Überstunden-Bugwellen "sichern" die Unterrichtsversorgung an den Gymnasien

Nach den Bedarfsmeldungen der Gymnasien des Landes werden im neuen Schuljahr im Vergleich zum letzten Schuljahr ca. 3600 Schüler mehr an den Gymnasien sein. Das Landesamt für Statistik prognostiziert sogar einen Zuwachs von rund 4000 Schülern. "Das sind über 100 Klassen mehr, die an den Gymnasien im kommenden Schuljahr bei zunehmendem Arbeitsaufwand verkraftet werden müssen, wenn man den viel zu hoch angesetzten Klassenteiler von 33 Schülern pro Klasse zugrunde legt", mahnt der PhV-Landesvorsitzende Karl-Heinz Wurster mit dem Hinweis, dass trotz steigender Schülerzahlen und größerer Klassen die Zahl der zugewiesenen Lehrerstunden nicht im dafür erforderlichen Umfang erhöht worden sei. "Mit einer Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung für Referendare und mit mehrjährigen Bugwellen werden Unterrichtsdefizite kaschiert und der Öffentlichkeit etwas vorgegaukelt", so Wurster.

Schon am 29. August hatte der Verband in einer Zumeldung zur Landespresskonferenz der Grünen herausgestellt, dass im Gegensatz zu vernünftigen Arbeitszeitreglungen in Bereichen der Industrie und Wirtschaft nach Verlautbarungen aus dem Kultusministerium in den nächsten Jahren kaum eine Aussicht auf eine Rückgabe von Bugwellen-Unterrichtsstunden bestehe, die von Lehrkräften an den Gymnasien über ihr Deputat hinaus geleistet wurden und nun zur Gewährleistung der Unterrichtsversorgung im kommenden Schuljahr erneut erforderlich werden.

"Realität ist, dass die Unterrichtsversorgung an den Gymnasien derzeit nur durch belastenden Mehrarbeitsunterricht der Kolleginnen und Kollegen gewährleistet werden kann", kritisiert Wurster. Sowohl jüngere als auch ältere Lehrer stünden deshalb unter massivem Druck, der zu Lasten der Unterrichtsqualität gehe und mit einem Raubbau an der Gesundheit der Lehrer erkauft werde.

Wurster appelliert an die Fürsorgepflicht des Dienstherrn und fordert das Angebot eines Vorgriffsstundenmodells mit schriftlicher Rückgabegarantie spätestens in vier Jahren nach dem prognostizierten Rückgang der Schülerzahlen ab dem Jahr 2011. "Wir werden diesbezüglich die Rechtslage prüfen lassen", so die Ankündigung von Verbandschef Wurster. Befürchtet wird, dass Ende Oktober der Lehrermarkt komplett leergefegt ist und dann zusätzliche Belastungen durch erforderliche Krankheits- und Mutterschaftsvertretungen zu erwarten sind. Im Übrigen wird nach PhV-Auffassung der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben, wenn die Realschulen Stellen an die Gymnasien abgeben müssten. "Denkbar sei allenfalls, dass für eine befristete Übergangszeit im Sekundarbereich 1 qualifizierte Seiteneinsteiger und Realschulkollegen eingestellt bzw. befristet übernommen werden."

"Die trüben Aussichten, dass Bugwellenstunden bis auf Weiteres nicht abgebaut und geleistete Mehrarbeit durch Stundenreduktion nicht ausgeglichen werden, aber auch die niedrigen Einstiegsgehälter der Berufsanfänger sind Motivationsbremsen und nicht geeignet, guten Lehrernachwuchs zu bekommen und eine verlässliche Unterrichtsversorgung zu garantieren", so Wurster. Der Philologenverband fordert massive Werbemaßnahmen für den Gymnasiallehrer-Beruf. Das gelte insbesondere für die Mangelfächer Physik und Chemie, aber auch für Fächer wie Informatik, Mathematik, Latein, Spanisch und Sport. Im Übrigen appelliert der Verband an die Politik, für bessere Arbeitsbedingungen an den Schulen zu sorgen und Lehrern im ländlichen Raum attraktivere Angebote zu machen.

phv-prm-/-heg-, 29.08.07 und 05.09.07

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