Philologenverband Baden-Württemberg sieht nach Meldungen aus 112 Gymnasien Befürchtungen bestätigt:
"Noch mehr Unterrichtsausfall im Pflichtbereich an Gymnasien trotz zunehmender Überstundenzahl!"
In den ersten Wochen des neuen Schuljahres gingen beim Philologenverband Baden-Württemberg (PhV BW) Meldungen zur Unterrichtsversorgung aus 112 Gymnasien des Landes ein. Danach ist die Tendenz eindeutig: Gegenüber dem Vorjahr ist die Anzahl der Überstunden an den Gymnasien um über 23 Prozent auf etwa 11.400 pro Woche gestiegen. Gleichzeitig hat der Unterrichtsausfall im Pflichtbereich um über 30 Prozent auf etwa 2.300 Stunden pro Woche zugenommen. Im nächsten Jahr muss im Schnitt jedes Gymnasium des Landes 27,8 Stunden an Lehrkräfte zurückgeben, die Mehrarbeit geleistet haben. Das entspricht mehr als einer Lehrerstelle pro Gymnasium, also etwa 450 Lehrerstellen insgesamt. Zur Abdeckung des Pflichtunterrichts fehlen dann noch zusätzlich 5,6 Stunden pro Gymnasium, hochgerechnet also rund 90 Lehrerstellen.
Von den insgesamt 7.519 Lehrerinnen und Lehrern der 112 Gymnasien, die sich über die Schulvertreter an den PhV BW gewandt hatten, leisten 2.357 Lehrkräfte (31 Prozent) insgesamt 3.785 Überstunden. Durchschnittlich werden in den 112 Schulen also derzeit 33,8 Überstunden geleistet. Verrechnet man diese Überstunden mit den durchschnittlich sechs Stunden an Gymnasien auch weniger unterrichteten Stunden, so bleiben immer noch durchschnittlich 27,8 Stunden pro Schule, die im nächsten Schuljahr wieder abgebaut werden müssen. Von diesen 112 Gymnasien meldete eine große Anzahl trotz dieser Überstunden erhebliche Stundenausfälle im Bereich des Pflichtunterrichts, wobei
das Fach Sport mit 173 Stunden am meisten betroffen ist, gefolgt von den Naturwissenschaften (172 Stunden), Bildender Kunst (64 Stunden), Religion/Ethik (80 Stunden), Musik (39 Stunden) und Fremdsprachen (insgesamt 58 Stunden).
Die insgesamt ermittelten Zahlen sind angesichts der Meldungen von über 25 Prozent der Gymnasien aussagekräftig. Hochgerechnet bedeutet dies, dass an den Gymnasien des Landes über 11.400 Überstunden absolviert werden und trotzdem noch ein Unterrichtsausfall von etwa 2.300 Stunden im Pflichtbereich festzustellen ist. Das bedeutet: Im laufenden Schuljahr fehlen zur Abdeckung der Unterrichtsversorgung etwa 540 Lehrerstellen.
Andreas Horn