Philologenverband zu den am 05. März 2008 bekannt gemachten Ergebnissen der Arbeitsgruppe "Arbeitszeit der Lehrerinnen und Lehrer":

Modellversuche zur Arbeitsorganisation haben nur eine geringe Aussagekraft

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Seit dem Schuljahr 2005/06 haben sich 18 Schulen an den vom Kultusministerium ausgeschriebenen Modellversuchen zur Arbeitsorganisation und Neubewertung der Arbeit von Lehrerinnen und Lehrern beteiligt. Die Modellversuche wurden auf Empfehlung einer Expertenkommission ausgeschrieben, die sich seit Oktober 2003 mit der Neubeschreibung und Neubewertung der Lehrerarbeitszeit unter Leitung von Staatssekretär a.D. Dr. Lorenz Menz beschäftigt hat. Die Modellschulen entwickelten und erprobten unterschiedliche arbeitsorganisatorische Konzeptionen. Das Landesinstitut für Schulentwicklung hat die Modellschulen über zwei Jahre hinweg betreut und begleitet. Nach Auffassung des Philologenverbandes haben die Modellversuche nur eine geringe Aussagekraft.

Wie das Kultusministerium mitteilte, wurden insbesondere neue Formen der Kooperation und Arbeitsteilung sowie der Organisation und der zeitlichen Strukturierung von Unterricht erprobt. Dabei standen die fächerübergreifende Abstimmung von Unterrichtsinhalten, das fächerübergreifende Unterrichten in Projektform, die Planung und Durchführung von Unterricht durch Teams und der flexible Umgang mit Unterrichtszeiten im Vordergrund. Der Philologenverband bezeichnete den am 05. März 2008 nach über zweijähriger Arbeit präsentierten Ergebnisbericht als "überwiegend enttäuschend". Die an den 18 Schulen durchgeführten Modellversuche zur Arbeitsorganisation hätten zwar einerseits gezeigt, dass durch Teamarbeit und verstärkte Kooperationen der Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen die Arbeitszufriedenheit wachsen kann, sie hätten andererseits aber auch offenbart, dass es in keinem der Modellversuche gelungen war, die Lehrkräfte zeitlich zu entlasten. "Das ursprüngliche Vorhaben des Kultusministeriums, die Lehrerarbeitszeit neu zu regeln, ist gescheitert", so die Feststellung des PhV-Landesvorsitzenden Karl-Heinz Wurster in einer vom Verband herausgegebenen Pressemitteilung.

Die Lehrerarbeitszeit ist äußerst komplex und lässt sich aufgrund ihrer Unwägbarkeiten keinem klar definierbaren Stundenmaß zuordnen. Deshalb kann die den Gymnasiallehrern verordnete wöchentliche Verpflichtung von 25 Unterrichtsstunden nach Auffassung des PhV BW auch kein Maß für die tatsächlich geleistete Arbeitszeit der Lehrerinnen und Lehrer an Gymnasien sein.

Nach Berechnungen des Philologenverbandes entspricht ein volles Stundendeputat für Lehrkräfte an Gymnasien mit Vor- und Nachbereitung des Unterrichts, mit Korrekturzeiten, Konferenzen, Teamabstimmungen und Lehrplanarbeit im Durchschnitt mindestens einer Wochenarbeitszeit von über 50 Zeitstunden. "Das ist für uns nicht hinnehmbar, gefährdet die Gesundheit der Lehrerinnen und Lehrer und bleibt nicht ohne Folgen für die Qualität des Unterrichts", so Wurster. Nach Einschätzung des Philologenverbands war das Scheitern der Neuordnung der Lehrerarbeitszeit voraussehbar, denn die Landesregierung war nicht bereit anzuerkennen, dass alle Lehrer eine generell viel zu hohe Arbeitsbelastung haben und diese nur durch Reduktion der Unterrichtsverpflichtung abgefedert werden kann.

Die Arbeitsbedingungen haben sich insbesondere an den Gymnasien in den letzten Jahren zunehmend verschlechtert. "Wir beobachten mit großer Sorge", so Wurster, "dass immer mehr Lehrer ihre Stundenverpflichtung notgedrungen reduzieren, auf Teilzeit gehen und auf Gehalts- und spätere Pensionsansprüche verzichten." Vor diesem Hintergrund fordert der Philologenverband Baden-Württemberg die Absenkung der wöchentlichen Unterrichtsverpflichtung und für jede Schule einen Stundenpool für besondere Arbeitsspitzen. "Nur so ist es möglich, die Qualität der Lehrerarbeit - auch zum Wohle der Schülerinnen und Schüler - zu sichern", so Wurster.

Der Abschlussbericht über die Modellversuche zur Arbeitsorganisation und zu einer Neubewertung der Arbeit von Lehrerinnen und Lehrern ist im Internet abrufbar unter:
http://www.schule-bw.de/entwicklung/qualieval/modellao

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