen und Schülern zu diesem Erfolg |
"Trotz Pisa-Pleite und Lehrer-Schelte gibt es in Deutschland viele Schulen, die ein erstklassiges Bildungsangebot haben. Wie jetzt das Wirtschaftsmagazin 'Capital' (Ausgabe 13/2005, EVT 9. Juni) in Kooperation mit Microsoft Deutschland im Rahmen einer umfangreichen Studie über die Qualität deutscher Schulen herausfand, können die 100 besten Schulen im europäischen Bildungswettbewerb durchaus mithalten und als Vorbild für engagierte Ausbildung gelten. Grundlage der Untersuchung waren insgesamt 20 Kriterien in den vier Kategorien "Schülerbetreuung", "Ausstattung", "Kursangebot" und "Kommunikation". Für die Studie wurden in Deutschland alle 3.480 Gymnasien, Gesamt- und Waldorfschulen befragt, von denen sich 575 Schulen beteiligten und den Fragenkatalog beantworteten.
Durchgeführt wurde die Untersuchung vom Bonner Marktforschungsinstitut "Europressedienst". Die Beratung erfolgte durch das Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS) der Universität Dortmund. Den Spitzenrang nahm das baden-württembergische Gymnasium Achern ein, gefolgt vom Käthe-Kollwitz-Gymnasium in Halberstadt und der Gesamtschule Bonn-Beuel mit einer Gesamtwertung von um 60 von 100 maximal erreichbaren Punkten. Der Chef des Europressedienstes, Michael Forst Deutschland, fasste die Ergebnisse zusammen und stellte fest, dass Deutschland sehr viele Schulen habe, die weitaus besser seien als ihr Ruf und die vor allem auch im internationalen Vergleich sehr gut abschneiden würden. Kaum bedeutend für die Qualität einer Schule scheint nach der Studie auch zu sein, ob ein Schulgeld erhoben wird oder nicht, denn von den Top-Ten-Gymnasien sind laut der 'Capital'-Liste sechs staatliche und vier private Anbieter.
Der Philologenverband Baden-Württemberg mit Karl-Heinz Wurster an der Spitze gratulierte dem Chef des Acherner Gymnasiums und seinem langjährigen PhV-Mitglied, Paul Droll sowie den Kolleginnen und Kollegen und Schülern der Schule zu diesem beachtlichen Erfolg.
Der DPhV-Bundesvorsitzende, Heinz-Peter Meidinger, sprach von einer "wohltuenden Anerkennung der hervorragenden Bildungs- und Erziehungsarbeit, die an zahlreichen Gymnasien und gymnasialen Oberstufen geleistet wird." Meidinger wörtlich: "Der Studie kommt insbesondere das Verdienst zu, den Blick auch auf die zahlreichen Zusatzangebote deutscher Gymnasien gelenkt zu haben, wie etwa die Vermittlung von Betriebspraktika, Bewerbertrainings, Partnerschaften mit Unternehmen und Auslandsschulen sowie soziale Projekte." Allerdings übte Meidinger auch Kritik an der Studie. Nur 575 der fast 3500 deutschen Gymnasien und gymnasialen Oberstufen seien damit erfasst worden, das Leistungsniveau der Schulen habe bei der Rankingfestsetzung keine Rolle gespielt. Meidinger: "Es ist schade, dass Schülerleistungen nicht miterfasst worden sind. Es wäre interessant gewesen, zu sehen, ob eine gute Schulausstattung, ein gutes Schulklima und Zusatzbildungsangebote auch zu besseren Leistungsergebnissen führen!"
Der Schulleiter des Acherner Gymnasiums, Paul Droll, der in den Tagen nach der Veröffentlichung der Capital-Umfrage-Ergebnisse einen beachtlichen Ansturm von Funk, Fernsehen und Printmedien auf seine Schule registrieren durfte, gab gegenüber der Verbandszeitschrift "Gymnasium Baden-Württemberg" folgenden Kommentar zu den Ergebnissen ab. Hier der Wortlaut:
"Eine Schule freut sich immer, wenn sie besondere Anerkennung erfährt. Den bundesweit ersten Platz bei der Vergleichsstudie, die die Zeitschrift "Capital" und Microsoft in Auftrag gaben, zu erzielen, sehen wir als eine Bestätigung unseres Bemühens vor Ort, gute Schule zu realisieren.
Gute Schule braucht eine Vision, die auf die Umgebung und die konkret vorhandenen Schülerinnen und Schüler passt. Ist dies abgeglichen, sind alle Beteiligten - Schüler, Lehrer, Eltern, Schulträger und das gesamte Umfeld - immer wieder dafür zu gewinnen, für die Umsetzung dieser Vision in die Praxis auch zu sorgen. "Wir" ist das entscheidende Wort, wenn gute Schule gelebt werden soll. Natürlich ist viel Engagement erforderlich, natürlich hilft es, wenn, wie in Achern, das Gymnasium in einem guten sozialen Netz eingebettet ist, bei 4 Prozent Arbeitslosen, einem engagierten Schulträger und vielen Sponsoren. So konnten wir unser Schulprofil stärken mit einem Kunstbereich, der wohl der größte in Deutschland sein dürfte, einem naturwissenschaftlichen Profil mit Naturwissenschaft und Technik sowie einem sprachlichen Profil. Schon vor Jahren führten wir, zunächst parallel zu G 9, den achtjährigen Bildungsgang ein und sind dabei, Schritt für Schritt das pädagogische Konzept für eine Ganztagesbetreuung umzusetzen. Was vor allem noch fehlt, ist die erforderliche Bausubstanz; hier hoffen wir wie viele andere Schulen darauf, dass auch noch nach IZBB Möglichkeiten eröffnet werden. Es bestand die einmalige Chance, auf der bundesdeutschen Medienbühne für kurze Zeit positive Nachrichten über Gymnasien, die Lehrerschaft und Bildung überhaupt zu transportieren. Dies haben wir offensiv genutzt. Im Alltag, wenn jetzt die Spots wieder ausgeschaltet sind, bleibt ein Motivationsschub, immer wieder neu für unsere Schülerinnen und Schüler die Schule so gut zu gestalten, wie wir es können."