PhV begrüßt Rau-Initiative gegen Lehrer-Mobbing
Mit dem Thema "Lehrer-Mobbing" sich beschäftigende Arbeitsgruppe will bis zum Beginn des nächsten Schulhalbjahres Ergebnisse vorlegen
"Kein Schulzeugnis darf gegen den Willen eines Betroffenen ins Internet gestellt werden, kein Arbeitnehmer wird in einem Internetportal seine Firma schlecht reden oder geschäftsschädigend benoten, doch Lehrer werden an den Pranger gestellt, gemobbt und öffentlich diskreditiert, bestärkt durch zum Teil fragwürdige Gerichtsentscheidungen", so der PhV-Landesvorsitzende Karl-Heinz Wurster zur Bekanntgabe der Arbeitsaufnahme einer Arbeitsgemeinschaft zum Thema "Lehrer-Mobbing".
Der Philologenverband begrüßt, dass Kultusminister Rau sein im Rahmen der Fernsehsendung 'Ländersache' am 28. Juni dieses Jahres gegenüber Verbandsvertretern gegebenes Versprechen, gegen Lehrer-Mobbing im Internet vorzugehen, nun einlösen will. Der Philologenverband Baden-Württemberg war mit einer entsprechenden Forderung an Kultusminister Rau herangetreten.
"Die Diskreditierung von Lehrkräften ist kein Kavaliersdelikt. Ich ermutige die Schulen zu einem konsequenten Vorgehen, wenn konkrete Fälle bekannt werden", sagte Kultusminister Helmut Rau anlässlich der konstituierenden Sitzung der Arbeitsgruppe "Lehrer-Mobbing". Weiter heißt es in der vom Kultusministerium herausgegebenen Pressemitteilung: "Bloßstellende Videos, die Lehrkräfte in Unterrichtssituationen zeigen, Beleidigungen oder Drohungen, die über das Internet verbreitet werden, haben sich zu einem Problem entwickelt, dem sich betroffene Lehrkräfte hilflos gegenübersehen. Zuletzt hatte die Entscheidung des Landgerichts (LG) Köln zur Lehrer-Bewertungsplattform "Spickmich" Aufsehen erregt. Das LG hatte das Angebot als rechtmäßig bewertet."
Die auf Initiative des Kultusministers gegründete Arbeitsgruppe setzt sich aus Fachleuten aus der Schulpraxis, aus dem Kultus-, Innen- und Justizministerium, dem Landesschülerbeirat und aus dem Bereich der Schulpsychologie zusammen. Sie wird sich mit unterschiedlichen Fragestellungen des Mobbings befassen, wobei es nicht nur um die rechtliche Aufarbeitung und psychologische Unterstützung gehen soll, sondern auch um mögliche präventive Ansätze. Ergebnisse will die Arbeitsgruppe bis zum Beginn des zweiten Schulhalbjahres vorlegen.
Der PhV hofft, dass die mit Thema "Lehrer-Mobbing" sich befassende Arbeitsgemeinschaft im nächsten Jahr Vorschläge und Hilfen erarbeiten wird, wie man gegen anonyme Lehrer-Verunglimpfungen und Beleidigungen vorgehen kann.
"Wie würde die Schülerschaft reagieren, wenn man ihre Noten anonym vergeben und dann samt 'Kopfnoten' über das Internet der Öffentlichkeit zugänglich machen würde", fragt Wurster mit dem Hinweis "wenn Persönlichkeitsrechte und Datenschutz durch diffamierende Äußerungen verletzt werden, kann das nicht unter dem Aspekt 'freies Recht auf Meinungsäußerung' geduldet werden, denn: auch im Internet geäußerte Beleidigungen sind strafrelevant."
Nach Auffassung des Philologenverbandes Baden-Württemberg wird durch derlei Internet-Aktivitäten der Erziehungsauftrag der Schule gefährdet und der Schulfrieden erheblich gestört. "Wir setzen auf eine faire Partnerschaft a l l e r am Schulleben Beteiligten und sind sicher, dass sich auftretende Konflikte und Meinungsverschiedenheiten an den Schulen durch eine fair und offen geführte Gesprächskultur zwischen Schülern, Lehrern und Eltern und mit gegenseitigem Respekt vernünftig lösen lassen", so Wurster abschließend.
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