"Forschung betreiben, Experimente erfinden und Fragen hinterfragen"

Am PhV-'didacta'-Stand präsentierten Lehrer mit Schülern gelungene Beispiele gymnasialer Leistungsfähigkeit in naturwissenschaftlichen Fächern

Bildungsmesse 'didacta' - Halle 5 / Stand G 80 beim Philologenverband Baden-Württemberg: Da konnten am 'didacta'-Dienstag naturwissenschaftliche Projekte bestaunt und nachvollzogen werden; da gab es Informationen und Anregungen, wie naturwissenschaftlicher Unterricht anschaulich und praxisnah mit Schülerinnen und Schülern gestaltet werden kann, und da konnte man sich davon überzeugen, dass Schulen mit interessierten Schülerinnen und Schülern selbst modernste Erkenntnisse der Naturwissenschaften fächerübergreifend motiviert umsetzen können. Von Stillstand und Arbeitsüberlastung der Schüler war da nichts zu spüren.

Rainer Kügele vom Freiburger Rotteck-Gymnasium und Marga Mayer vom Margarete-Steiff-Museum in Giengen/Br. zeigten mit Schülerinnen und Schülern Projekte aus ihrem NwT-Unterricht. Bernd Kretschmer stellte mit seinem Schülerteam das Projekt "phaenovum", Schüler-Forschungszentrum Lörrach-Dreiländereck - eine andere Art, in Wettbewerben Physik zu lernen, vor.

Rainer Kügele und sein Schüler-Team der 10. Klasse mit Stefan Koderisch, Sophie Günther, Maike Gallinger und Laila Meder (alle sind G8-Schüler des Rotteck-Gymnasiums Freiburg) präsentierten anhand von Beispiel das Projekt "Können Fische zählen?". Forschung betreiben, Experimente erfinden und Fragen hinterfragen stehen im Mittelpunkt. Versuchstiere sind Guppys. Zunächst muss herausgefunden werden, welches Futter ihnen besonders gut schmeckt. Das Ergebnis überrascht: Die stärksten Reaktionen zeigen Guppys beim Spezialfutter für Diskusfische.

Und so sehen weitere Versuche aus: Gefüttert wird an zwei Seiten eines Aquariums, und zwar vor jeder Fütterung auf der einen Seite mit zwei Tönen, auf der anderen mit nur einem Ton. Bei einem anderen Versuch vibriert ein Lautsprecher im Gummihandschuh zwei- bzw. dreimal, bevor Tabletten ins Wasser getaucht werden, wobei der Motor durch einen Reflexoptokoppler beim Herausziehen der Tabletten jeweils an der richtigen Stelle stoppt. Weitere Experimente prüfen, ob die Fische auf LED-Leuchten reagieren. Für die Versuche wurde ein Computerprogramm entwickelt. Die Ergebnisse der Versuchsreihe stehen noch aus, die Berichte müssen noch geschrieben werden. Auf die Endergebnisse dieses bemerkenswerten Projekts darf man gespannt sein. Die Zuschauer waren jedenfalls von der vorgestellten Idee begeistert.

Chancen, Schüler für Forschung zu begeistern

Marga Mayer präsentierte kleinere Projekte aus dem Unterricht der Klasse 9, darunter auch ein Projekt ihres Kollegen Jörg Hoffmann aus dem Bereich "Bewegung" mit Achtklässlern. Die beiden Schülerinnen und die beiden Schüler aus dem Margarete-Steiff-Gymnasium in Giengen/Brenz erklärten vier Stunden lang die kleinen Projekte, und zwar "Drahtgestelle mit den kleinsten Oberflächen" aus Seife/Glyzerinlösung (Seifenblasen) aus dem Bereich Bionik, " Spektroskope" mit Taschenlampen ausprobierbar, bestehend aus einer CD in einer Schachtel, aus dem Bereich Bodenkunde und ein Mausfallenauto mit dem Grundkörper einer echten Mausefalle aus dem Themenbereich Bewegung.

