Hauptvorstandssitzung lieferte beeindruckendes
Spiegelbild über die aktuellen Verbandsthemen
Zur Hauptvorstandssitzung, die am 14. Dezember 2007 diesmal im Stuttgarter Hospitalhof stattfand, konnte Landesvorsitzender Karl-Heinz Wurster neben den Mitgliedern dieses Verbandsgremiums als Gäste Regierungsschuldirektor Wolfgang Buhmann vom Regierungspräsidium Karlsruhe und Paul Droll, den Vorsitzenden der Direktorenvereinigung Nordbaden, begrüßen. In seinem Bericht zur Lage ging Karl-Heinz Wurster kurz auf die laufende Strukturdebatte mit ihren Angriffen auf das Gymnasium ein, die später im Rahmen der Sitzung auch von der stellvertretenden Landesvorsitzenden Brigitte Röder noch einmal kritisch und ausführlich beleuchtet wurde (s. hierzu auch Berichte an anderer Stelle dieser gbw-Ausgabe). Begrüßen konnte der Landesvorsitzende auch Ministerialrat Hermann Reichert vom Kultusministerium, der im Verlauf der Sitzung ein sehr informatives Referat über die "Unterrichtsversorgung - Gegenwart und Perspektive" kurzweilig und anschaulich präsentierte.
Karl-Heinz Wurster erinnerte eingangs an den DBB-Gewerkschaftstag in Berlin, an dem der Verband mit einer Delegation teilgenommen hatte. Unerwähnt blieb nicht, dass der DBB-Bundesvorsitzende Peter Heesen sich bei seiner Wiederwahl nur mit 65,1 Prozent der abgegebenen Stimmen zufrieden geben musste. Immerhin hatten die Delegierten aus Baden-Württemberg für ihn gestimmt. Wurster zur Wahl des DBB-Vorsitzenden: "Wir haben uns gedacht: Der Bundesvorsitzende muss gestärkt werden." Herausgestellt wurde in Wursters Bericht auch der Gewerkschaftstag des Beamtenbundes Baden-Württemberg, bei dem der bisherige Vorsitzende Volker Stich 171 von 185 gültigen Stimmen erhielt, ein erfreuliches Ergebnis also von 92,4 Prozent der abgegebenen Stimmen. Abgestimmt wurde dort auch über Anträge aus dem Schulbereich. Mehrheitlich wurde seitens der Delegierten dafür plädiert, an der bewährten gegliederten Schulstruktur mit unterschiedlichen Schularten festzuhalten.
Im Fokus: Besoldungsfragen, Bugwellen und Arbeitsbedingungen
Eingegangen wurde von Karl-Heinz Wurster auch auf Besoldungsfragen. Für 2009 gebe es eine Gehaltsforderung von 4 Prozent. Dass die Forderungen diese Marke überschreiten würden, sei anzunehmen. (Hinweis: Inzwischen hat der DBB bereits 8 Prozent gefordert). An der Arbeitszeit (41-Stunden-Woche und 25 Unterrichtsstunden für Lehrkräfte an Gymnasien) sind derzeit keine Änderungen geplant. Eine 26. Stunde würde zu heftigsten Protestreaktionen führen, so Wurster, der die Erhöhung der Wochenstundenzahl auf 12 bei den Referendaren stark kritisierte und an die Protestreaktionen des Verbandes erinnerte. Kritik gab es auch wegen der hohen Zahl an Bugwellenstunden, die von Dr. Andreas Horn ermittelt wurden, und an den fünfhundert im Gymnasialbereich fehlenden Deputaten. "Die Mehrarbeitsstunden müssen auf jeden Fall zurückgegeben werden", so die Forderung des Verbandes. Wurster zitierte in diesem Zusammenhang den Minister, der zugesichert habe, dass die angesammelten Stunden rechtlich abgesichert seien. Hinsichtlich einer Neuregelung der Lehrerarbeitszeit hat der Verband klar herausgestellt, dass ein sog. "Flexibles Arbeitszeitmodell" für den PhV nicht in Frage kommt. "Die Arbeitsbedingungen haben sich an den Gymnasien nicht verbessert", so Wurster mit dem Hinweis: "Wir haben neben den Realschulen die größten Klassen und inzwischen eine große Heterogenität. Die Übergangsquote auf die Gymnasien liege in einigen Städten bereits bei fast 60 Prozent. Viele sprächen schon von einem "Volksgymnasium".
Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen ging Karl-Heinz Wurster auf die Probleme durch vermehrten Nachmittagsunterricht (u.a. durch die Parallelläufigkeit von G8 und G9), auf die zunehmende Unterrichtsverdichtung und auf fehlende Rückzugsräume im Ganztagsschulbetrieb ein (Hinweis: Wenn ich vor- und nachmittags Unterricht habe, kann ich mich abends nicht mehr richtig vorbereiten"). Der Philologenverband fordert schon seit Jahren einen besseren Arbeits- und Gesundheitsschutz an den Schulen. In puncto "Pension mit 67" steht der PhV hinter dem Beamtenbund: das Land Baden-Württemberg darf hierbei nicht den bundesweiten Vorreiter spielen. Hier müsse man die Bundesregelung berücksichtigen, so Wurster.
Angesprochen wurde auch das Verfahren der Fremdevaluation und kritisiert, dass hierfür Mittel aus Bereichen der Lehrerfortbildung verwendet würden. "Die Teams verschlingen Riesensummen." Unerwähnt blieb nicht, dass der Verband zu allen bildungs- und berufspolitischen Themen Pressemitteilungen herausgegeben habe, leider nicht immer mit der gewünschten Resonanz bei den Medien. Ein guter Gesprächskontakt besteht zur CDU und FDP, die das gegliederte Schulsystem behalten wollen. Karl-Heinz Wurster wies auf die Wichtigkeit der seit Herbst 2007 laufenden innerverbandlichen Wahlen hin. In diesem Zusammenhang bat er die anwesenden Regionalvertreter und die Bezirksversitzenden dringend, dafür Sorge zu tragen, die erste Stufe der Wahlen (Wahl der Schulvertreter) zeitnah abzuschließen und die Wahlergebnisse der Landesgeschäftsstelle umgehend mitzuteilen.
In der anschließenden Diskussion wurde u.a. die Bugwellensituation durch Mehrarbeit angesprochen. Angesichts fehlender Lehrer in Mangelfächern sei kaum an eine Rückgabe der Stunden zu denken. Wichtig sei, dass insbesondere ältere Kolleginnen und Kollegen vor ihrem Eintritt in den Ruhestand ihre Stunden zurückbekommen. Ministerialrat Buhmann vom Regierungspräsidium Karlsruhe beruhigte: die Situation werde sich ab dem Jahr 2012 mit der Abnahme des Schülerbergs (z.B auch durch den Weggang des doppelten Abiturjahrgangs) deutlich verbessern. Im Übrigen seien MAU-Mittel vorhanden. Der Vorsitzende der Direktorenvereinigung Südbaden, Paul Droll, vertrat folgenden Standpunkt: "Wer eine Mehrarbeitsstunde gegeben hat, dem muss garantiert werden, dass ihm die Stunde zurückgegeben wird." Droll wies auch darauf hin, dass man in einigen Fächergruppen keine Berufseinsteiger bekommen werde.
Die Schulstrukturdebatte
Zur laufenden Schulstrukturdebatte führte die stellvertretende Landesvorsitzende Brigitte Röder aus, dass man in Baden-Württemberg von diesem Thema jahrelang verschont geblieben sei. Es gebe eigentlich auch keine wissenschaftlich fundierte Grundlage, dass mit einer Schulstrukturänderung das Bildungssystem insgesamt besser werde. Gerade im ländlichen Bereich - wenn man aus den baden-württembergischen Ergebnissen die Ausländer herausrechne - "sind wir genau so gut wie Finnland." Diese und ähnliche Fakten würden in der Öffentlichkeit jedoch meist totgeschwiegen. Oft werde man nur mit einem Halbsatz zitiert. Über die Forsa-Ergebnisse habe man beispielsweise kaum etwas oder gar nichts in den Zeitungen finden können. Brigitte Röder ist davon überzeugt, dass die meisten von denen, die jetzt die Gemeinschaftsschule fordern, ihre Kinder auf Privatschulen schicken. Ein Problem seien der in bildungsfernen Schichten häufig praktizierte Fernsehkonsum in Kinderzimmern ("Baby-TV"!) und die Sprachdefizite von Migrantenkindern der zweiten Generation. Es bestehe eine berechtigte Sorge darüber, "wie wir unseren Schulstandard erhalten können".
