Statistik: Prognostizierte Schülerzahlen bis 2025
An Gymnasien werden die Schülerzahlen bis 2009
weiter ansteigen und erst nach 2012 sinken
Nach Angaben des Landesamts für Statistik vom 26. Oktober 2007 wurden im Schuljahr 2006/07 rund 1,69 Millionen Schülerinnen und Schüler an den allgemein bildenden und beruflichen Schulen im Land unterrichtet. Das waren rund 5 000 weniger als im vorangegangenen Schuljahr. Die rückläufige Zahl an Geburten dürfte nach aktuellen Berechnungen des Statistischen Landesamtes in den Jahren bis 2025 für einen Rückgang der Gesamtschülerzahl um knapp 400 000 (gut 23 Prozent) auf etwa 1,3 Millionen sorgen. An den öffentlichen und privaten allgemeinbildenden Schulen lag im Schuljahr 2006/07 die Schülerzahl bei 1,291 Millionen. Hier ist bis 2025 ein Rückgang um 295 000 (23 Prozent) auf 996 000 zu erwarten. Bei den Gymnasien ist jedoch im Gegensatz zu den anderen allgemeinbildenden Schularten zunächst noch mit einer steigenden Schülerzahl zu rechnen. Wie das Landesamt für Statistik mitteilt, wurden im Schuljahr 2006/07 an den Gymnasien des Landes gut 333 000 Schülerinnen und Schüler unterrichtet.
An Gymnasien sinken Schülerzahlen erst nach 2012
Den Höhepunkt der Entwicklung an den öffentlichen und privaten Gymnasien erwartet das Statistische Landesamt in den Jahren 2008/09 und 2009/10 mit über 340 000 Schülerinnen und Schülern. Dies würde sogar den bisherigen Höchststand von 339 696 aus dem Schuljahr 1980/81 übertreffen. Bis zum Schuljahr 2011/12 werde die Zahl der Gymnasiasten in etwa diesen Stand halten können.
Mit dem Ausscheiden des »doppelten« Abiturientenjahrgangs des letzten 9-jährigen und des ersten flächendeckenden achtjährigen Gymnasialzugs im Sommer 2012 werde sich die Schülerzahl um einen kompletten Jahrgang auf rund 307 000 verringern. Im Anschluss daran machen sich auch an den Gymnasien des Landes die geburtenschwachen Jahrgänge bemerkbar: Die Schülerzahl dürfte demnach bis 2025 auf gut 251 000 absinken. Das wäre knapp ein Viertel weniger als 2006/07, aber die Schülerzahl läge immer noch über dem Wert des Schuljahres 1993/94.
Schülerzahlen-Entwicklung in ländlichen Gebieten
Ein besonders starker Rückgang der Schülerzahlen wird in ländlichen Kreisen Baden-Württembergs bis 2015 erwartet. Das ist den Ergebnissen einer Modellrechnung des Statistischen Landesamts für die Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs zu entnehmen.
Die voraussichtliche Entwicklung an den Gymnasien ist differenzierter zu betrachten: Bis zum Schuljahr 2009/2010 wird die Zahl der Schüler in den meisten Stadt- und Landkreisen sogar noch etwas ansteigen, um erst danach zurückzugehen; im Schuljahr 2011/2012 wird die Zahl der Gymnasiasten landesweit aber immer noch über dem derzeitigen Niveau liegen. Mit dem Ausscheiden des doppelten Abiturientenjahrgangs des letzten 9-jährigen und des ersten flächendeckenden 8-jährigen Gymnasialzugs im Sommer 2012 werde sich die Schülerzahl dann aber abrupt um einen Jahrgang verringern. Nach dem Jahr 2012 werde sich demografisch bedingt der Rückgang der Schülerzahlen an den Gymnasien beschleunigen. Die Spannweite für den Rückgang im Gesamtzeitraum 2006 bis 2015 werde von »nur« ?3 Prozent in Baden-Baden bis ?20 Prozent im Zollernalbkreis sowie in den Landkreisen Sigmaringen und Rottweil reichen.
Philologenverband fordert mehr Lehrerstellen für den Abbau von Bugwellen
Der Philologenverband Baden-Württemberg (PhV BW) begrüßt zwar, dass das Kultusministerium Baden-Württemberg an der in der Koalitionsvereinbarung gemachten Zusage festhalten wird, die bis zum Ende dieser Legislaturperiode durch den Schülerrückgang frei gesetzten Stellen im Bildungssystem zu belassen (Pressemitteilung des KM vom 26.10.2007), fordert aber zugleich, dass an den Gymnasien angesichts der an dieser Schulart in den nächsten Jahren weiterhin steigenden Schülerzahlen zwingend mehr Lehrer eingestellt werden müssen. "Hier darf nicht gespart werden, und es muss klar sein, dass die Stellen nicht nur "allgemein" im "Bildungssystem" verbleiben, sondern für die garantierte Gewährleistung des Pflichtunterrichts zur Verfügung gestellt werden", so Landesvorsitzender Karl-Heinz Wurster.