Dieses Mausfallenauto fuhr 21,5 m weit in der Mensa des Gymnasiums unter großem Beifall der Besucher am PhV-Stand, die sich über die Versuchsbeispiele informieren und diese auch selbst ausprobieren konnten. Die Schüler waren dabei behilflich. Einige Besucher fotografierten die Infos und Quellenangaben. Ein Besucher wollte sogar gleich das Spektroskop für 50 Cent erwerben. Marga Mayer, die weitere Beispiele aus ihrem Unterricht zeigte ( u.a. ein Geländemodell) betonte, dass NwT die einmalige Chance bietet, Schülerinnen und Schüler an die Forschung heranzuführen, Projekte ähnlich wie in der Industrie zu verwirklichen und die Selbstständigkeit und den Teamgeist zu fördern. Ihr Projektschwerpunkt war, viele kleine machbare Projekte zu verschiedenen Themen zu schaffen. Marga Mayer: "Für die Schüler war der Besuch der 'didacta' am PhV-Stand etwas Besonderes, auch weil keine weiteren Schülergruppen Vorführungen machten, darauf waren sie sehr stolz."

"phaenovum" - eine andere Art Physik zu lernen

"phaenovum, das Schüler-Forschungszentrum Lörrach-Dreiländereck - eine andere Art, in Wettbewerben Physik zu lernen" - präsentierten am PhV-Stand Bernd Kretschmer mit den Schülern Marco Zimmermann (Hans-Thoma-Gymnasium, Lörrach) und Hannah Wenk vom Hebel-Gymnasium (Lörrach).

Bernd Kretschmer teilte mit, dass aus der seit vielen Jahren bestehenden Physik-AG das Schülerforschungszentrum Lörrach-Dreiländereck phaenovum entstanden ist. Die Stadt Lörrach und ihre Oberbürgermeisterin Heute-Bluhm sowie die Sparkasse Lörrach-Rheinfelden haben wichtige Hilfestellungen beim Umbau und bei der Einrichtung des Hauses gegeben.

Firmen der Region unterstützen mit Schülerpatenschaften die Arbeit des 'phaenovums'. Schüler der Oberstufe aus dem Gebiet Hochrhein von Waldshut bis Freiburg, auch aus Basel und Baselland werden im phaenovum / Physik-AG auf Wettbewerbe wie "Jugend forscht" vorbereitet. Ein großer Teil der Wettbewerbe findet in Kooperation mit dem Schülerforschungszentrum Südwürttemberg und dem Kepler Seminar in Stuttgart statt.

Bernd Kretschmer berichtete zusammen mit Hannah Wenk, Schülerin des Hebel-Gymnasiums Lörrach, über die erfolgreiche Teilnahme an dem Quanta-Wettbewerb in Indien. Das Team aus Baden-Württemberg (Student Research Centers Baden- Württemberg) wurde Gesamtsieger. Berichtet wurde auch über weitere Erfolge. So erreichte beim Internationalen Turnier junger Physiker 2007 in Seoul/Südkorea das deutsche Team eine Bronzemedaille.

Hannah Wenk stellte bei dem Vortrag ihre Präsentation für Korea zu dem Thema "Condensation" vor. Dabei sollten die Bildung und das Wachstum von Tropfen auf einem Glas mit Eiswürfeln untersucht werden.

Projektleiter Bernd Kretschmer führte danach aus, wie ommunikative Kompetenzen wie z. B.

seit vielen Jahren durch diesen Wettbewerb gefördert werden.

Marco Zimmermann vom Hans-Thoma-Gymnasium Lörrach berichtete über "Radonbelastung von unserem Schulgebäude". Bei der Nachwuchsförderung des Fachverbands für Strahlenschutz erhielt Marco für sein Projekt den 1. Preis und bei der International Conference of Young Scientists ICYS in St. Petersburg eine Silber-Medaille.

Wie Bernd Kretschmer anmerkte, wird es neben der Vorbereitung auf Wettbewerbe Spezialkurse, wie das Arbeiten mit dem Windkanal (gestiftet von den Wieland Werken Ulm) oder Nanotechnologie im phaenovum geben.

Weitere Informationen im Internet unter www.physikag.de und www.phaenovum.de.

heg/bk/mm/pm-did

www.phv-bw.de