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heute: CDU

Struktur für erfolgreiche Arbeit auch am Gymnasium aufrecht erhalten

Von Volker Schebesta, MdL

Seit Bekanntgabe der Ergebnisse der PISA-Studie 2000 wird in Deutschland erstaunlicherweise die Schulstrukturdiskussion immer lauter. Zunächst hieß es noch selbstkritisch zum Beispiel vom damaligen Bremer regierenden Bürgermeister Scherf über das von Gesamtschulen geprägte Bremer Schulwesen: "Wir müssen erkennen, dass wir nicht bewirkt haben, was wir bewirken wollten." Jetzt wendet sich der Blick auf die finnische Gemeinschaftsschule, die nun häufig als hauptsächliches Instrument zur Lösung aller schulischen Probleme angesehen wird. Aktuell wird die Schulstrukturdebatte vor allem unter der Überschrift "Zukunft der Hauptsschule" geführt.

Ich bin dem Philologenverband dankbar, wenn er darauf aufmerksam macht, dass die Forderung nach "Abschaffung" der Hauptschule oder nach längeren gemeinsamen Lernzeiten in einer Einheitsschule auch erhebliche Auswirkungen für Gymnasien - und Realschulen - hat. Es ist das Verdienst des Philologenverbandes, zusammen mit dem Deutschen Lehrerverband durch eine Forsa-Umfrage nachzuweisen, dass eine klare Mehrheit der Bevölkerung gegen die Abschaffung des Gymnasiums und gegen eine Einheitsschule ist.

Abgesehen von der kaum vorhandenen Akzeptanz für eine Abschaffung des Gymnasiums - und der Realschule - hat die CDU-Landtagsfraktion immer die Position vertreten, dass es nicht auf eine Veränderung der Schulstrukturen, sondern auf eine Verbesserung des Unterrichts und eine gute Durchlässigkeit - "kein Abschluss ohne Anschluss" - ankommt. Eine einseitige Fixierung auf die Schulstruktur im - erfolgreichen - finnischen Beispiel ist zudem irreführend. Auch in Frankreich gibt es ein striktes Gemeinschaftsschulsystem. Die "Gleichheit" - "Egalité" - als Staatsprinzip ist dort auch im Schulwesen fest verankert. Dennoch hat Frankreich ähnliche, wenn nicht noch gravierendere soziale Probleme, und die Schülerleistungen sind in den letzten Jahren schlechter geworden - inzwischen haben sich die Werte für Deutschland verbessert, wir haben Frankreich überholt und die Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität an den Schulen greifen. Wir haben daher keine Veranlassung, unser gegliedertes Schulwesen aufzugeben.

Mit derselben Sachlichkeit wollen wir ein anderes aktuelles Thema angehen: Die Weiterentwicklung des achtjährigen Gymnasiums. Im Unterschied zu anderen Bundesländern wurde G8 in Baden-Württemberg mehrere Jahre vorbereitet und an 80 Gymnasien erprobt. Der Start des achtjährigen Gymnasiums wurde - ebenfalls anders als in den meisten anderen Bundesländern - mit der Einführung völlig neuer Bildungspläne gekoppelt. Der an allen Schulen verbindliche, im so genannten Kerncurriculum vorgeschriebene Unterrichtsstoff wurde deutlich reduziert. Ich habe den Eindruck, dass viele Gymnasien mit großem Engagement und unter Ausnutzung ihrer Gestaltungsspielräume die neuen Bildungspläne und die organisatorischen Vorgaben für das achtjährige Gymnasium erfolgreich umgesetzt haben. Eine so umfassende Reform wie die Bildungsplanreform muss selbstverständlich nach einer gewissen Zeit einer Nachbetrachtung unterzogen werden. Das Kultusministerium hat daher Runde Tische eingerichtet, bei denen man sich über die bisher mit den neuen Bildungsplänen gemachten Erfahrungen austauscht und ggf. Änderungsbedarf definiert.

Eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium - wie es die SPD in Hessen für den Fall der Regierungsübernahme angekündigt hat - halte ich nicht für richtig. In den meisten europäischen Nachbarländern kommen die Schüler früher zur Hochschulreife, und es ist eine langjährige Forderung - nicht nur der Wirtschaft -, die Ausbildungszeiten der Akademiker in Deutschland zu verkürzen, damit junge Menschen bei uns keinen Wettbewerbsnachteil erleiden. Eine von mehreren Maßnahmen ist G8. Für die Kollegen aus den neuen Bundesländern ist G8 kein Thema - man ist dort an eine 12-jährige Schulzeit bis zum Abitur gewöhnt. Die Forderung des PhV in Baden-Württemberg nach der Einführung eines parallel laufenden G9-Zuges teile ich nicht. Eine Differenzierung nach Lerngeschwindigkeiten würde das allgemeinbildende Gymnasium drastisch verändern und hätte erhebliche Auswirkungen auf die Anerkennung des jeweiligen Abiturs. Über die beruflichen Gymnasien ist es nach wie vor möglich, auch auf anderen Wegen als dem achtjährigen Gymnasium zu einer allgemeinen Hochschulreife zu kommen. Ein verpflichtender Ganztagsschulbetrieb am Gymnasium, wie ihn andere fordern, wird der vielfältigen Struktur in unserem Land nicht gerecht. Im Rahmen des Schulhausbauförderprogramms "Chance durch Bildung - Investitionsoffensive Ganztagesschule" können Aufenthaltsräume und Mensen für den Betrieb des achtjährigen Gymnasiums durch Landesmittel bezuschusst werden. Und staatliche Schulen sowie deren Träger, die sich auf den Weg machen, in ihrer Schule einen Ganztagsbetrieb aufzunehmen, werden dabei vom Land auch mit zusätzlichen Lehrerwochenstunden unterstützt.

Als drittes Thema möchte ich kurz die Unterrichtsversorgung ansprechen. Uns ist bewusst, dass durch gestiegene Schülerzahlen die Zahl der großen Klassen im Gymnasium zugenommen hat und die durchschnittliche Schülerzahl je Klasse auf 27,7 Schüler angestiegen ist. Mit dem Nachtragshaushalt 2007/2008 haben wir aus diesem Grund beschlossen, für den Bildungsbereich rund 60 Mio. Euro zusätzlich bereitzustellen. Mit diesen Mitteln wurden weitere gesperrte Lehrerstellen freigegeben und der bisher bestehende Deckel der Mittel für den Ersatz von Lehrerinnen und Lehrern aufgehoben, die während des Schuljahres zum Beispiel wegen Elternzeit längere Zeit nicht unterrichten.

Volker Schebesta, MdL
Bildungspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion

www.phv-bw.de