Altersermäßigung

Scharfer Protest des Philologenverbands gegen indirekte Arbeitszeiterhöhung für ältere Gymnasiallehrer

Nach einem Spitzengespräch mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und dem Beamtenbund bei Ministerpräsident Günther H. Oettinger im Mai 2007 wurde unter der Leitung von Kultusstaatssekretär Georg Wacker MdL eine Arbeitsgruppe "Lehrergesundheit" eingerichtet, die am 10. März 2008 ihren Bericht vorlegte und empfahl, die Altersermäßigung ab dem Schuljahr 2009/2010 erst ab dem 58. Lebensjahr zu gewähren. Der Philologenverband Baden-Württemberg (PhV BW) und der Berufsschullehrerverband (BLV) reagierten daraufhin mit Presse-Stellungnahmen.

"Das ist ein Kuhhandel, den die Arbeitsgruppe Lehrergesundheit den Regierungsfraktionen jetzt unterbreitet: Gymnasiallehrer sollen nun erst mit 58 Jahren, also erst drei Jahre später, eine Stunde Altersermäßigung erhalten", so der PhV-Landesvorsitzende Karl-Heinz Wurster am 11. März mit dem Hinweis, dass den Gymnasiallehrern in den letzten Jahren trotz gewachsener Arbeitsbelastung zwei Stunden Unterrichtsverpflichtung draufgesattelt wurden. "Die über 55-jährigen Lehrerinnen und Lehrer dieser Schulart durften dafür eine Stunde Altersermäßigung ab 55 Jahre behalten", so Wurster. Der Philologenverband appelliert an die Landesregierung, es bei der bisherigen Regelung für Gymnasiallehrer zu belassen und diese auf die Lehrerinnen und Lehrer a l l er Schularten zu übertragen. Der Philologenverband fordert, dass die Lehrer aller Schularten ab 55 entlastet werden müssen.

"Wir sind sehr dafür, dass auch die schwieriger gewordene Arbeit der Lehrer anderer Schularten durch Stundenreduktion stärker anerkannt werden muss", mahnte Wurster und kritisierte, dass man mit einer Änderung der bisherigen Regelung statt mehr Gerechtigkeit nun eine neue Ungerechtigkeit schaffen würde.

Der Berufsschullehrerverband äußerte sich ähnlich wie der Philologenverband. "Die Streichung der Altersermäßigung für 55- bis 57-jährige wissenschaftliche Lehrerinnen und Lehrer an den beruflichen Schulen und an den Gymnasien ist nach wie vor ein klarer Bruch mehrfach gegebener eindeutiger Zusagen des Ministerpräsidenten, keine weiteren Arbeitszeiterhöhungen für Lehrkräfte vorzusehen", erklärte der Vorsitzende des Berufsschullehrerverbands (BLV), Waldemar Futter, am 11. März in Stuttgart. Gegen dieses weitere Sonderopfer einer Beschäftigtengruppe im Bildungsbereich protestierte der Vorsitzende des BLV ganz energisch, weil keiner Beschäftigtengruppe im öffentlichen Dienst eine Arbeitszeiterhöhung in einem solchen Umfang von Anfang der 90er Jahre bis heute zugemutet worden sei. Damals hätten 55- bis 57-jährige wissenschaftliche Lehrkräfte an den beruflichen Schulen und an den Gymnasien 21 Wochenstunden gearbeitet. Durch zwei Deputatserhöhungen von 23 auf 25 Wochenstunden und durch zwei Absenkungen der Altersermäßigung von 2 auf 0 Wochenstunden sei diese Altersgruppe mehrfach und damit unverhältnismäßig "gebeutelt" worden. Dies sei ungerecht und für die Betroffenen nicht hinnehmbar, so der BLV.

Immerhin blieben die Proteste der beiden Lehrerverbände im Beamtenbund nicht völlig ungehört. In einer Pressemitteilung gab das Kultusministerium ebenfalls noch am 11. März u.a. Folgendes bekannt: "Die Altersermäßigung in Höhe von zwei Wochenstunden für Vollzeitbeschäftigte und eine Wochenstunde für Teilzeitbeschäftigte ab dem 60. Lebensjahr bleibt für die Lehrkräfte aller Schularten unverändert erhalten." Und weiter heißt es: "Die Neuregelung soll zum Schuljahr 2009/2010 in Kraft treten. Bestandsschutz wird den wissenschaftlichen Lehrkräften an Gymnasien und beruflichen Schulen gewährt, die nach der bisherigen Regelung bereits eine Altersermäßigung erhielten."

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