Jubiläums-Schulvertreterversammlung im Bezirk Südwürttemberg behandelte breiten Themenkatalog

Es war die 30. Schulvertreterversammlung, zu der Bezirksvorsitzender Bernd Saur am 18. Oktober 2007 im traditionellen Tagungsort, dem Kloster Untermarchtal bei Ehingen, die amtierenden Schulvertreter sowie Gäste, Ehrengäste und Referenten begrüßen konnte. Er nutzte die Gelegenheit, die neue Vorsitzende des HPR Gymnasien, Annette Laur aus Mannheim, vorzustellen.

Beleuchtet: Die aktuelle HPR-Arbeit

Annette Laur umriss die Rechte und Pflichten sowie die Arbeitsweise des HPR und gab einen Überblick über die Themen, mit denen sich das Gremium vorrangig beschäftigt. Dazu gehören die Unterrichtsversorgung, der Modus der A14-Beförderungen, die Arbeitszeit, das Hinausschieben des Eintritts in den Ruhestand, die Lehrereinstellung, die Evaluation, Fragen im Zusammenhang mit der elektronischen Personalverwaltung, Fragen der Elternzeit und des Gesundheitsschutzes. Sie berichtete außerdem von diversen sogenannten Einigungsstellen, die dann entscheiden müssen, wenn zwischen dem Ministerium und dem HPR in einer bestimmten Frage keine Einigung erzielt werden kann.

Thematisiert: Besoldungssituation und Schulstrukturdebatte

Der PhV-Landesvorsitzende Karl-Heinz Wurster ging zunächst auf die Besoldungssituation ein. Angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung und bestimmter Tarifabschlüsse in Arbeitnehmer-Bereichen sei die seitens des Beamtenbunds Baden-Württemberg erhobene Nachforderung von 2,4 Prozent zusätzlich zu den bereits vereinbarten 2,9 Prozent für das Kalenderjahr 2008 mehr als gerechtfertigt, nicht zuletzt auch, um die Attraktivität des Lehrerberufs zu wahren.

Von so mancher Seite erhobenen Forderungen nach Verlängerung der Grundschulzeit erteilte er eine klare Absage und bedauerte, dass der VBE sich ebenfalls diesen Forderungen angeschlossen habe. Mit einer Abschaffung der Hauptschule würde man die Probleme nicht lösen, sondern nur verlagern. Eine Verlängerung der Grundschule um zwei Jahre wäre für das Gymnasium eine Katastrophe, nachdem man diese Schulart durch die Schulzeitverkürzung bereits "von oben" beschnitten habe. Das Gymnasium stelle einen durchgängigen Bildungsgang dar, der sich durch einen qualitativ hochwertigen Fachunterricht auszeichne.

Im Übrigen solle einmal die Frage untersucht werden, warum es einerseits sehr erfolgreiche, andererseits jedoch sehr problematische Hauptschulen gäbe. Die Teilnehmer waren sich einig, dass eine Verlängerung der Grundschulzeit die massive Gründung von Privatschulen fördern würde und dass damit die Bildungschancen der Kinder von den finanziellen Möglichkeiten ihrer Eltern abhängig wären, was jetzt nicht der Fall und selbstverständlich auch nicht wünschenswert sei. Notwendig sei vielmehr eine systematische vorschulische Förderung, vor allem eine sprachliche Förderung, und dies wiederum vor allem für diejenigen Kinder, die seitens ihrer Eltern wenig (sprachliche) Förderung erfahren würden.

