Kunsterzieherverband schlägt Alarm:

„Breitenförderung wird immer dünner“

Der baden-württembergische Kunsterzieherverband BDK schlägt in einem Brief an Kultusminister Rau Alarm - die musisch-ästhetische Förderung von Kindern und Jugendlichen in der Breite werde im Land immer dünner, während über Sonderprogramme, Wettbewerbe und Workshops mit Künstlern vorwiegend die sowieso interessierten und aus bildungsnahen Schichten stammenden Kinder erreicht werden.

Die Krise der kulturellen Bildung fange, so schreibt der Tuttlinger BDK-Landesvorsitzende Hellmut Dinkelaker, schon in der Grundschule an, wo Kinder überwiegend von fachlich nicht dafür ausgebildeten Lehrkräften in gestalterischen Aufgabenbereichen unterrichtet werden und wo jetzt durch die Fächerverbünde die Entwicklung vielerorts zu einem völligen Verschwinden von Kunstunterricht zu führen drohe.

An den weiterführenden Schulen, so kritisiert der BDK die aktuelle Entwicklung, werden weiter Stundenzahlen in Kunst gestrichen, und insbesondere die Fachräume und die fachliche Ausstattung durch die Schulträger seien in völlig unzureichender  Weise den neuen Bildungsplänen angepasst.

Das vom Kultusministerium aktualisierte Modellraumprogramm für die musisch-ästhetischen Unterrichtsteile scheine nicht zur Kenntnis genommen zu haben, was in den Bildungsplänen an teilweise durchaus modernen Arbeitsformen steht. Kreativität sei unteilbar, so der Verband, in dem etwa ein Drittel der ausgebildeten Kunsterzieher organisiert sind.

Kulturelle Bildung und Naturwissenschaften gehörten zusammen, und wer im Hightech-Land Baden-Württemberg kreative junge Leute für alle Bereiche von Wirtschaft, Dienstleistung und Kultur schulisch hervorbringen wolle, käme am durchgängigen und von ausgebildetem Personal unterrichteten Kunstunterricht nicht vorbei.

Davon abgesehen sei gerade in der Mittelstufe die musisch-ästhetische Erziehung für die seelische Entwicklung junger Menschen von besonderer Bedeutung, was in vielen wissenschaftlichen Studien belegt werde.

Der BDK fordert deshalb die Landesregierung dringend auf, Kunstunterricht in der Breite stärker zu fördern statt einseitig auf Begabtenförderung zu setzen. Tuttlingen, 13.November 2006