Realschullehrerverband für gegliedertes Schulwesen
Der Realschullehrerverband lehnt eine engere Kooperation mit den Hauptschulen ab. Der gemeinsame Unterricht in den Klassen 5 und 6 sei "absolut nicht machbar", sagte die Landesvorsitzende Rita Haller gegenüber der deutschen Presse-Agentur. "Das würde bedeuten, die Schularten zu verschmelzen." Schon jetzt hätten die Realschulen Klassen mit 30 oder mehr Schülern. Wenn jetzt noch Hauptschüler hinzukämen, bleibe die Qualität auf der Strecke.
Kultusminister Rau hatte bei der Veranstaltung der kommunalen Landesverbände im Rahmen der Bildungsmesse 'didacta' im Februar angekündigt, Kinder der Haupt- und Realschulen in den Klassen 5 und 6 sollten künftig auch gemeinsam unterrichtet werden können. Ein entsprechender Modellversuch werde an ausgewählten Standorten zum Schuljahr 2009/10 starten. Die Teilnahme stehe auch Schulen offen, die räumlich nicht direkt beieinanderlägen. Die zweijährige Erprobungsphase solle vom Landesinstitut für Schulentwicklung (LS) begleitet und ausgewertet werden. Ziel sei es, die Durchlässigkeit zwischen Haupt- und Realschule deutlich zu stärken.
RLV-Landesvorsitzende Rita Haller stellte in einer Erklärung Folgendes fest: "Realschüler sind gefragt in Industrie und Handwerk, Realschuleltern treffen ihre Entscheidung bewusst - obwohl jedes fünfte Elternpaar auch die Option Gymnasium hätte. Sie müssen sich darauf verlassen können, dass Realschule drin ist, wo sie draufsteht, und ihr Kind dort die optimale Ausbildung erhält. Die Realschulen leisten seit Jahren gute und allgemein akzeptierte Arbeit, aber sie sind nicht die Allzweckwaffe der Bildungspolitik für Probleme, die sie nicht zu verantworten haben. Realschulen und Hauptschulen können gemeinsam arbeiten im musischen oder im Projektbereich, angefangen von sozialen über Umweltprojekte bis zu gemeinsamen Schülerfirmen. Realschüler und Hauptschüler können gemeinsame Kompetenzen einbringen und ausbauen beim Fremdspracherwerb zum Beispiel in der gemeinsamen Muttersprache Türkisch. Sie können gemeinsam Gebäude und Ganztagsbetreuung nutzen, aber sie können nicht durchgehend in einer Klasse sitzen.
Niemand käme auf die Idee, Fußballer von der Jugend über die Kreisklasse bis zur Bundesliga zusammen zu trainieren in der Hoffnung, dass alle dasselbe Spielniveau erreichen. Und sicher würden sowohl die Hobbykicker aus der Kreisklasse als auch die Bundesligaspieler streiken, wenn sie das Gefühl hätten, aus Ersparnis- oder sonstigen Gründen nicht entsprechend ihren Möglichkeiten gefördert zu werden. Ebenso wenig macht es Sinn, alle gemeinsam antreten zu lassen und sie dann in verschiedene Ecken des Spielfelds zum Training zu schicken.
Weshalb also nicht allen zu unterschiedlichen Zeiten den ganzen Platz zur Verfügung stellen? Und immer wieder marschiert ein Späteinsteiger zur Spitze durch, ebenso wie manch hoffnungsvolles Talent nie über diesen Status hinauskommt. Lassen wir es also beim gemeinsamen Konditionstraining und trainieren wir die Finessen in der passenden Umgebung - fördern wir die Talente, wenn wir sie finden, und akzeptieren wir die Verschiedenheit, wo es sie gibt."
km-pm-/rlv