Das Kapitel "Vergleichsarbeiten"

Das baden-württembergische Kultusministerium teilte den Schulleitungen Anfang Juli mit, dass in den Fächern Deutsch und Geschichte keine Vergleichsarbeiten geschrieben werden, weil die Inhalte aufgrund eines "bedauerlichen Versehens" Schülerinnen und Schülern vorzeitig bekannt geworden waren. Wie das Kultusministerium weiter mitteilte, geschah dies"trotz eindeutiger Anweisungen des Landesinstituts für Schulentwicklung zum Umgang mit diesen Arbeiten und zur Geheimhaltung".

Da der Kreis von Personen, dem die Aufgabe bekannt geworden war oder noch bekannt werden konnte, nicht abgrenzbar war, hat das Kultusministerium "im Interesse der Chancengleichheit der Schülerinnen und Schüler" entschieden, dass die Vergleichsarbeiten nicht geschrieben werden. Wie sich kurz danach herausstellte, hat es auch im Fach Mathematik eine undichte Stellen gegeben -
mit einem Unterschied: diese Arbeit war bereits geschrieben, als der Fall ans Licht kam. So kann und darf nicht mit Schülern und auch nicht mit der Arbeitszeit des schulischen Personals und der beteiligten Lehrkräfte umgesprungen werden. Schließlich sind auch die Schüler davon betroffen. "Der Inhalt der Arbeit war wie von Geisterhand im Internet aufgetaucht", hieß es in den Stuttgarter Nachrichten zum Bekanntwerden der Geschichtsarbeit. Zitiert wurde darin auch der Landesvorsitzende der Jungen Union, Steffen Bilger: "Das ist nur noch peinlich, was da passiert ist", sagte er.

Das Kultusministerium will nach diesen Vorfällen das Verfahren zur Ausgabe der Vergleichsarbeiten überprüfen und "notwendige Anpassungen" vornehmen. Bislang sah das Verfahren so aus: Die Schulleiter erhalten die Aufgaben per E-Mail; sie sind mit einem Passwort geschützt und dürfen erst am Tag der Prüfung an die Fachlehrer ausgehändigt werden. "Dieses Verfahren wird es ganz sicher so nicht mehr geben", sagte ein Ministeriumssprecher auf Anfrage der Stuttgarter Nachrichten, die darüber in ihrer Ausgabe vom 4. Juli berichteten. Man prüfe jetzt mehrere Möglichkeiten, um künftig einen Missbrauch auszuschließen. Denkbar sei auch ein aufwändiges Vorgehen wie beim Abitur, wo die Aufgaben den Rektoren in versiegelten Umschlägen ausgehändigt werden, hieß es in dem Bericht der Stuttgarter Nachrichten weiter.

Ähnliche Pannen werden sich auch künftig nicht ganz ausschließen lassen, aber man kann aus Fehlern lernen und das Verfahren verbessern und sicherer machen. Am besten wäre es, wenn das Kultusministerium den Druck der Arbeiten komplett übernimmt und diese dann an die Schulen gedruckt ausliefert. Die verschlossenen Umschläge würden dann erst am Tag, an dem die Arbeit geschrieben werden soll, geöffnet. Vorteil: Kein zeit- und ressourcenaufwändiges Kopieren durch die Schulen, sondern zentrale Drucklegung und zentral gesteuerte und sichere Auslieferung durch die Behörde.

-heg-

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