Ausgebrannt: Was tun bei Burnout?

Fühlen Sie sich chronisch erschöpft, häufen sich berufliche Misserfolgserlebnisse, bemerken Sie bei sich eine immer stärker werdende Abneigung gegenüber Schülern, Eltern und Kollegen? Haben Sie den Eindruck: Mein Beruf macht mich krank? Dann geben sie nicht einfach sich oder anderen die Schuld, resignieren Sie nicht, sondern werden Sie aktiv, bevor es zu spät ist! Wie etwa ein Drittel (!) der Lehrerinnen und Lehrer leiden Sie womöglich am Burnout-Syndrom. Dieser Artikel beschreibt Ursachen, Symptome, präventive Maßnahmen und gibt Tipps zu Beihilfefähigkeit und Beantragung von Klinikaufenthalten.

Burnout: ein häufiges Leiden - besonders im Lehrerberuf

Das Burnout-Syndrom (von engl. to burn out - ausbrennen) bezeichnet einen chronischen Erschöpfungszustand samt seinen oft gravierenden psychischen und körperlichen Folgeerscheinungen. Der Begriff wurde bereits 1974 von dem deutschstämmigen Psychoanalytiker Herbert Freudenberger geprägt, ist aber erst in den letzten Jahren stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Es handelt sich beim Burnout um eine sehr ernst zu nehmende, weit verbreitete Erkrankung, derer man sich nicht schämen muss: in der im deutschen Gesundheitswesen verbindlichen 10. Auflage der "Internationalen Klassifikation der Erkrankungen" (ICD-10) wird sie als "Ausgebranntsein" und "Zustand der totalen Erschöpfung" mit dem Diagnoseschlüssel Z73.0 definiert. Betroffen sind vor allem helfende Berufsgruppen wie Ärzte, Pflegeberufe, Sozialarbeiter, Erzieher und insbesondere Lehrerinnen und Lehrer - aber auch jeder andere Beruf und das familiäre Umfeld können zum Burnout führen.

Ursachen

Eine Untersuchung von Professor Joachim Bauer von der Klinik für Psychosomatische Medizin Freiburg ergab: 35 Prozent der Pädagogen sind ausgebrannt, 20 Prozent sind behandlungsbedürftig. Aber weshalb sind gerade Lehrkräfte so häufig vom Burnout betroffen? Wie alle pflegenden und helfenden Berufe gehört zum Lehrberuf naturgemäß ein hoher ethischer und qualitativer Anspruch an die eigene Arbeit. Doch nicht nur die Lehrkraft selbst, auch ihr Umfeld stellt immer höhere Ansprüche an die Lehrtätigkeit: Schüler, Eltern, Schulleitung und die Gesellschaft insgesamt erwarten von den Lehrerinnen und Lehrern nicht mehr nur die Erfüllung des Bildungsauftrags, sondern im Rahmen des Erziehungsauftrags auch die Lösung praktisch aller Entwicklungs-, Verhaltens- und sonstiger Probleme, die Jugendliche haben können.

Dieser Erwartungshaltung stehen problematische Arbeitsbedingungen gegenüber: große und heterogene Klassen, Schüler mit immer mehr Förder- und Betreuungsbedarf, unzureichende Arbeitsplätze, fehlende Rückzugs- und Erholungsmöglichkeiten bei gleichzeitig immer längeren Präsenzzeiten an der Schule, nicht zuletzt durch die Einführung von G8.

Chronische Überlastung

Lehrer identifizieren sich dennoch häufig sehr stark mit ihrem Beruf und nehmen alle mit ihm verbundenen Herausforderungen uneingeschränkt an. Sie steigern ihren beruflichen Arbeitseinsatz stetig, verzichten auf Erholung und reduzieren soziale Kontakte außerhalb der Schule. Dies kann einen Teufelskreis in Gang setzen: Die ständige Anspannung und Überlastung bei fehlenden Erholungsphasen führt irgendwann zu chronischen Erschöpfungszuständen, Konzentrationsschwäche und Abnahme der intellektuellen und emotionalen Leistungsfähigkeit.

Psychische Folgen

Die verringerte Leistungsfähigkeit führt irgendwann dazu, dass sich die beruflichen Misserfolgserlebnisse häufen. Das Ergebnis ist eine immer stärkere Frustration. Als Abwehrreaktion gibt man leicht pauschal entweder sich oder anderen die Schuld am eigenen Versagen. Im ersten Fall resigniert man und kapselt sich ein, im zweiten wird man zynisch und aggressiv anderen gegenüber. Oft folgt eine Vernachlässigung der beruflichen Aufgaben, was weitere Versagenserfahrungen zur Folge hat. Wenn in diese sich selbst verstärkende Entwicklung nicht eingegriffen wird, kann es zu sehr ernsthaften psychischen Erkrankungen wie Depressionen, chronischen Angstzuständen und zu existenzieller Verzweiflung kommen.

