Karl-Heinz Wurster zieht Bilanz
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
mit der Vertreterversammlung, die am 11. Juli 2008 in der Fellbacher Schwabenlandhalle stattfindet, endet meine Amtszeit. Dann war ich vier Jahre und vier Monate Landesvorsitzender des Philologenverbandes Baden-Württemberg, zuvor stellvertretender Landesvorsitzender und Bezirksvorsitzender Nordwürttemberg.
Zwanzig Jahre Funktionärstätigkeit, das bedeutete: hohe Präsenz und aktives Engagement bei vielen Sitzungen der PhV-Gremien, der Personalvertretungen, bei Personalversammlungen, bei Podiumsdiskussionen, im Landesschulbeirat, bei den Sitzungen der Dachverbände, in vielen Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen, mit Mitgliedern der Schulverwaltung, mit der Politik und den Medien. Dies war eine sehr anstrengende, aber zugleich überaus interessante Zeit, und ich möchte sie nicht missen.
Nachfolgend ziehe ich Bilanz meiner Arbeit.
Folgende drei Schwerpunkte bzw. Ziele hatte ich mir gesetzt:
Das erste Ziel konnten wir nicht erreichen. Gründe dafür gab es viele, u.a. die rigide Haushaltspolitik des Landes, das weitgehende Unverständnis der Öffentlichkeit für die schwieriger gewordene Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer und die zum Teil fehlende Solidarität der Lehrerorganisationen. Immerhin, das gymnasiale Deputat von zurzeit 25 Wochenstunden scheint von der Landesregierung als Obergrenze anerkannt, und die Einsicht ist vorhanden, dass den Beamten, d.h. auch den Lehrerinnen und Lehrern, im Jahre 2009 eine angemessene Gehaltserhöhung zusteht.
Beim Thema Schulstruktur waren wir erfolgreicher - und dies trotz des permanenten Trommelfeuers der politischen Linken und einer "Bildungsgewerkschaft". Das gegliederte Schulwesen existiert weiterhin erfolgreich, denn am Erfolgsmodell Gymnasium kommen selbst "die Kämpfer" für die Einheitsschule nicht vorbei.
Im Übrigen teilt die politische Mehrheit im Landtag unsere Position, und wir gehen davon aus, dass auch die Mehrheit der Bevölkerung keine Einheitsschule will.
Auch verbandsintern bzw. verbandspolitisch gab es viel zu tun. Zunächst musste der Philologenverband Baden-Württemberg die Mehrheit in den Personalvertretungen zurückgewinnen, was auch 2005 mit einem glänzenden Wahlsieg gelang. Damit war eines klargestellt: Der Philologenverband vertritt die Interessen der gymnasialen Lehrkräfte; wir sind der Ansprechpartner in allen Fragen des Gymnasiums.
Es gelang auch eine Steigerung unserer Mitgliederzahlen; vor allem viele junge Kolleginnen und Kollegen fanden den Weg zum Philologenverband. Wir nähern uns der Zahl von 8000 Mitgliedern.
Das Beitragsaufkommen der Mitglieder setzt uns allerdings Grenzen. Durch teilweise harte Spareingriffe gelang es, die Finanzen zu stabilisieren. Der Philologenverband Baden-Württemberg kann die wesentlichen Aufgaben eines Berufsverbandes finanzieren, und dies wird auch in Zukunft der Fall sein.
In der Vertretung unserer Interessen nach außen pflegten wir den Kontakt zur Politik, zur Schulverwaltung, zum Landeselternbeirat, zu den Fachverbänden und zu den Vertretern der Wirtschaft; wir verstärkten die Zusammenarbeit mit anderen Lehrerverbänden, insbesondere erfreulich gestaltete sich die Kooperation mit dem Berufsschullehrerverband (BLV) und dem Realschullehrerverband (RLV).
In unserer Pressearbeit versuchten wir mit hohem Einsatz unsere PhV-Positionen über die Medien in die Öffentlichkeit zu transportieren, was eine Herkules-Aufgabe war und ist.
Bei unserer Arbeit in den Gremien, den Stufenvertretungen und dem Landesschulbeirat bemühten wir uns um Sachorientierung, Polemik haben wir anderen überlassen. Der Philologenverband Baden-Württemberg stellte unterschiedliche Auffassungen deutlich heraus, bekannte sich aber auch zu Gemeinsamkeiten mit dem Kultusministerium, wenn solche vorhanden waren.
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, ich bedanke mich bei allen, die mich bei meiner Arbeit unterstützt haben: den Mitarbeitern der Landesgeschäftsstelle, den Vorstandsmitgliedern, den PhV-Personalräten und den PhV-Funktionären; ich bedanke mich auch bei den Kolleginnen und Kollegen an den Gymnasien des Landes, von denen ich Anerkennung und ein positives Echo erfuhr. Dankbar war ich aber auch für Anregungen und konstruktive Kritik.
Abschließend wünsche ich mir, dass endlich die Arbeitsbedingungen für Lehrerinnen und Lehrer verbessert werden.
Für das Gymnasium wünsche ich mir, dass es eine erfolgreiche Schulart bleibt. Den Kolleginnen und Kollegen vor Ort wünsche ich die Kraft für eine gute und erfolgreiche Arbeit am Gymnasium. Der neuen Führung des Philologenverbandes Baden-Württemberg wünsche ich Tatkraft, Erfolg sowie die Unterstützung aller Verbandsmitglieder und der an Schule und Bildung Interessierten.
Mit kollegialen Grüßen
Karl-Heinz Wurster