"Gymnasium im Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation"
Das 48. Internationale Bodenseetreffen 2007 fand diesmal in Appenzell statt
Am 15. und 16. September 2007 fand das 48. Internationale Bodenseetreffen in Appenzell statt, zu dem der Kantonale Mittelschullehrerinnen- und Mittelschullehrer-Verband St. Gallen (KMV), der Bayerische Philologenverband und der Philologenverband Baden-Württemberg eingeladen hatten. Dieses jährliche Treffen der Lehrer der Bodenseeanrainerländer Schweiz, Bayern und Baden-Württemberg dient der gegenseitigen Information über bildungs- und berufspolitische Entwicklungen.
Kernstück des Bodenseetreffens war eine Podiumsdiskussion zum Thema "Das Gymnasium im Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation". Der Schweizer Rundfunkmoderator Walter Eggenberger leitete die Diskussionsrunde mit folgenden Teilnehmern: Carlo Schmid (Landamtmann und Erziehungsdirektor), Ivo Bischofberger (Ständerat und Rektor des Gymnasiums Appenzell), Professor Ernst Mohr (Rektor der Universität St. Gallen) und Erziehungsdirektor und Hans Peter Dreyer (Präsident der Vereinigung Schweizer Gymnasiallehrer, VSG).
In seinem Eingangsstatement wünschte sich VSG-Präsident Dreyer anstatt eines Übertritts ein "Übergleiten" vom Gymnasium zur Hochschule. Prof. Mohr berichtete, dass die Universität St. Gallen bei der Umstellung auf das Bologna-System im Herbst 2001 einige grundlegende Veränderungen durchgeführt habe: Die Universität informiere jetzt sehr ausführlich darüber, was die Studierenden im Studium und im lebenslangen Lernen erwarte. Studienanfänger werden eine Woche lang intensiv auf die Rahmenbedingungen des Studiums vorbereitet, dazu gehört ein Einblick in die Nutzung der Bibliothek und der IT -Medien sowie eine Einführung in die Gruppenarbeit.
Differenzierte Bedürfnisse erforderten nicht nur, dass man differenziert auf sie eingehe, sondern auch die Bereitstellung der entsprechenden Ressourcen. Prof. Mohr benutzte das Bild vom "Restaurant-Konzept" der Universität St. Gallen: Wie in einem Restaurant, in dem man sich ein Menü individuell zusammenstellen könne, solle dies auch in einem Studium möglich sein. Schließlich wechselten die Bildungsstandards ja auch! Ein differenziertes Angebot für unterschiedliche Talente und Bedürfnisse baue auf das 1.Studienjahr auf, welches für alle Studierenden (Ausnahme Mathematik) gleich sei.
Hans Peter Dreyer definierte in Anlehnung an die Tradition das Gymnasium als eine Schule, ein Angebot, wo intellektuell begabte und leistungswillige junge Menschen auf ein Hochschulstudium hin ausgebildet werden sollten. Der Elitebegriff solle wieder positiv bewertet werden.
Im Verlauf der Diskussion wurde deutlich, dass die Probleme in der Schweiz ähnlich gelagert sind wie in Deutschland:
- Die Gymnasien haben keine Zeit mehr für ihr Kerngeschäft, den Unterricht.
- Auch die Universitäten leiden unter "Reformitis".
- Die Quote der Studienabbrecher, der Dropouts, ist zu hoch.
Damit die Studierenden den neuen Anforderungen der Universitäten gerecht werden können, müssen auch an den Gymnasien Veränderungen stattfinden: Für Schüler sei es wichtig, dahingehend ausgebildet zu werden, dass sie sich selbst einschätzen können und über eigenständige Arbeits- und Lerntechniken verfügen. Laut Ivo Bischofberger werden diese Anforderungen in den Curricula bereits berücksichtigt.
Fachorientierung und Wissenschaftsspezifität sind Charakteristika des Gymnasiums, dennoch ist es wichtig, kritisch über die Grenzen der Fachwissenschaft hinauszuschauen und im Kollegium interdisziplinär zusammenzuarbeiten.
Auf die Frage des Moderators nach den Traditionen, die es zu bewahren gelte, antworteten alle Podiumsteilnehmer übereinstimmend:
- sicherer Umgang mit der Muttersprache,
- gute Beziehung zur Mathematik,
- Kenntnisse zweier Fremdsprachen und Einblick in ihre Kulturen
- Einblick in Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften.
Bischofberger wies in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung des humanistischen Bildungsideals und der vertieften Allgemeinbildung hin.
KMV-Präsident Mathias Gabathuler bedankte sich abschließend für die interessante Podiumsdiskussion, verabschiedete sich bei allen Teilnehmern des Bodenseetreffens und schloss die Veranstaltung mit den Worten: "Schüler sollen Passionen für Bildung entwickeln!"
Sabine Grobe
Vorsitzende der Jungen Philologen