Am Rande der 'didacta'-Bildungsmesse:
Junge Philologen und Junge Union sprachen über aktuelle bildungspolitische Themen
In den zentralen Fragen bestand eine große Übereinstimmung / Klares Bekenntnis zum gegliederten Schulsystem
Zu einem zweistündigen Meinungsaustausch über aktuelle bildungspolitische Themen trafen sich am letzten Tag der 'didacta'-Bildungsmesse Spitzenvertreter der Jungen Union und des Philologenverbandes Baden-Württemberg. Die Junge Union war vertreten durch die stellvertretende Bundesvorsitzende Nina Bender, den Vorsitzenden der Jungen Union Baden-Württemberg, Steffen Bilger, und den Bezirksgeschäftsführer Nordwürttemberg, Christian Schwalbe. Den Philologenverband Baden-Württemberg repräsentierten Sabine Grobe (Vorsitzende der Jungen Philologen), Cord Santelmann (Vorsitzender der Jungen Philologen im Bezirk Südwürttemberg und Referent für Berufspolitik im Landesvorstand), Jörg Sobora (Regionalvertreter Obere Donau), Knut Krüger (Bezirksvorsitzender Nordwürttemberg) und der stellvertretende PhV-Landesvorsitzende Bernd Saur.
Steffen Bilger bedauerte, dass die derzeitige Berichterstattung über unsere Schulen in der öffentlichen Wahrnehmung zu einem Zerrbild über deren effektive Leistungen geführt habe, das den Schulen nicht gerecht werde. Bernd Saur kritisierte das offensichtlich nicht abgestimmte Vorgehen der maßgeblichen CDU-Politiker, wie es gerade während der 'didacta' deutlich geworden sei. Besonders die forsche und überraschende Forderung von Ministerpräsident Oettinger, man solle im G 8 bei den Naturwissenschaften Stunden und Stoff streichen, sei auf breites Unverständnis gestoßen, nicht zuletzt bei Bundesbildungsministerin Schavan und Kultusminister Rau. Bildungspolitik aus einem Guss sehe anders aus. Die PhV-Vertreter kritisierten des Weiteren die Verwendung des Begriffes "Entrümpelung". Es sei doch sehr verwunderlich, wenn Politiker Unterrichtsinhalte, die von ihnen mit der Verabschiedung des Bildungsplans 2004 einst selbst beschlossen wurden, jetzt als "Gerümpel" bezeichneten.
Cord Santelmann erläuterte die Position des Philologenverbandes zur anonymen Benotung von Lehrern durch Schüler im Internet. Der PHV sieht in diesem Vorgehen, zum Beispiel bei 'spickmich.de', den pädagogischen Erziehungsauftrag der Schule gefährdet, die Persönlichkeitsrechte der Lehrkräfte verletzt und den Datenschutz missachtet. Es wurde übereinstimmend festgestellt, dass schulintern eine valide Feedback-Kultur existieren muss, die es den Schülerinnen und Schülern erlaubt, konstruktive Kritik zu üben, dass aber das anonyme Internet-Mobbing ein völlig falsches pädagogisches Signal setze. Sabine Grobe stellte fest, dass immer mehr Lehrkräfte von sich aus die Schüler um eine Evaluation ihres Unterrichts bitten, zum Beispiel mittels eines existierenden Evaluationsbogens.
Der innerhalb der CDU immer wieder aufflammenden Vorstellung, man solle in der Unterstufe den Klassenteiler senken und dafür in der Oberstufe größere Gruppen bilden, widersprachen die PhV-Vertreter. Sie verwiesen u.a. auf den enormen Korrekturaufwand in der Oberstufe, der nicht noch gesteigert werden könne. Sie forderten, durch die Einstellung von mehr Lehrkräften das Schüler-Lehrer-Verhältnis am Gymnasium insgesamt zu verbessern.
Völlige Übereinstimmung bestand in der Frage der Schulstruktur. Das Gymnasium müsse in Klasse 5 beginnen. Eine Verlängerung der Grundschulzeit wäre für alle Schülerinnen und Schüler von Nachteil; geradezu zwangsläufig würde sie zu einer schlechteren Förderung der Gymnasiasten und damit zu einem nicht hinnehmbaren Qualitätsverlust des Abiturs führen.
Bezüglich der aktuellen Diskussion um das derzeitige G 8 unterstrich Jörg Sobora von den Jungen Philologen, dass der PhV die Parallelführung des neun- und des achtjährigen Gymnasiums nach wie vor für den richtigen Weg hält und deshalb erneut darauf hingewiesen habe.
Vor der Einleitung so genannter "Entrümpelungsmaßnahmen" oder irgendwelcher anderer Schnellschüsse solle zunächst geprüft werden, warum die Belastung der Schülerinnen und Schüler offensichtlich von Gymnasium zu Gymnasium unterschiedlich ausfalle bzw. zumindest so empfunden werde. Zu klären sei auch, wie beispielsweise mit den Poolstunden verfahren werde und warum die Belastung mit Nachmittagsunterricht zum Teil unterschiedlich empfunden und bewertet werde.
Die Junge Union Baden-Württemberg wird im April 2008 ihren Landestag abhalten. Der diesjährige thematische Schwerpunkt wird die Bildungspolitik sein.
Bernd Saur