Körperliche Folgeerkrankungen

Als Folge der psychischen Belastung können eine ganze Reihe von psychosomatischen Folgeerkrankungen auftreten:

Die psychischen und organischen Belastungen des Burnout-Syndroms verstärken die beruflichen Versagenserfahrungen, was wiederum gesundheitliche Konsequenzen hat: Der Teufelskreis schließt sich.

Den Teufelskreis durchbrechen: individuelle Prävention

Durch geeignete vorbeugende Maßnahmen kann verhindert werden, dass Burnout auftritt: vor allem durch ausreichende Erholungsphasen. Am besten man legt für sich regelmäßige Erholungszeiten fest, zum Beispiel ein Zeitraum am Nachmittag, der der Erholung dient, eine Zeit am Abend, nach der man nichts mehr für die Schule vorbereitet, ein Tag am Wochenende, an dem auf keinen Fall gearbeitet wird. Diese Zeiten müssen strikt eingehalten werden! Zur Not wird die Klassenarbeit eben einen oder zwei Tage später zurückgegeben, oder die eine oder andere Stunde nicht bis ins letzte Detail geplant. Wenn man sich krank fühlt, sollte man sich unbedingt krank schreiben lassen und zu Hause bleiben - in der Regel sind die Fehlzeiten dann insgesamt viel kürzer, als wenn man weiter arbeitet und dadurch die Krankheit verschlimmert.

Sehr wichtig sind auch entspannende, ausgleichende Aktivitäten. Soziale Kontakte außerhalb der Schule, Musik (musizieren, tanzen) und vor allem Sport wirken Wunder: Ein täglicher, ausgedehnter Spaziergang oder regelmäßige sportliche Betätigung bauen Stress ab, entspannen und erhalten Kreativität und berufliche Motivation.

Schulische Präventionsmaßnahmen

Auch die Schule kann Prävention leisten. Effektive Arbeit im Team spart Zeit und Energie: durch Kooperation und Koordination, Materialaustausch, gegenseitige Information, Beratung und Hilfe. Auch der Philologenverband versucht, den Kolleginnen und Kollegen den Lehreralltag zu erleichtern: der PhV-Bezirk Südwürttemberg stellt Ihnen unter www.phv-bw-tue.de mit seinem "Materialpool" eine Internet-Plattform für den Austausch von selbst erstelltem, urheberrechtsfreiem Unterrichtsmaterial zur Verfügung; die Jungen Philologen im PhV BW bieten mit ihrer Fortbildungsreihe "Fit für den Schulalltag" Unterstützung beim "Stressmanagement".

Für Schulleitung und Schulträger muss die Entwicklung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes Priorität haben - hier mögliche Ansatzpunkte:

Therapiemöglichkeiten

Wenn die Burnout-Symptome erst einmal deutlich auftreten, nützt Prävention nichts mehr: jetzt ist es Zeit für eine Behandlung! Beobachten Sie sich und achten Sie auf die oben beschriebenen Anzeichen für Burnout, denn die Erkrankung muss möglichst früh erkannt und behandelt werden! In einem frühen Stadium kann eine ausgedehnte Erholungsphase, z.B. in Form eines mehrwöchigen Klinikaufenthalts, Hilfe bringen. In fortgeschrittenerem Stadium dagegen, insbesondere wenn starke psychische und physische Beeinträchtigungen vorhanden sind, ist neben einer stationären Behandlung auch langfristige professionelle psychologische Beratung und Therapie notwendig? Burnout verschwindet dann auch durch eine ausgedehnte Erholungsphase nicht mehr von selbst!

Ein längerer Klinik- oder Sanatoriumsaufenthalt ist in der Regel sehr teuer. Damit daraus für den Einzelnen keine unerwartete und unter Umständen schwer zu bewältigende finanzielle Belastung entsteht, muss man die gesetzlichen Voraussetzungen für die Bewilligung von Beihilfeleistungen beachten und auch das Verfahren der Beantragung berücksichtigen ? und dies natürlich schon lange vor dem Antritt eines Klinikaufenthalts! Doch welche Arten von Klinikaufenthalten sind überhaupt beihilfefähig?

