Rückbesinnung auf klare Leistungs- und Qualitätsorientierung am Gymnasium

Anlässlich der am 14. April 2008 auf Initiative Bayerns gestarteten Verhandlungen der Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt haben die fünf Vorsitzenden der Philologenverbände dieser Bundesländer Max Schmidt (Bayern), Karl-Heinz Wurster (Baden-Württemberg), Frank Haubitz (Sachsen), Dr. Jürgen Mannke (Sachsen-Anhalt) und Ralf-Gerhard Köthe (Thüringen) die klare Rückbesinnung zu einer leistungs- und qualitätsorientierten Politik für die Gymnasien gefordert und vor einem "faulen Kompromiss nach dem Prinzip des kleinsten gemeinsamen Nenners" gewarnt. Über ein gemeinsames "Südabitur" äußerten sich die Vorsitzenden der fünf Landesverbände skeptisch. Einheitliche Abituraufgaben seien allenfalls dann sinnvoll, wenn sichergestellt werden könne, dass sie in jedem Bundesland nach denselben Maßstäben bewertet werden könnten.

In einer noch am selben Tag von den fünf oben genannten PhV-Landesverbänden gemeinsam herausgegebenen Erklärung, die in der Mai-Ausgabe von "Profil" (5/2008), der Zeitschrift des Deutschen Philologenverbandes (DPhV), veröffentlicht wurde, wiesen die fünf Landesvorsitzenden u.a. auch darauf hin, dass von einer Rückbesinnung auf eine wieder klarere Leistungs- und Qualitätsorientierung am Gymnasium wie an anderen Schularten, die über Lippenbekenntnisse und Sonntagsreden hinausgeht, nicht nur die Schüler profitieren.

"Erst die G8-Lehrpläne und Bildungsstandards auf den Weg bringen"

"Bevor die Länder Baden-Württemberg, Bayern, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt über ein gemeinsames Zentralabitur debattieren, sollten erst einmal die mit dem G8 entstandenen Probleme vernünftig gelöst werden; außerdem sollte über bundesweit geltende Bildungsstandards Konsens bestehen", kommentierte der PhV-Landesvorsitzende, Karl-Heinz Wurster, die Initiative der fünf Länder.

Der Philologenverband Baden-Württemberg warnte vor "bildungspolitischen Schnellschüssen" bei der Erstellung einheitlicher Prüfungsanforderungen, die auch Anpassungen im Korrektur- und Notengebungsverfahren erfordern. Wie soll die Überprüfung einer zentralen Abiturarbeit durch einen Zweit- und Drittkorrektor erfolgen, wenn die Korrektur- und Bewertungskriterien und schließlich die Benotung in den beteiligten Ländern unterschiedlich gehandhabt werden? Nicht mehr abprüfbar wären dann beispielsweise auch landestypische Themen.

Zu begrüßen sei zwar, dass sich die Länder über gemeinsame Bildungsstandards verständigen, doch dabei dürfe nicht ein 'Abitur light' herauskommen. Sinnvoller wäre es, zunächst die Ergebnisse der mit den überarbeiteten Lehrplänen gemachten Erfahrungen abzuwarten. Nach Auffassung des Philologenverbandes Baden-Württemberg sollten erst der für Baden-Württemberg geltende G8-Bildungsplan 2004 und die erstellten Curricula in allen Klassen erprobt worden sein, bevor möglicherweise weitere Bildungsbaustellen eröffnet werden. Probleme sieht der Philologenverband auch in den unterschiedlichen Ferienterminen der Länder, die gemeinsame Abiturtermine nahezu unmöglich machen. Nachgedacht werden müsse über die festgezurrten Ferientermine. Der Philologenverband regt an, sich von der jetzigen Ferienreglung zugunsten größerer Ferienblöcke im zweiten Schulhalbjahr zu verabschieden.

H.-E. Giebel

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