Editorial
Verehrte Leserin,
verehrter Leser,
ein ereignisreiches Schuljahr liegt hinter uns, das insbesondere von der Schulstrukturdebatte, vom G8 und von der Hauptschule geprägt war. Einen besonderen Höhepunkt am Schluss dieses Schuljahres bildete die Vertreterversammlung in der Fellbacher Schwabenlandhalle: Karl-Heinz Wurster wurde mit Lob und Dank in den Ruhestand verabschiedet und Bernd Sauer trat seine Nachfolge an. Auf seinem Weg an der Spitze des Verbandes wird er künftig begleitet von Brigitte Röder, Klaus Nowotzin und Dr. Andreas Horn. "Wir wollen wieder Luft zum (pädagogischen) Atmen haben - weg mit der 25. Stunde!", war eine Kernforderung des neuen Landesvorsitzenden. Bernd Saur ging in seiner Rede auf die G8-Emotionen der letzten Wochen und Monate ein. Saur: "Selbstverständlich dürfen unsere Kinder nicht über Gebühr belastet werden, selbstverständlich muss auch Zeit für anderes als für die Schule bleiben. Wenn wir aber unsere hohe Qualität halten wollen, wenn wir uns in zehn Jahren nicht von den Universitäten - wie im Zusammenhang mit der Gestaltung der Kursstufe schon einmal geschehen - mit dem Vorwurf der mangelnden Studierfähigkeit konfrontiert sehen wollen, dann muss ein Mindeststandard erhalten bleiben. Und auch das exemplarische Lernen - so wichtig es ist - hat seine Grenzen und kann nicht überstrapaziert werden." Die kürzlich ausgerufene "Qualitätsoffensive Gymnasium" ziele in die richtige Richtung, so die Feststellung von Bernd Saur beim Vertretertag mit dem Hinweis: "Erfreut nehmen wir die Ankündigung zur Kenntnis, den Klassenteiler sukzessive senken zu wollen."
Bezüglich der Doppelstundenregelung empfahl der neue PhV-Chef im Rahmen des Konzepts der operativ eigenständigen Schulen, diese Entscheidung der einzelnen Schule zu überlassen, da lokale Besonderheiten (wie z.B. Schülerbeförderung) ein unterschiedliches Vorgehen erfordern können. Und im Blick auf die laufende Strukturdebatte sagte Saur, dass die Gesamtschule und sechsjährige Grundschule nur dort "funktionieren", wo es überhaupt keine Gymnasien mehr gebe, wo Fluchtwege verbaut seien. "Wer die Verlängerung der Grundschule oder gar die neun- oder zehnjährige Einheitsschule fordert, verbaut all denjenigen begabten Kindern eine ihrer Begabung entsprechende Schulbildung, deren Eltern sich eine Privatschule nicht leisten können", mahnt der neue Landesvorsitzende und stellt die Frage: "Wären davon begabte Migrantenkinder nicht überproportional betroffen?"
Der stellvertretende Vorsitzende Beamtenbund Tarifunion (BBW), Joachim Lautensack, wies darauf hin, dass insbesondere den Beamten in den letzten Jahren sehr viel zugemutet worden sei: Nullrunden, gekürzte und zeitlich verzögerte Einmalzahlungen, erneute Kürzung der Landessonderzahlungen (Weihnachtsgeld), Verrechnung mit mageren und geteilten Besoldungserhöhungen, bei zahlreichen sonstigen Leistungskürzungen und der Erhöhung der Arbeitszeit? "Die Landesregierung wird bei der anstehenden Dienstrechtsreform unter Beweis zu stellen haben, ob sie unser Vertrauen verdient hat."
Kultusminister Helmut Rau ging in seinem Vortrag, dessen Inhalte bei den Delegierten wiederholt zu Beifallsbekundungen führten, u.a. auf die laufende Strukturdebatte ein, die auch unter dem Aspekt der Chancengerechtigkeit geführt wird. Rau: "Was ist wirklich gerecht im Bildungswesen? Gerecht ist, wenn wir dazu beitragen, dass alle Kinder und Jugendliche ihre Potenziale entfalten können, dass sie die Förderung bekommen, mit der sie Ziele erreichen können, die in ihrem individuellen oberen Leistungsbereich liegen, dass sie Chancen ergreifen können, die nach der Schule liegen, dass sie werthaltige Abschlüsse bekommen und nicht irgendein Zertifikat, das hinterher von niemandem mehr beachtet wird, dass die Übergänge gelingen und dass die Durchlässigkeit gewährleistet wird. Das ist für mich gerecht!"
Wir konnten aus Raum- und Zeitgründen in dieser gbw-Ausgabe nur einen Ausschnitt aus den vielen Inhalten und Themen der Vertreterversammlung liefern. Wir werden deshalb in unserer September-Oktober-gbw-Ausgabe noch einmal auf die Vertreterversammlung eingehen. Danken möchte ich an dieser Stelle - auch im Namen des Landesvorstands -
ganz besonders dem Team der Landesgeschäftsstelle mit Landesgeschäftsführer Stefan Dahlinger, Doris Gollhofer, Renate Dierolf und Brigitte Ziegler, die die Vertretversammlung vorbereitet und einen reibungslosen Ablauf garantiert haben. Dank gilt auch den Polizei-Kollegen Kusterer und Reimann, die mit ihren ausgezeichneten Bild-Präsentationen die Delegierten begeisterten.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, verehrte Leserinnen und Lehrer, im Namen des Landesvorstands und der Landesgeschäftsstelle wünsche ich Ihnen erholsame Sommerferien und einen guten Start ins neue Schuljahr 2008/09.
Mit freundlichen und kollegialen Grüßen
Hans-Eckhard Giebel
Redaktion 'Gymnasium Baden-Württemberg'
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