Anonyme Lehrerbenotung im Internet gefährdet den Erziehungsauftrag und verletzt Persönlichkeitsrechte

In der zwischen um die Mitternachtszeit übertragenen ZDF-Markus-Lanz-Fernsehsendung "Rosa Karte" ging es am 19. Juni 2008 u.a. um das Internet-Portal "spickmich", wo Schüler im Internet anonym ihre Lehrer benoten können. Außer Baden-Württembergs PhV-Landesvorsitzendem Bernd Saur diskutierten in dieser Sendung der Betreiber des Internet-Portals, Manuel Weisbrod, der Hamburger Oberstufenschüler Frederic Strohm, der Hamburger Lehrer Herbert Simon und der Fernsehmoderator Markus Lanz. Bernd Saur, der seit 24 Jahren als Gymnasiallehrer Schüler unterrichtet und seit dem 11. Juni dieses Jahres Vorsitzender des Philologenverbands Baden-Württemberg ist, sieht in der anonymen Benotung von Lehrern im Internet den pädagogischen Erziehungsansatz der Schule in Gefahr und die Persönlichkeitsrechte des Lehrers verletzt; er lehnt sie deshalb ab. Der 17-jährige Frederic Strohm, Schüler an einem Hamburger Gymnasium und regelmäßiger Besucher von "spickmich", findet es sehr interessant, wenn umgekehrt auch mal die Lehrer benotet werden. Bernd Saur stellte in der ZDF-Sendung klar, dass eine solche Bewertung zu einer Ungleichgewichtung "mit völlig anderer Qualität führt". Er begründet das damit, dass beispielsweise Mittelstufenschüler ihre Lehrer anders bewerten als Oberstufenschüler und solche Schüler, die ein Feedback erst nach abgeschlossenem Abitur geben. Saur hat nichts gegen eine Feedback-Kultur an den Schulen, lehnt aber eine anonyme Bewertung im Internet ab. Siehe auch einige Aussagen der Diskussionsteilnehmer.

Markus Lanz:
Moderator der abendlichen Diskussion, in der es rund um die Lehrerbenotung im Internet ging.

Frederic Strohm:
Der Oberstufenschüler Frederic Strohm behauptete, ein anonymes Feedback sei nötig, weil man Lehrer nicht offen kritisieren könne, ohne mit Sanktionen rechnen zu müssen. Er bewertete seine Physiklehrerin vor laufender Kamera und erwies sich dabei - trotz kritischer Nachfragen des Moderators Markus Lanz - als äußerst strenger Bewerter.
 
Herbert Simon:
Der Hamburger Lehrer Herbert Simon zeigte sich mit seiner Internet-Bewertung, die im Zweierbereich liegt, einverstanden. Er bekannte aber, nur anlässlich der Sendung überhaupt einen Blick auf seine Spickmich-Bewertung geworfen zu haben. Er favorisiere jedoch nach wie vor das Gespräch zwischen Lehrer und Klasse vor Ort.
 
Bernd Saur:
Der Ulmer Fremdsprachenlehrer plädierte für eine valide Feedbackkultur innerhalb der Schule und nannte die hierfür zur Verfügung stehenden Möglichkeiten. Ein anonymes Anschwärzen des Lehrers im Internet sei mit den Erziehungszielen Offenheit, Transparenz und gegenseitige Wertschätzung nicht vereinbar.
 
Manuel Weisbrod:
Der Spickmich-Betreiber behauptete, es gäbe Schulleiter, die ihren Schülerinnen und Schülern verbieten, sich bei Spickmich anzumelden. Dies zeige die offensichtlich vorherrschende Angst von Schulen und Lehrern, sich einer Bewertung zu stellen. 

www.phv-bw.de