Bachelor- und Masterabschlüsse können das Staatsexamen nicht ersetzen
"Wir brauchen keine neuen Lehrerinnen und Lehrer, sondern eine bestmögliche Lehrerbildung mit einem 1. und 2. Staatsexamen, womit ein hohes Maß an fachlicher Kompetenz, Professionalität und Eignung für den Lehrerberuf bescheinigt wird; insbesondere die Fachkompetenz muss durch ein Studium mit dem Abschluss eines Staatsexamens an einer Universität erworben werden", so der PhV-Landesvorsitzende Karl-Heinz Wurster zu Vorstellungen der Landtagsgrünen in einer vom Verband am 22. April 2008 herausgegebenen Presseerklärung. Schulpolitische Experimente, die das Abitur an den Gymnasien entwerten, werden vom Philologenverband abgelehnt.
Der Philologenverband Baden-Württemberg begrüßt, dass das Lehramtsstudium für angehende Gymnasiallehrer vorerst nicht auf die gestuften Abschlüsse Bachelor und Master umgestellt wird und das Staatsexamen an den Universitäten bleibt. "Das ist im Sinne unserer wiederholt vorgebrachten Forderung, die Qualität der Lehrerausbildung zu verbessern und den Qualitätsabschluss 'Staatsexamen' zu erhalten", so der Landesvorsitzende des Philologenverbandes Baden-Württemberg, Karl-Heinz Wurster. Der Philologenverband Baden-Württemberg hatte wiederholt auf die Notwendigkeit einer Beibehaltung des Staatsexamens hingewiesen und sieht sich in seiner Forderung durch die neue Weichenstellung von Kultusminister Rau und Wissenschaftsminister Frankenberg bestätigt.
Ein "Einheitslehrer in einem Einheitsschulsystem", aber auch eine von Politikern gewollte Angleichung eines qualitativ hochwertigen akademischen Abschlusses an weniger erfolgreiche und qualitativ schlechtere Bildungssysteme anderer Länder hätte für eine führende Wirtschaftsnation mit der Zielsetzung höchster Qualität und Leistungsfähigkeit verheerende Folgen", warnt Wurster und fragt: "Oder sollen wir uns zum Beispiel bezüglich der Exportstatistik etwa auch anderen Ländern anpassen?" Der Philologenverband schlägt vor, dass die Universitäten für die Lehrerbildung Ringvorlesungen über die Stoffe der Lehrpläne organisieren und so die Seminare bei Aufgaben entlasten, für die sie eigentlich nicht da sind.
PhV für Beibehaltung des Staatsexamens
Auch deshalb ist der Philologenverband für die Beibehaltung des Staatsexamens: Bei einer Umstellung der Lehrerbildung auf ausschließlich von der Universität vergebene Bachelor- und Masterabschlüsse würde der Staat seinen regulierenden und Vergleichbarkeit sichernden Einfluss verlieren: Die Ausbildungs- und vor allem die Prüfungsverantwortung ginge auf die Hochschulen über, das 1. Staatsexamen für ein Lehramt würde durch ein Universitätsexamen ersetzt. Nach Auffassung des Philologenverbandes besteht dann auch die Gefahr, dass der Vorbereitungsdienst wegfällt.
Für den PhV ist nicht nachvollziehbar, warum die Grünen den Bachelor als "Chance zu einer grundlegenden inhaltlichen Reform der Lehrerbildung" nutzen wollen, welcher für die künftigen Lehrer aller Schularten "überwiegend die Grundlagen für die Tätigkeit des Lehrens vermittelt". Wenn erst danach eine "einjährige Praxisphase und erst zuletzt in unterschiedlichen Masterstudiengängen die inhaltliche Ausrichtung nach Schulart und Schulstufe folgen sollen, würde das vereinfacht heißen: erst kommt die Pädagogik, dann die Praxis ohne Inhalte und zuletzt das Fachstudium, das schließlich die Voraussetzungen für einen fachdidaktisch reflektierten Unterricht liefert. Selbstverständlich können Methoden und Ziele einer kindgerechten Vermittlung erst auf der Grundlage fachlicher und sachlicher Klarheit entwickelt und erprobt werden; dass jedoch das "Lernen auf Vorrat", also ohne inhaltlichen Kern, längst als die erfolgloseste Form jedes Lernens bekannt ist, scheint den Anhängern dieses Ansatzes fremd zu sein.