Eine Mehrheit der Eltern sei gegen ein längeres gemeinsames Lernen. Für die Schaffung einer Einheitsschule, eine damit verbundene Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems und schließlich des Gymnasiums gebe es überhaupt keinen Grund. Das Gymnasium im gegliederten Schulsystem sei ein Erfolgsmodell und müsse als solches der Öffentlichkeit vermittelt werden. "Wir wollen eine verpflichtende sprachliche Ausbildung in einem Vorschuljahr, auf keinen Fall aber eine Verlängerung der Grundschule", lautet die Forderung des Verbandes. In der anschließenden Diskussion wurde auf den sich bildenden gesellschaftlichen Zündstoff hingewiesen, wenn eine soziale und sprachliche Integration von Kindern nicht frühzeitig erfolge.
Kritisiert wurde von Mitgliedern des Hauptvorstands die zum Teil einseitige Berichterstattung in den Medien über die Schulstrukturdebatte zugunsten einer von Bildungsideologen gewünschten längeren Grundschulzeit mit folgender Gemeinschaftsschule. Meinungen und Studien, die sich für das bewährte mehrgliedrige Schulsystem aussprachen, blieben zumeist unberücksichtigt. "In der laufenden Schulstrukturdebatte werden leider positive Meinungen zum gegliederten Schulsystem und begründete Befürchtungen über die Folgen seiner Abschaffung und sogar wissenschaftlich abgesicherte Studienergebnisse und Fakten entweder ganz verschwiegen oder aber ideologisch gefärbt wiedergegeben", so der Kommentar eines Kollegen am Rande der Sitzung. "Hier vermissen wir eine ausgewogene und politisch neutrale Berichterstattung!"
Im Rahmen ihrer Verabschiedung nahm Susanne Lin-Klitzing noch einmal Bezug auf die laufende Schulstrukturdiskussion. Sie habe sich auf ihrem Bildungs- und Berufsweg am Leistungsgedanken orientiert und diesen auch realisiert. Lin-Klitzing: "In meiner Familie hat keiner studiert, und ich kam nicht auf Elternwunsch, sondern aufgrund der Empfehlung meiner Lehrer ans Gymnasium."
Vor der Wahl des neuen stellvertretenden Vorsitzenden Bernd Saur, der zum Nachfolger der bisherigen stellvertretenden Landesvorsitzenden Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing gewählt wurde, ging Schatzmeister Dr. Andreas Horn auf die aktuelle und durchaus positive Mitgliederentwicklung des Verbandes ein.
Aktivitäten der Jungen Philologen
Über die Aktivitäten der Jungen Philologen berichtete die Vorsitzende der Jungen-Philologen, Sabine Grobe. Sie stellte heraus, dass die Jungen Philologen zusammen mit der DKV ein "Survival-Kit" für Studienreferendare kreiert haben, welches den Berufsanfängern den Einstieg ins Berufsleben erleichtern soll. In diesem Jahr (2008) sei eine ganztägige Fortbildung in Form eines Junglehrertages geplant. Sabine Grobe ermunterte zur Mitarbeit. Sollten junge Kolleginnen und Kollegen Interesse an einer Mitarbeit haben, so seien sie herzlich willkommen.
Informationen für Arbeitnehmer
Ursula Kampf, Tarifbeauftragte im Philologenverband Baden-Württemberg, berichtete von der erfolgreichen gemeinsamen Initiative von Philologenverband und Berufsschullehrerverbänden im Herbst 2007: Neu eingestellten Lehrkräften im Arbeitnehmerverhältnis (L. i. A.) können nach Auskunft des Kultusministeriums nun entsprechende berufliche Tätigkeiten vor ihrem späten Referendariat als sog. förderliche Zeiten nach TV-L-Stufen und damit entgeltrelevant angerechnet werden, wenn sie die anerkannten Mangelfächer Mathematik, Physik, Chemie, Informatik oder Latein unterrichten. Außerdem müssen zukünftig für ein Schuljahr befristet eingestellte Lehrkräfte im Falle eines erneuten befristeten Vertrags zum darauf folgenden Schuljahresbeginn nicht mehr "von Null" in Stufe 1 der jeweiligen Entgeltgruppe (EG) anfangen, sondern rücken, nachdem sie ein volles Kalenderjahr insgesamt beschäftigt waren, in Stufe 2 ihrer EG vor. "Ungelöst ist hingegen das Problem der Bundeslandwechsler (wir berichteten) und die Situation für neu eingestellte L. i. A., die nicht die oben aufgezählten Mangelfächer unterrichten, ganz zu schweigen von der Perspektive für Mangelregionen", so Ursula Kampf abschließend.
