Der Landesvorsitzende |
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
einige Schulwochen sind vergangen, und uns allen ist erneut klar geworden, wie vielfältig und anspruchsvoll die Aufgaben in unserem Beruf sind, in fachlicher, didaktischer und menschlicher Hinsicht.
Leider ist der Versuch, Lehrerarbeit neu zu bewerten, neu zu messen bzw. neu "einzuschätzen" nach anfänglich durchaus positiven Ansätzen gescheitert. Dafür gibt es viele Gründe: u.a. das Diktat der Ressourcenneutralität und die fehlende wissenschaftliche Verankerung.
Die Schulen werden nun trotzdem mit "Ergebnissen" konfrontiert: Da ist zunächst einmal die Ergänzung der "Verwaltungsvorschrift zur Arbeitszeit der Lehrer", die eine "Bandbreitenregelung" und eine "Kooperationszeit" enthält. Die Kooperationszeit, soweit sie sachgerecht in Abstimmung mit dem ÖPR angewandt wird, ist aus meiner Sicht akzeptabel. Nach wie vor lehnt der Philologenverband aber die Bandbreitenregelung bzw. das flexible Deputat ab.
Die Bandbreitenregelung geht von unpräzisen Voraussetzungen und scheinobjektiven Zahlen aus. Eine Absenkung der Deputate bei einer Lehrergruppe mit der Anhebung der Deputate bei einer anderen Lehrergruppe zu koppeln, ist nach Auffassung des Philologenverbands rechtswidrig. Wir fordern, den Schulleitungen einen Stundenpool zur Verfügung zu stellen, aus dem überdurchschnittliche Belastungen einzelner Kolleginnen und Kollegen ausgeglichen werden können.
Als weiteres "Ergebnis" der Diskussion zur Lehrerarbeitszeit hat das Kultusministerium an einer kleinen Zahl von Schulen, darunter drei Gymnasien, Modellversuche eingerichtet, mit denen alternative Modelle zur Arbeitsorganisation erprobt werden sollen.
Die schrittweise Einführung von Ganztagesangeboten - auch an den Gymnasien - wirkt sich ebenfalls auf Arbeitsorganisation, Arbeitsbedingungen und gegebenenfalls auf die Arbeitszeit gymnasialer Lehrkräfte aus.
Der Philologenverband wird sich über Rückmeldungen aus den Gymnasien einen Überblick bzgl. der Anwendung der ergänzten "Verwaltungsvorschrift zur Arbeitszeit der Lehrer" verschaffen. Er wird sich auch über den Ablauf der Modellversuche und über die Ganztagesangebote informieren. Wir werden unsere Positionen zu diesem Thema immer wieder darlegen und für sie werben, dabei werden wir selbstverständlich Ihre Einschätzungen und Meinungen mit einbeziehen.
Der Philologenverband Baden-Württemberg lässt sich in der Frage von Lehrerarbeit und Lehrerarbeitszeit u.a. von folgenden Überlegungen leiten:
·Das schulartspezifische Deputat, die einzig verlässliche
Messzahl für Lehrerarbeit, muss erhalten bleiben.
·Die schulartspezifischen
Arbeitsbedingungen von gymnasialen Lehrkräften müssen berücksichtigt
werden.
·Die "unterrichtlichen Aufgaben" müssen Kernbereich
der gymnasialen Arbeit bleiben.
·Aufgaben außerhalb der unterrichtlichen Tätigkeiten müssen
grundsätzlich im Deputat Berücksichtigung finden.
Offen für weitere Anregungen -
grüße ich Sie herzlich.
K. H. Wurster