Und noch etwas sollte nach Auffassung des Verbandes zur Kenntnis genommen werden: Gerade auch die an den Gymnasien unterrichtenden Lehrerinnen und Lehrer haben entscheidenden Anteil an der Herausbildung der Leistungselite unseres Landes und seiner wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Führungsstellung. Eine Umstellung des Bildungssystems im Sinne einer "Angleichung" an einen schlechteren gemeinsamen europäischen Standard stellt keinen akzeptablen Paradigmenwechsel dar. Ziel unseres Bildungssystems muss es sein, die Zukunft des Landes durch die bestmögliche Bildung zu sichern.
Begrüßt wird vom Verband auch die beabsichtigte stärkere Ausrichtung des Lehramtsstudiums an der schulischen Praxis und Erhöhung des fachdidaktischen Anteils. "Mit einer soliden ersten fachwissenschaftlichen Ausbildungsphase an der Universität mit Praxis-, Fachdidaktik- und Pädagogikanteilen, die mit dem 'Staatsexamen' abschließt, kann nun das Land den Beweis liefern, dass ihm die Qualität der Bildung und Ausbildung wirklich am Herzen liegt", so der Kommentar von Verbandschef Wurster.
PhV sieht mit Skepsis die angestrebte Modularisierung des Lehramtsstudiums
Ob die angestrebte Modularisierung und eine damit verbundene Verschulung des Lehramtsstudiums der Weisheit letzter Schluss sind, wird vom Philologenverband äußerst skeptisch betrachtet. Wurster: "Das steht im Gegensatz zur individuellen Schwerpunktsetzung eines akademischen Studiums und auch im Gegensatz zu Schulentwicklungsprozessen mit stärkerer schulischer Eigenständigkeit und selbstgesteuertem Lernen." Befürchtet wird auch, dass ein Wechsel von Universität zu Universität dadurch schwieriger wird, da die Universitäten eigene Schwerpunkte setzen würden. Nach wie vor heftig kritisiert der Philologenverband die Verkürzung des Referendariats auf 18 Monate, die Erhöhung des Unterrichtsanteils während dieser Ausbildungsphase sowie die wenig attraktiven Anwärterbezüge.
Der Philologenverband Baden-Württemberg setzt sich für die Beibehaltung des Staatsexamens ein und ist gegen eine Umstellung auf das Bachelor-Master-System. Diesbezüglich weist der Philologenverband auf folgende Punkte besonders hin:
Wissenschaftsministerium und Kultusministerium zur Reform des gymnasialen Lehramts
Wissenschaftsministerium und Kultusministerium halten an der geplanten Modernisierung der gymnasialen Lehrerausbildung fest. Insbesondere soll das Studienangebot vollständig modularisiert werden, um eine Vergleichbarkeit mit anderen fachlich verwandten Studiengängen herzustellen. Die Umstellung auf die gestufte Studienstruktur werde vorerst zurückgestellt und das Staatsexamen werde beibehalten, teilten Wissenschaftsminister Professor Dr. Peter Frankenberg und Kultusminister Helmut Rau am 15. April 2008 in Stuttgart mit. Der Ministerrat hatte am 3. Juli 2007 eine Reform der gymnasialen Lehrerausbildung beschlossen. "Im Zentrum dieser Reform steht die inhaltliche Weiterentwicklung der gymnasialen Lehrerbildung, vor allem deren stärkere Ausrichtung an der schulischen Praxis. In diesem Zusammenhang wollen wir auch die Perspektiven der Lehrerausbildung in Baden-Württemberg insgesamt mit dem Ziel einer weiteren Qualitätssteigerung prüfen", sagten Frankenberg und Rau. Die inhaltlichen Vorgaben des Beschlusses werden wie vorgesehen umgesetzt. Dazu zählen insbesondere eine volle Modularisierung sämtlicher Lehrveranstaltungen, der Neuzuschnitt einzelner Fächer, eine Erhöhung des Anteils für Fachdidaktik und die Einführung des international gängigen ECTS-Punktesystems für alle Studiengänge.
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