Schulscharfes, Sprengel, SEIS, Schwierigkeiten - und der Umgang damit

Informative Personalräteschulung des Philologenverbands Südbaden am 22. und 23. November in Müllheim, Hotel "Alte Post"

Zwei große Blöcke bestimmten die diesjährige Personalräteschulung in Südbaden: Rechtliche und schulorganisatorische Probleme und die Problematik schwieriger Konflikt- und Gesprächssituationen und deren psychologische Einordnung und praktische Behandlung. Die Teilnehmer fanden auf ihrem Platz eine Materialienmappe vor mit Adressen, rechtlichen Informationen, wichtigen Stellungnahmen des Verbands, einer Textausgabe des Landespersonalvertretungsgesetzes (LPVG), natürlich multimedial auch eine CD und - last but not least - auch ein Anmeldeformular für den PhV, da natürlich nicht alle Teilnehmer auch Mitglieder waren.

Joachim Schröder, erster Vorsitzender des Bezirks Südbaden, und Edmund Hensle, Vorsitzender des BPR in Freiburg, führten zunächst in gut strukturierter Weise in die Arbeit mit dem LPVG ein. Sie erläuterten insbesondere die rechtliche Stellung und Handlungsmöglichkeiten des ÖPR allgemein und an konkreten Beispielen (Personalversammlungen, Bereich Fortbildung, Umgang mit Beschwerden, Zusammenarbeit mit anderen örtlichen Personalräten u. a. m.); ebenso verwiesen sie auf die Aufgabenbereiche der Personalräte am Seminar, am Regierungspräsidium und am Kultusministerium (APR, BPR und HPR). Die Diskussion beschäftigte sich mit Fragen zur Arbeitsbelastung, Stundenplangestaltung und Aufsichtspflichten.

Über die schulscharfe Ausschreibung von Stellen und die Besetzung von A-14-Stellen informierte die 2. Vorsitzende Claudia Hildenbrand, unterstützt von Edmund Hensle, prägnant und problembewusst auf die entscheidenden Punkte zielend. Neben sachlichen Informationen wurde der Blick immer wieder konkret auf die Rolle der Personalvertretungen in den Verfahren gelenkt; so bei der schulscharfen Ausschreibung von der Formulierung des Ausschreibungstextes bis zum Verfahrensablauf: Bewerberauswahl, Beteiligung an den Gesprächen. Auch bei der Ausschreibung von A-14-Stellen sollte der Personalrat auf die Formulierung der Ausschreibung, insbesondere auch auf die Begrenzung des Aufgabenumfangs, achten.

Kerstin Schuldt (Mitglied im HPR) informierte über das Thema Evaluation, situierte diese zunächst im Rahmen der sog. Schulentwicklung und benannte die verschiedenen Evaluationsinstrumente und -formen (Fokus-, Gesamtevaluation z. B. durch SEIS u. a.). Neben Sachinformationen wurde in der Darstellung auch auf problematische Seiten der konkreten Verfahren hingewiesen (Zeitproblematik, Belastung, fehlende Ressourcen, Datenmüll ...). Dabei wurde zum einen auf die in vielen Schulen schon angelaufene Selbstevaluation, zum anderen auch auf die im kommenden Schuljahr beginnende Fremdevaluation und ihre möglichen Konsequenzen eingegangen.

Einen wichtigen Schwerpunkt bildete das Gespräch mit Frau Gisela Dieterle, Leiterin des Referats 75 allgemein bildende Gymnasien am Regierungspräsidium Freiburg, zum Thema "Neues Fortbildungskonzept - Sprengel". Da Freiburg hierbei eine Sonderregelung getroffen und die Sprengelsitzungen verbindlich gemacht hat, war es gut, sich auf das Gespräch in einer vorbereitenden Phase einzustimmen. Neben zentralen Hinweisen von Claudia Hildenbrand wurde ein Erfahrungsaustausch vorgenommen, der viele problematische Eindrücke zum Vorschein brachte. In dem anschließenden Gespräch konnte so fundiert seitens der Teilnehmer aus der konkreten Situation argumentiert werden. Frau Dieterle stellte sich dieser schwierigen Aufgabe in offener Weise.

Andrea Weiß, Vorsitzende der Jungen Philologen in Südbaden, referierte sehr präzise und übersichtlich über die schwierige Materie Elterngeld und Elternzeit - wobei sie aus eigener Erfahrung den Teilnehmern viele praktische Hinweise geben konnte. An dieser Stelle sei auf die Internetseite des Philologenverbandes Baden-Württemberg verwiesen (www.phv-bw.de), wo eine Zusammenfassung zu finden ist.

Zum Abschluss des Tages wurde eine Weinprobe angeboten, an der viele Teilnehmer anwesend waren und so einiges über die Weine der Region erfahren konnten. So wurde eine Aussage Johann Peter Hebels bestätigt: "Z'Müllen an der Post, Tausigsappermost! Trinkt me nit e gute Wi! Goht er nit wie Baumöl i, z'Müllen an der Post!"

Der Freitagvormittag stand überwiegend unter dem Thema "Schwierige Gesprächsmuster in der Konfliktsituation" (Schulleitung-ÖPR-Kollegium). PsychD Hermann Brezing aus Konstanz erläuterte zunächst verschiedene Situationen und Möglichkeiten, wie diese bewältigt werden können. So wurden die Transaktionsanalyse, das Ich-Zustandsmodell, das Drama-Dreieck, das Modell der kooperativen Konfliktlösung u. a. vorgestellt. Am Beispiel des Drama-Dreiecks (Retter - Verfolger - Opfer) zeigte Hermann Brezing auf, wie für eine gelungene Kommunikation hinderliche Gesprächsmuster erkannt und aufgebrochen werden können. Die Teilnehmer hatten soviel Informationsbedarf, dass die geplante Gruppenarbeit zugunsten einer lebhaften Diskussion ausfiel.

Zum Abschluss der Tagung wurden von den anwesenden Vorstandsmitgliedern des PhV, Bezirk Südbaden, sowie von Mitgliedern des BPR und HPR (J. Schröder, Cl. Hildenbrand, E. Hensle, K. Schuldt, H. Rattinger, R. Raffelt) noch viele Einzelfragen beantwortet. So wurde auch darauf hingewiesen, dass der HPR immer wieder die Einstellung von mehr Lehrern fordert und die Stunden für die Evaluation nicht aus dem Ergänzungsbereich zu nehmen sind. Die Anstellung von Lehrern kann nach den neuen Tarifen dazu führen, dass jemand nach 32(!) Dienstjahren mit einem Anfängergehalt eingestellt wird! Ausführlicher wurden noch die Aufgaben der Abteilungsleiter besprochen.

Für die gute Strukturierung der Tagung ist Claudia Hildenbrand und Jochen Schröder zu danken. Es gab viele positive Rückmeldungen der Teilnehmer zum großen Informationsgehalt und auch zur guten und lockeren Atmosphäre.- Im Laufe der Tagung erhielten die Teilnehmer die neuen Werbeartikel des PhV-BW: einen Einblattlocher, eine gelbe Tasse mit PhV-Aufdruck (um durch den Gebrauch im Lehrerzimmer Signale zu setzen) und einen Stoffbeutel, um alles nach Hause zu tragen.

Roswitha Raffelt / Reinhard Frisch

www.phv-bw.de