Neubewertung der Lehrerarbeitszeit muss sich auf wissenschaftliche Untersuchungsergebnisse stützen
Philologenverband sieht seine im Jahr 2005 formulierten Bedenken an Modellen zur Neubewertung der Lehrerarbeitszeit bestätigt
"Dass die über zwei Jahre erfolgten Bemühungen einer vom Kultusministerium Baden-Württemberg eingesetzten Arbeitsgruppe zur Neubewertung der Lehrerarbeitszeit 'gescheitert' sind, bestätigt unsere Auffassung, dass sich der Themenkomplex "Lehrerarbeitszeit" ohne wissenschaftlich verfügbare Grundlagen nicht einfach nur vom runden Tisch aus bewerkstelligen lässt", so der der Kommentar des Landesvorsitzenden Karl-Heinz Wurster zu einer am 2. Januar dieses Jahres herausgegebenen dpa/lsw-Meldung zur Lehrerarbeitszeit.
Ein anvisiertes flexibles Arbeitszeitmodell mit der Möglichkeit, kostenneutral dem einen Kollegen Stunden auf sein Deputat draufzusatteln und dafür einen anderen Kollegen zu entlasten, wird vom Philologenverband abgelehnt. Denn: Ein solches Arbeitszeitmodell würde für einen Teil der Kolleginnen und Kollegen eine nicht hinnehmbare Arbeitszeiterhöhung bedeuten und für Unfrieden in den Kollegien sorgen. Der Philologenverband setzt sich stattdessen für die Möglichkeit einer befristeten Stundenreduzierung besonders belasteter Lehrer ohne Gehaltsabzug ein.
Schon im Jahr 2005 hat der Philologenverband eine wissenschaftliche Untersuchung der Lehrerarbeitszeit gefordert und das so genannte Bandbreitenmodell abgelehnt, weil andernfalls die Gleichwertigkeit der Fächer in Frage gestellt würde. Der Verband erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass den Kolleginnen und Kollegen an den Gymnasien innerhalb von wenigen Jahren bereits zwei Deputatserhöhungen zugemutet wurden, und das trotz arbeitsintensiver Reformen und ständig gewachsener Aufgaben. Im Übrigen sei zu befürchten, dass Schulleiter mit einer eigenverantwortlichen Arbeitszeitregelung an der Schule überfordert sind. Schon die vom Kultusministerium im Jahr 2005 herausgegebene Arbeitszeitverordnung stieß seinerzeit beim Philologenverband auf heftige Kritik, da in dem aufgeführten Kriterienkatalog zentrale Verbandsforderungen nicht aufgegriffen worden waren. Dass nun der Versuch einer Neubewertung der Lehrerarbeitszeit gescheitert ist, bestätigt die Argumente des Philologenverbandes, der stets zunächst eine wissenschaftliche Untersuchung der Lehrerarbeitszeit als Basis für die weitere Diskussion dieses Themas gefordert hatte.
phv-pm