Die vom Landesamt für Statistik für die öffentlichen und privaten Gymnasien für die kommenden Jahre prognostizierten steigenden Schülerzahlen sind für den Philologenverband ein deutliches Alarmzeichen, dass das Kultusministerium sich nicht abwartend zurücklehnen kann, sondern jetzt schon vorausschauende Maßnahmen durch weitere Lehrereinstellungen an den Gymnasien ergreifen muss, um die Unterrichtsversorgung in den nächsten Jahren zu gewährleisten.
Der Anstieg der Schülerzahlen verschlechtert die Schüler-Lehrer-Relation, so dass die Klassen weiterhin randvoll bleiben. Wurster: "Nach uns vorliegenden Meldungen fehlen an den Gymnasien rund 450 Lehrerstellen, um die jetzt schon geleistete Bugwelle an
Überstunden abzubauen. Zur Abdeckung des Pflichtunterrichts fehlen landesweit weitere 90 Lehrerstellen. Der Philologenverband fordert die Einstellung weiterer Lehrer und regelmäßige verlässliche Prognosen für den Lehrerbedarf an den Gymnasien für eine bessere Planungssicherheit.
VBE fordert eine stabile Lehrerbedarfsanalyse
Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg vermisst für den Schulbereich ebenfalls eine verlässliche, stabile und für einen längeren Zeitraum ausgerichtete Lehrerbedarfsanalyse. Abgesehen von den menschlichen Schicksalen sei die Ausbildung von jungen Lehrkräften zu kostspielig, als dass man gute Pädagogen nach dem Referendariat arbeitslos auf die Straße schicken kann.
Steigen Schülerzahlen, sollen die Schulen das möglichst ohne zusätzliche Lehrerstunden lösen, sinken sie, werden postwendend Stellen gestrichen. Das zumindest sei häufig das Credo der Politiker, moniert VBE-Chef Rudolf Karg. Vor lauter Zahlenakrobatik bleibe da immer zuerst die Pädagogik auf der Strecke. Natürlich kosten Schulen Geld, dieses sei aber gut angelegt und eine wertvolle Investition in die Zukunft, versichert Karg und fordert für alle Schularten die Aufstellung einer professionellen Lehrerbedarfsprognose für jeweils ein Jahrzehnt. An den Schulen des Landes dürfe es nicht mehr weiter zugehen wie auf einem Großmarkt: mal Lehrerschwemme, mal Lehrermangel - je nach Saison oder Angebot und Nachfrage. Um eine halbwegs gesicherte Prognose erstellen zu können, sei zunächst eine ungeschminkte Bestandsaufnahme vonnöten. Die Schulen brauchen auf jeden Fall eine verlässliche Planungsperspektive.
Für eine solide Arbeit benötigten die Schulen Kontinuität und Stabilität in der Versorgung mit Lehrerstunden. Für eine langfristige Lehrerbedarfsplanung sind nach Auffassung des VBE neben den Geburtenzahlen unter anderem folgende Faktoren zu berücksichtigen: Pensionierungen, Fehlzeiten durch zunehmende Erkrankungen, Fächerbedarf, Trends bei der Schullaufbahnwahl, Teilzeit und Beurlaubungen, Schulentwicklung, Intentionen der neuen Bildungspläne sowie die politisch gewollte deutliche Zunahme von Ganztagesschulen und Betreuungsangeboten.
Kultusministerium: Prognosen sprechen klare Sprache - Beteiligte vor Ort sollten Handlungsspielräume ausschöpfen und Standortfragen aktiv mit gestalten
"Wenn beispielsweise durch Kooperationen Personalressourcen frei werden, verbleiben diese für eine Übergangszeit an den Schulen", sagte Kultusminister Rau (KM-PM, 26.10.2007) und betont: "Wir unterstützen die Kommunen dabei nach Kräften." Im Bereich der Grund- und Hauptschulen werde mit einem schnelleren Rückgang zu rechnen sein, als an Gymnasien und Beruflichen Schulen. Die regionalisierte Auswertung der Schülerzahlenprognose des Statistischen Landesamtes zeige auch, dass die Entwicklung in den Stadt- und Landkreisen sehr unterschiedlich verläuft. "Auf diese örtlich sehr unterschiedlichen Bedürfnisse können wir hinsichtlich der Lehrerversorgung angemessen reagieren. Wir haben bereits seit vergangenem Jahr sehr gute Erfahrungen mit der separaten Ausschreibung von Stellen für den ländlichen Raum gemacht. Auch die Möglichkeit, dass Schulen mittlerweile 50 Prozent aller verfügbaren Stellen selbst ausschreiben können, hat dazu geführt, dass Schulen sich die Lehrkraft aussuchen können, die am besten ins Schulprofil und zum Kollegium passt", erklärte Kultusminister Rau.
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