Arbeitnehmerfragen erläutert

Die Angestelltenvertreterin im HPR, Ursula Kampf vom Gymnasium Öhringen, beleuchtete den Rechtsstatus von Arbeitnehmern in besonderen Situationen, wie zum Beispiel im Krankheitsfall, bei Altersteilzeit, bei Aufstieg und Höhergruppierung oder der Einstellung. Sie verwies auf die erheblichen Besoldungsnachteile, die den Lehrerinnen und Lehrern im Angestelltenverhältnis (Arbeitnehmer) durch die Umwandlung des BAT-Systems in den neuen Tarifvertrag-Länder (TV-L) entstanden sind. Durch die Eingruppierung in eine niedrigere Stufe seien kaum noch Mitarbeiter zu gewinnen, da die gebotenen Gehälter äußerst niedrig seien. Sie rate allen Bewerberinnen und Bewerbern, sich vorab gründlich zu informieren, um böse Überraschungen zu vermeiden.

Aktive Jungphilologen

Der stellvertretende Bezirksvorsitzende und Vorsitzende der Jungphilologen im Bezirk Südwürttemberg, Cord Santelmann vom Gymnasium Hechingen, verwies auf die regelmäßigen Fortbildungsveranstaltungen der Jungen Philologen, bei denen Themen wie Disziplinprobleme, Zeitmanagement und Gesprächsführung behandelt werden. Er gab bekannt, dass er auf PhV-Landesebene die Referate IT (Informationstechnik) und Berufspolitik übernommen hat und regte an, den von ihm betreuten Materialpool im Web zu nutzen und diesen Service weiter bekannt zu machen. Wer regelmäßig den PhV-Newsletter zu aktuellen bildungs- und berufspolitischen Fragen erhalten wolle, möge sich bitte bei ihm anmelden. Der Regionalvertreter der Region "Obere Donau", Jörg Sobora vom Pestalozzi-Gymnasium Biberach, übernimmt bereits vielfältige Aufgaben für die Jungen Philologen und kündigte an, für das Amt des stellvertretenden Bezirksvorsitzenden der Jungen Philologen kandidieren zu wollen.

Vorschläge aus dem Kreis der Schulvertreter

Im Rahmen einer Gruppenarbeitsphase entwickelten die Schulvertreter Vorschläge zur Verbandsentwicklung und für thematische Schwerpunkte in der Verbandsarbeit. Besondere Beachtung fand dabei der Vorschlag, die Erfolge der Schulart Gymnasium im Rahmen einer Medienoffensive "Deutschland braucht das Gymnasium" darzustellen. Es wurde angeregt, angesichts der bundesweiten Diskussion über die Schulstruktur eine Aktion auf deutscher Ebene (DPhV) zu initiieren.

Frauenarbeit, Beförderungen und Unterrichtsversorgung thematisiert

Die stellvertretende Landesvorsitzende, Brigitte Röder vom Kepler-Gymnasium Ulm, beschrieb die Aktivitäten des Verbands im Bereich Frauenvertretung. Bei einem Kongress am Seminar Rottweil zum Thema "Mädchen und Jungen im Unterricht" sei deutlich geworden, dass Jungen im Verhältnis zu Mädchen häufiger verhaltensauffällig seien, in der Mittelstufe häufiger sitzen blieben und leistungsmäßig oft schwächer seien als Mädchen.

Bei ihrem Bericht über die Arbeit des BPR Tübingen konzentrierte sich dessen stellvertretende Vorsitzende, Barbara Rieber aus Albstadt, auf die A14-Beförderung. Sie erläuterte den Modus der Verteilung der A14-Ausschreibungsstellen auf die Schulen des Bezirks.

Auch im Bezirk Südwürttemberg stünden, so Barbara Rieber, kaum noch Lehrkräfte für Vertretungen zur Verfügung, sodass viele Überstunden geleistet werden müssen. BPR-Mitglied Dr. Andreas Horn erläuterte in diesem Zusammenhang die von ihm durchgeführte Erhebung zur Unterrichtsversorgung. Das Ergebnis der Umfrage zeige, dass der Unterrichtsausfall höher sei als offiziell eingeräumt. Bugwelle und ausfallender Unterricht ergäben zusammen circa 550 Lehrerstellen. Von einer Entspannung der Lage und zufrieden stellender Unterrichtsversorgung könne keine Rede sein.