Begriffsbestimmung

Umgangssprachlich werden mehrwöchige Klinikaufenthalte, die nicht unmittelbar Folge eines Unfalls oder des plötzlichen Ausbruchs einer akuten Erkrankung sind, sondern einen seit längerem andauernden, chronischen Krankheitszustand (wie das Burnout-Syndrom) heilen sollen, oft als "Kuren" oder "Heilkuren" bezeichnet. Die zuerst genannten, unvorhergesehenen Klinikaufenthalte werden in § 6 der Beihilfeverordnung (BVO) des Landes Baden-Württemberg geregelt und spielen hier keine Rolle. Die übrigen, im voraus geplanten und beantragten Klinikaufenthalte teilt die Beihilfeverordnung streng in zwei Gruppen von Behandlungsmaßnahmen ein: in "stationäre Behandlungen" einerseits und "Kuren" andererseits. Die "stationären Maßnahmen" werden in § 7, die "Kuren" in § 8 der BVO geregelt.

"Kur" oder "Stationäre Behandlung"?

Bei der Beantragung eines Klinikaufenthaltes müssen viele Vorschriften beachtet und wichtige Schritte rechtzeitig unternommen werden. Da eine genaue Darstellung des Vorgehens bei der Beantragung einer Kur bzw. einer stationären Behandlung den Rahmen dieses Artikels sprengen würde, sei auf die wertvollen Hinweise der Schwerbehindertenvertretung sowie auf die Informationen des Landesamts für Besoldung und Versorgung (LBV) zum Thema "stationäre Behandlung" verwiesen. Die entsprechenden Internetadressen finden Sie am Ende des Artikels.

Oft verlangen die Kliniken schon vor dem Beginn der Behandlung eine Vorauszahlung. Ob dies der Fall ist, sollte rechtzeitig geklärt werden. Außerdem müssen Sie sicherstellen, dass man Ihnen im Rahmen der "stationären Behandlung" nach § 7 BVO nur solche Maßnahmen in Rechnung stellt, die "medizinisch notwendig" sind. Sonst kann leicht der Verdacht entstehen, dass es sich um eine "verdeckte Kur" handelt.

Verdammt zum Lehrer-Leiden Burnout?

Achten Sie auf sich und Ihre Kolleginnen und Kollegen, damit wir durch verstärkte individuelle und schulische Prävention und im Bedarfsfall durch rechtzeitige Intervention den Teufelskreis aus Anspruch und Belastung durchbrechen! Wenn alle, Kollegien und Eltern, Schulleitungen und Schulträger dazu beitrügen, und wenn auch das Kultusministerium darauf verzichten würde, immer mehr Aufgaben von der oberen und mittleren Verwaltungsbehörde an die Schulen zu delegieren und so die Belastungen zu erhöhen, dann könnte eines Tages vielleicht das Burnout-Syndrom aufhören, ein Lehrer-Leiden zu sein.

Weiterführende Literatur

Anne-Rose Barth: Burnout bei Lehrern. Hogrefe 1997. ISBN 3-8017-1104-8

Andreas Hillert und Michael Marwitz: Die Burnout-Epidemie. Oder brennt die Leistungsgesellschaft aus? Beck 2006. ISBN 3406535895

Rudolf Kretschmann: Stressmanagement für Lehrerinnen und Lehrer. Ein Trainingsbuch mit Kopiervorlagen. Beltz Pädagogik 2006 ISBN-13: 978-3407254283

Prof. Joachim Bauer, Kurzfassung der Freiburger Schulstudie zur Lehrergesundheit: http://www.psychotherapie-prof-bauer.de/Schulstudie%20Freiburg%20Kurzfassung.doc

Internet

Burnout-Hilfe-Portale
http://www.swissburnout.ch/test.php?lang=de
http://www.swissburnout.ch

Burnout-Selbstdiagnose-Test der Universität Hamburg
http://www.swissburnout.ch/test.php?lang=de

Merkblatt des LBV zum Thema "stationäre Behandlung"
http://www.lbv.bwl.de/fachlichethemen/beamte/beihilfe/stationaerebehandlungnach7bvo

Hinweise zum Vorgehen bei der Beantragung von Klinikaufenthalten
http://www.schulamt-stuttgart.de/Personalrat/Schwerbehindert/Reha%20und%20Kur.htm
http://www.schwerbehindertenvertretung-osa-tue.de/dok/Stationaere_Reha_Vorgehensweise.pdf

Suche nach (z.B. psychosomatischen) Kliniken
http://www.arzt-auskunft.de

Cord Santelmann,
Berufspolitisches Referat des PhV BW