Baden-Württemberg wirbt erstmals bundesweit mit Anzeigenaktion um Lehrkräfte
Zum neuen Schuljahr 2008/09 werden in Baden-Württemberg mindestens 4100 neue Lehrkräfte in den öffentlichen Schuldienst eingestellt. Das hat Kultusminister Helmut Rau am 25. Juni 2008 im Landtag in Stuttgart bekannt gegeben. "Als klar war, dass andere Bundesländer händeringend nach Lehrkräften suchen, haben wir schnell und ohne öffentliches Tamtam gehandelt. Denn eines ist klar: Referendare mit herausragenden Qualifikationen sollen in Baden-Württemberg bleiben." Im Rahmen der schulbezogenen Stellenausschreibung für den ländlichen Raum seien für die Gymnasien und Beruflichen Schulen die zugewiesenen Stellenkontingente noch vor der Osterpause um 25 Prozent aufgestockt worden. Dadurch hätten beispielsweise die Gymnasien in Buchen, Blaubeuren und Waldshut die zuvor angespannte Personalsituation entschärfen können. Verwiesen wurde darauf, dass Baden-Württemberg als eines von nur drei Ländern bundesweit weiterhin auf einen Numerus Clausus für Referendare verzichte und damit allen Lehramtsstudenten die Chance auf einen unmittelbaren Abschluss ihrer Gesamtausbildung gebe.
Zu hören war auch: Baden-Württemberg wirbt bundesweit in Tageszeitungen um Lehrkräfte für Gymnasien und Berufliche Schulen. "Mit der Anzeigenkampagne machen wir auf die ausgezeichneten Einstellungschancen in unseren Gymnasien und beruflichen Schulen aufmerksam", sagte Rau In einer Pressemitteilung vom 14. Juli und ließ verlauten, dass derzeit 450 Stellen im Internet ausgeschrieben seien. Rau sagte, dass qualifizierte Junglehrkräfte bereits im Mai feste Einstellungszusagen erhalten hätten. Viele dieser angehenden Lehrkräfte hätten sich jedoch in den letzten Tagen anders entschieden und der Schulverwaltung abgesagt. Rau hatte sich kürzlich darüber beschwert, dass andere Länder, insbesondere Hessen, entgegen einer Vereinbarung in der Kultusministerkonferenz auf dem Lehrerarbeitsmarkt "räuberten". Nun sehe er sich genötigt, Ähnliches zu tun.
An den Gymnasien fehlen besonders Lehrkräfte für die Fächer Mathematik, Deutsch, Physik, Chemie und Biologie. In den beruflichen Schulen gibt es "überdurchschnittlich gute Einstellungsperspektiven" für Lehrkräfte mit den Fächern Physik, Mathematik, Deutsch und Englisch. Der Minister ließ ferner wissen, dass Universitätsassistenten in besonders gefragten Fachrichtungen wie Mathematik, Physik und Chemie in Zukunft die Möglichkeit erhalten sollen, direkt als Lehrkraft an Gymnasien einzusteigen. Bei diesen Stellenangeboten könnten "auch Realschullehrkräfte zum Zuge kommen" und mit einer dauerhaften Übernahme rechnen.
Die freien Stellen sind derzeit im Internet unter www.lehrereinstellung-bw.de unter dem Menüpunkt "Schulbezogene Stellen" ausgeschrieben. Darüber hinaus werden ab den Sommerferien bis Ende September unter dem Menüpunkt "Stelleninfo Regierungspräsidien" weiterhin nicht besetzte Stellen angezeigt, auf die sich Interessenten bewerben können.
PhV-Landesvorsitzender Bernd Saur:
"Klar ist: Diese Einstellungsrunde läuft nicht optimal!"
Für den Philologenverband läuft die diesjährige Einstellungsrunde nicht optimal. "Das kann so nicht weitergehen", so PhV-Landesvorsitzender Bernd Saur. "Um künftig Abwanderungen zu verhindern - auch im Blick auf den späten Ferienbeginn in Baden-Württemberg -
muss sich das KM viel früher um qualifizierten Lehrernachwuchs kümmern." Der Philologenverband fragt: Wie ist es zu erklären, dass es trotz verschiedener Einstellungsrunden und einer (vorab-)Einstellungszusage für qualifizierte baden-württembergische Referendarinnen und Referendare viele Absagen seitens der Bewerber/innen gab und viele in andere Bundesländer abgewandert sind, sodass nunmehr bundesweit 450 Stellen ausgeschrieben werden (müssen)? Die (vorab-)Zusagen hatten sich nicht auf die Wunschregion der Kandidaten, sondern auf den ganzen Bezirk bezogen. Viele Bewerber(innen) lehnten den ihnen angebotenen Standort ab und gingen vielleicht sogar in ein anderes Bundesland, zum Beispiel von Nordbaden nach Rheinland-Pfalz und auch nach Hessen. Die Konsequenz ist nun nicht nur, dass viele Stellen in schwer zu versorgenden Regionen unbesetzt sind, sondern auch Stellen in den Regionen, für die sich die Betreffenden beworben hatten und wo man sie durchaus zum Teil auch hätte einsetzen können. PhV-Landesvorsitzender Bernd Saur: "Unsere eigenen Leute wandern (notgedrungen) ab, was nun durch Zuwanderung aus anderen Bundesländern kompensiert werden soll. Hier stellen sich folgende Fragen: Werden die "Zuwanderer" nun die Stellen im ländlichen Raum anstreben oder diejenigen Stellen bekommen, die die Abgewanderten gerne genommen hätten? Und kommen jetzt Realschullehrkräfte und Universitätsassistenten auf gymnasiale Stellen, die man zum Teil Gymnasiallehrkräften vorenthalten hat? Saur: "Klar ist: Diese Einstellungsrunde läuft nicht optimal!"
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