Skizziert: Die aktuelle Situation an den Gymnasien

Der Leiter des Gymnasialreferats der Abteilung Schule und Bildung im Regierungspräsidium Tübingen, LtD. Regierungsschuldirektor Thomas Reichenmiller, skizzierte die aktuelle Situation an den südwürttembergischen Gymnasien. Er teilte mit, dass die Anmeldezahlen an den Gymnasien um 9,6 Prozent zugenommen haben. Die 32-Stunden-Empfehlung für die Klassen 5 und 6 hätten zur Beruhigung der Eltern beigetragen. In der Aussprache wurde jedoch darauf verwiesen, dass dafür die Stundenvolumina in der Mittelstufe ansteigen würden, also nur eine Verlagerung stattfindet. An 21 Prozent der Schulen beginnt die 2. Fremdsprache bereits in Klasse 5, ansonsten in Klasse 6. Bei den Vergleichsarbeiten in Klasse 6 habe es im Jahr 2007 keine Rückmeldungen mehr über zu leichte Aufgaben gegeben. Im Jahr 2008 werden zum ersten Mal auch in Klasse 8 Vergleichsarbeiten geschrieben, und zwar in den Fächern Deutsch, Mathematik sowie in Geschichte oder Physik. Was den Ausbau von Gymnasien zu Ganztagsschulen (offene Form) betrifft, so könnten pro Jahr max. drei Schulen berücksichtigt werden. Bezüglich des Abiturs sei der Wegfall der zusätzlichen mündlichen Prüfung sehr positiv aufgenommen worden. In der Diskussion wurde seitens der Fremdsprachenlehrer(innen) bemängelt, dass das ganzheitliche, kriteriengestützte Korrekturverfahren überstürzt eingeführt wird (bereits für die Abiturprüfung 2009). Die ab der Prüfung 2013 geplante Kommunikationsprüfung in den Fremdsprachen müsse mit einer Reduzierung des Umfangs der schriftlichen Prüfung einhergehen.

Einstellungsverfahren: Klagen über mangelnde Mobilität

Die Personalreferentin in der Gymnasialabteilung, Regierungsschuldirektorin Petra Rauch, beschrieb das gesamte Einstellungsverfahren und beklagte die mangelnde Mobilität mancher Bewerber. Sie bedauerte, dass es immer wieder vorkomme, dass Bewerber bei schulscharfer Ausschreibung zugesagt hatten, dann aber kurzfristig absagen. Hiergegen habe man aber keine rechtliche Handhabe. Wohl seien derzeit finanzielle Mittel für Krankheitsvertretungen vorhanden, es gäbe jedoch keine Bewerber. Der "Markt" sei leergefegt.

Informationen zur Selbst- und Fremdevaluation

Der Leiter des Fachbereichs "Qualitätsentwicklung und Evaluation" am Landesinstitut für Schulentwicklung, Prof. Dr. Klaus Teichmann, referierte über die Selbst- und Fremdevaluation. Er beschrieb die aus der Pilotphase gewonnenen Erfahrungen, wonach zum Beispiel die Selbstevaluation als sinnvoll, jedoch als zeitintensiv bewertet wurde, und erläuterte die 5 für die Evaluation festgelegten Qualitätsbereiche. Die Evaluation des eigenen Wirkens (Selbstevaluation) sei integraler Teil des beruflichen Alltags, weshalb keine zusätzlichen zeitlichen Ressourcen bereit gestellt werden könnten. Er erläuterte die genaue Durchführung der Fremdevaluation, die für jede Schule alle fünf Jahre stattfinden soll. Die Ausbildung der Evaluatoren sei noch in vollem Gange. Die Auswahl der Schulen für die Fremdevaluation geschehe durch ein randomisiertes Verfahren, d.h. durch ein Losverfahren. Für 2008 erwarte man den wissenschaftlichen Schlussbericht der Pilotphase der Fremdevaluation, die ab dem Schuljahr 2008/2009 obligatorisch wird.

Bernd Saur
Bezirksvorsitzende

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