Stuttgarter 'didacta' bot ein riesiges Informationsangebot

Philologenverband präsentierte sich auf dem Forum des Deutschen Beamtenbundes

Die 'didacta', Europas größte Bildungsmesse, konnte in Stuttgart mit rund 83.000 Besuchern in diesem Jahr einen Besucherrekord verbuchen. Da kamen nicht nur Lehrerinnen und Lehrer an den Ständen der insgesamt 794 beteiligten Unternehmen auf ihre Kosten, sondern auch Erzieher, Ausbilder, Trainer und engagierte Eltern. Das war Fortbildung pur, nicht nur an den Ständen der Firmen und Verlage mit ihrem breitgefächerten Informationsangebot, sondern auch bei den Podiumsgesprächen rund ums Thema Bildung mit all ihren Facetten. Dr. Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung, eröffnete am 19. Februar die didacta 2008 in Stuttgart. Sie beklagte, dass die gegenwärtige Atmosphäre den Schulen nicht guttue und suggeriere, dass alles schlechter geworden sei. Aber das Gegenteil sei der Fall, so Schavan: "Schulen leisten heute deutlich mehr, bekommen aber immer mehr schwierige Aufgaben aus der Gesellschaft übertragen. Wir haben eine Vertrauenskrise und keine Qualitätskrise".

Die vielen Besucher waren gekommen, um hier Anregungen und Lösungen für die gewaltigen Herausforderungen im Bildungsbereich zu finden. Zusammen mit dem Deutschen Philologenverband betreute der Philologenverband Baden-Württemberg ein Standportal zusammen mit den Berufsschullehrerverbänden und dem Realschullehrerverband unter dem Dach des Deutschen Beamtenbundes. Die Organisationsleitung des PhV-Standes in Halle 5 lag in den Händen von PhV- BW-Landesgeschäftsführer Stefan Dahlinger. Der Philologenverband Baden-Württemberg veranstaltete hier auch seinen "Tag des Gymnasiums" mit von Schülern und Lehrern interessant präsentierten Projekten zum naturwissenschaftlichen Unterricht. Beim 'forum Bildung' argumentierte der berufspolitisches Referent des PhV BW, Cord Santelmann, überzeugend gegen eine Lehrerbenotung im Internet.

Wie zu erfahren war, interessierten sich die meisten Besucherinnen und Besucher, darunter auch viele PhV-Mitglieder, für das riesige Angebot an Lehr- und Arbeitsmitteln (65 Prozent), für Lernmittel und Schulbücher (52 Prozent) und für Fachliteratur und neue Verlagserzeugnisse (35 Prozent). Wie die Veranstalter bekannt gaben, ist die Nachfrage nach Multimedia/Medien stark gewachsen (30 Prozent, nach 18 Prozent in 2005); auch das Fort- und Weiterbildungsangebot erlebte mit 26 Prozent (2005: 22 Prozent) ein deutliches Plus.

Auf dem Forum und in Veranstaltungen des Rahmenprogramms wurden aktuelle Themen, wie zum Beispiel Vor- und Nachteile des zweigliedrigen Schulsystems, das achtjährige Gymnasium oder PISA 3, mit bildungspolitischen Experten und Beteiligten diskutiert. In der Halle des Bereichs Ausbildung/Qualifikation präsentierten sich führende Anbieter von Lernsoftware oder Lernsystemen. In diesem didacta-Bereich wurde besonders deutlich, wie Medienkompetenz und Kommunikationsfähigkeit bei der Bildung immer mehr an Bedeutung gewinnen.

Rund 2.000 Teilnehmer, darunter 250 Oberbürgermeister, Landräte und Bürgermeister und 650 Bildungsschaffende füllten den großen Saal des Internationales Congresscenter Stuttgart (ICS), wo der Ulmer Oberbürgermeister und Städtetagspräsident Ivo Gönner das Spitzentreffen der Kommunal- und Landespolitik eröffnete. Er sieht eine neue kommunale Bildungsverantwortung und sagte: "Die Kommunen sollen nicht erst auf den Plan treten, wenn Schulen geschlossen werden."

Prof. Wassilios E. Fthenakis, Präsident des Didacta-Verbands e. V. plädierte für eine gemeinsame Philosophie bezüglich des des ganzen Bildungsverlaufs eines Kindes.
Kultusministers Helmut Rau, MdL, wies in seiner Rede darauf hin, dass Schulentwicklung gemeinsam mit den Kommunen gedacht werden müsse. Rau stellte vor, welche Kooperationsmodelle zwischen Haupt- und Realschulen in Zukunft ermöglicht werden sollen. Es liege an den Schulen, was sie anbieten.

Die Schulstrukturdebatte und die möglichen Gestaltungsspielräume für einzelne Gemeinden standen anschließend im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion mit den bildungspolitischen Repräsentanten aller Landtagsfraktionen und den Vertretern der kommunalen Spitzenverbände. Einig waren sich die Teilnehmer weitgehend darin, dass die Schüler individuell gefördert und die Bildungsqualität verbessert werden müsse. Welches die richtigen Mittel und Wege sind, wurde auf der politischen Ebene sehr kontrovers diskutiert. Zum Ausdruck kam auch die Sorge der Kommunen um ihre Schulstandorte aufgrund der demographischen Veränderungen und einem damit verbundenen Rückgang der Schülerzahlen.

Kultusminister Rau wehrte sich gegen den Vorwurf der mangelnden Durchlässigkeit und führte an, dass 50 Prozent eines Jahrgangs eine Hochschulreife erreichten und davon wiederum 50 Prozent aus beruflichen Schulen kämen. "Wir wollen allen alle Möglichkeiten offen halten, wir suggerieren aber nicht, dass alle einen Realschulabschluss oder das Abitur schaffen", so Rau

Die nächste 'didacta' findet vom 10. bis 14. Februar 2009 in Hannover statt.

www.phv-bw.de