Informationen aus dem HPR und aus den Bezirkspersonalräten
Die seit Beginn des laufenden Schuljahres 2007/08 amtierende Vorsitzende des Hauptpersonalrats, Annette Laur, ging auf die aktuell im Hauptpersonalrat Gymnasien behandelten Themen ein. Ihrem Bericht ist zu entnehmen, dass sich die zunehmende Arbeitsverdichtung an den Schulen auch in den Stufenvertretungen bemerkbar macht.
Der Vorsitzende des Bezirkspersonalrats Stuttgart, Gerhard Isringhausen, berichtete, dass sich in letzter Zeit mehrere Kolleginnen und Kollegen an den Bezirkspersonalrat Stuttgart gewandt hätten, die sich in einigen Fällen über die Art der Behandlung durch die Behörde beklagten, "die die Fürsorgepflicht vermissen ließ".
Wo früher mit einiger Geduld abgewartet worden sei, habe das Regierungspräsidium Stuttgart einige Entscheidungen zuungunsten von Kollegen zeitnah auf den Weg gebracht, stellte Isringhausen fest mit dem Hinweis: "Bisher gut und sehr gut beurteilte Kolleginnen und Kollegen erhielten trotz guter Schulleiternoten bei Unterrichtsbesuchen schlechte Noten, die ihnen nicht plausibel gemacht werden konnten." Der Einwand des Bezirkspersonalrats, dass besondere Umstände und Differenzen in der Auffassung von Unterrichtskonzepten die Ursache wären, sei nicht berücksichtigt worden. Das habe zum Beispiel zur Verlängerung der Probezeit geführt. Gerhard Isringhausen abschließend: "Der Bezirkspersonalrat hofft, dass die Effizienzrendite der Verwaltungsreform nicht durch ein solches Vorgehen erbracht werden soll."
Fehlende Beteiligung der Stufenvertretung moniert
Der Vorsitzende des Bezirkspersonalrats Freiburg, Edmund Hensle, teilte mit, dass der Bezirkspersonalrat Freiburg im vergangenen Jahr zwei Beschlussverfahren gegen das Regierungspräsidium habe einleiten lassen. In beiden Verfahren moniert der BPR die fehlende Beteiligung der Stufenvertretung. In dem einen Fall gehe es um die Beteiligungsrechte bei der Entlassung von Referendaren, in dem anderen um die Nichtbeteiligung bei der Einführung des Sprengelprinzips. In beiden Fällen habe das Regierungspräsidium nach Meinung des BPR Freiburg gegen das Landespersonalvertretungsgesetz (LPVG) verstoßen.
Einen dritten Schwerpunkt bildete die Beteiligung des BPR Freiburg bei den A14-Ausschreibungen. Edmund Hensle stellte heraus, es habe schon fast Tradition, dass dieses in sehr kooperativer Weise zwischen dem Regierungspräsidium und dem Bezirkspersonalrat behandelt werde. "Unsere Kritik an dem Ausschreibungsumfang", sagte Hensle weiter, "wurde über die Schulreferenten an die Schulleiter weitergegeben und von denen in weiten Teilen akzeptiert." Erwähnt wurde auch, dass immer mehr Schulleiter dazu übergingen, die interne Kommunikation über E-Mail abzuwickeln. Die Juristen des Regierungspräsidiums hätten dazu auf Nachfrage des BPR festgestellt, dass ein solches Verfahren nicht zu dulden sei.
Gegen Beschäftigung mit Nebenlehrerverträgen
"Die Arbeit des Bezirkspersonalrats am Regierungspräsidium Karlsruhe war im zweiten Halbjahr 2007 beeinträchtigt, weil das Referat Gymnasien von August bis Oktober nicht besetzt war", sagte der Vorsitzende des Bezirkspersonalrats Karlsruhe, Winfried Bös, und wies darauf hin, dass deshalb kein Vierteljahresgespräch habe stattfinden können. Winfried Bös teilte ferner mit, dass der BPR Karlsruhe Widerspruch gegen die Beschäftigung der Referendare in Höhe von zwölf Stunden erhoben habe. Auch wehrt sich nach Aussagen von Winfried Bös der BPR Karlsruhe gegen die Beschäftigung von Referendaren und Studenten mit Nebenlehrerverträgen. Im Übrigen sollte die zweijährige Probezeit von neu ernannten Schulleitern besser bekannt sein und auch wirklich für eine kritische Überprüfung der Schulleiterkompetenzen genutzt werden.
Hans-Eckhard Giebel