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heute: FDP

Schulentwicklung

Von Birgit Arnold

Sechs Jahre Grundschule - ja oder nein ? Ich bin es langsam leid, dass die bildungspolitischen Bemühungen der FDP sowohl von der Mehrzahl der Medien wie auch einigen politischen Akteuren zurzeit auf die Beantwortung dieser Frage reduziert werden.

Dabei geht es um viel mehr. Die individuelle Förderung jedes einzelnen Kindes muss zum Herzstück der Bildungspolitik werden. Wir sind auf der Suche nach dem Weg, wie wir dieses hohe Ziel erreichen können.

Vor dem Hintergrund älterer und neuester Schulleistungstests war und ist die bildungspolitische Diskussion im Land vor allem durch eine Debatte über Schulstrukturen geprägt. Die in der Tat schwierige Situation der Hauptschule, die sich durch das demographisch bedingte Sinken der Schülerzahlen weiter zuspitzt, bietet in diesem Zusammenhang Gegnern eines gegliederten Schulwesens Anlass, das Ende der Hauptschule einläuten zu wollen.

Die FDP und die FDP/DVP-Landtagsfraktion haben sich in dieser Debatte klar positioniert. Wir setzen auf eine Weiterentwicklung der Bildungslandschaft in unserem Land, aber gemeinsam mit der Hauptschule und nicht gegen sie. Denn die Situation der Hauptschule in Baden-Württemberg ist mit derjenigen in vielen anderen Bundesländern (noch) nicht vergleichbar. Vor allem außerhalb der großen Städte ist sie leistungsfähig und bietet neben der Anschlussmöglichkeit nach "oben" (mittlerer Abschluss) noch immer einem großen Teil ihrer Absolventen auch unmittelbar gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Wir sehen deshalb in einem von oben verordneten Ende dieser Schulart nicht die Lösung der Probleme der Hauptschule und vor allem ihrer Schülerinnen und Schüler.

Grundlage dieser Haltung ist die auch in den PISA-Studien betonte Erkenntnis, dass die Schulstruktur nur einer von vielen Faktoren ist, die die Qualität von Schule und Unterricht bestimmen. Es gibt gute PISA-Ergebnisse für Länder mit integrativen Schulsystemen, es gibt gute Ergebnisse für solche mit gegliederten Schulsystemen. Uns fehlt bis heute der empirische Nachweis für die Überlegenheit des einen oder anderen Systems.

Aber eins hat die Schulforschung überzeugend herausgearbeitet: Zwischen den einzelnen Schulen - egal in welchem System - gibt es große Unterschiede in der Qualität des Unterrichts und bei den Bildungserfolgen. Und die erfolgreichen Schulen haben Freiräume, sie verstehen sich als operativ eigenständige Schulen, sie denken ihre Schule pädagogisch vom jeweiligen Kind aus, sie erstellen individuell gestaltete Lernwege, sie stellen sich dem Wettbewerb mit anderen Schulen. Und genau das wollen wir mehr als bisher auch für die Hauptschule erreichen.

Der FDP-Landesparteitag hat deshalb vor wenigen Tagen einen Antrag zur Zukunft der Hauptschule mit entsprechenden Vorschlägen verabschiedet. Hierzu gehören die Öffnung für eine verstärkte Kooperation mit der Realschule bis hin zu gemeinsamem Unterricht insbesondere in den Klassen 5 und 6 bzw. in einer gemeinsamen Eingangsstufe, wo immer sich dies vor Ort anbietet und gewünscht wird. Unabdingbar sind für uns die Aufhebung der Hauptschulbezirke sowie nicht zuletzt eine Optimierung der Hauptschulstandorte. Dabei sollen Zusammenlegungen durch grundsätzlichen Erhalt der personellen Ressourcen unterstützt und gefördert werden.
Zu der Offenheit und Vielfalt der Wege, die wir uns für alle Schulen im Land wünschen, gehört aber auch, dass neue Wege ausprobiert werden dürfen. Wir sind deshalb offen für weitere Schulversuche, wenn es vor Ort von den Betroffenen gewünscht wird, auch für Schulversuche, die eine verlängerte Grundschulzeit ausprobieren wollen. Aber diese Schulversuche müssen auch wissenschaftlich ausgewertet werden, damit wir endlich eine breitere Datenbasis über einzelne strukturpolitische Möglichkeiten bekommen. Denn nur empirisch abgesichertes Wissen sollte auch die Grundlage für die Bildungspolitik von morgen sein.

Dabei wünschen wir uns eine bessere Kommunikationskultur zwischen der Kultusbürokratie und den Schulen vor Ort. Gerade an der Basis bei der Lehrerschaft ist ein immenses Potenzial an Fachwissen, Leistungsbereitschaft und Kreativität vorhanden. Dieses Potenzial muss genutzt werden, um gemeinsam im Dialog an der Weiterentwicklung unserer Bildungslandschaft zu arbeiten. Denn Schule muss sich weiterentwickeln, so wie sich auch unsere Gesellschaft ständig verändert.

www.phv-bw.de