Thema aktuell - heute: FDP
Ein erfolgreiches Schulwesen gilt es weiterzuentwickeln!€
Von Dr. Birgit Arnold, MdL
Der jüngst veröffentlichte Bildungsmonitor 2007 des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln stellt dem baden-württembergischen Schulwesen insgesamt ein sehr erfreuliches Zeugnis aus: In acht von 13 Handlungsfeldern steht Baden-Württemberg gut da, Verbesserungsbedarf wird dagegen in den Bereichen Ganztagesschulangebote und Integration von Schülern mit Migrationshintergrund angemahnt. Doch welche Schlüsse soll die Bildungspolitik aus diesem Befund ziehen? Festzuhalten ist zunächst, dass die Grundausrichtung unseres Bildungswesens sich offenbar bewährt hat, und so wenig wie man einen Schüler mit gutem Zeugnis zum Auswechseln seiner Lernstrategien anhalten würde, so wenig sollte man sich mit letztlich unfruchtbaren und ideologisch motivierten Strukturdebatten aufhalten. Ich kann mir kaum vorstellen, wie die von der Opposition geforderte Einheitsschule dem Anspruch nach mehr individueller Förderung gerecht werden soll. Gerade in einer Einheitsschule wird man sich innerhalb von zwei bis drei Niveaus auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen. Umgekehrt bietet auch ein bedingungsloses Festhalten an bestehenden Schulstrukturen kaum ausreichend Spielraum, um Schulversuche zu starten und Schulentwicklung zu betreiben, wie es an der jeweiligen Schule vor Ort zweckmäßig und möglicherweise angebracht erscheint. Hierfür habe ich jedoch an zahlreichen Schulen, die ich in der letzten Zeit besucht habe, eine Menge Potenzial vorgefunden, das meines Erachtens nach nicht brach liegen darf. Es gilt folglich, das gegliederte Schulwesen unseres Landes weiterzuentwickeln. Nur mit einem differenzierten Schulangebot können wir die Bedingungen verbessern, die mehr echte individuelle Förderung ermöglichen. Eine Schule könnte so beispielsweise auch unkonventionelle Wege gehen, welche die Integration von Schülern mit Migrationshintergrund verbessern helfen.
Diese Vorüberlegungen bedeuten konkret für die Politik, dass sie den Schulen deutlich mehr Freiheit und Eigenverantwortung lassen muss. Denn die Betroffenen vor Ort, Lehrer, Eltern und Schüler sowie der Schulträger, sind am besten in der Lage zu entscheiden, welche inhaltliche und pädagogische Ausrichtung für ihre Schule angebracht ist. Entsprechend müssen die Schulen das Recht erhalten, sich ihr Lehrpersonal eigenständig auswählen zu können, so wie umgekehrt die Lehrkräfte frei sein sollten, sich an diejenige Schule zu bewerben, die ihren Vorstellungen und Fähigkeiten am besten entspricht. Die in der Koalitionsvereinbarung zwischen FDP und CDU vereinbarte Erhöhung der schulscharf ausgeschriebenen Stellen auf insgesamt 70 Prozent ist deshalb ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einer autonomen Schule. Da sich aber Personal- und Finanzverantwortung zueinander verhalten wie zwei Seiten derselben Medaille, benötigt eine echte autonome Schule ein eigenständiges Budget. Ich bin sehr froh, dass im Rahmen der "Qualitätsoffensive Bildung", welche die Landesregierung diesen Sommer auf den Weg gebracht hat, ein Einstieg in die Budgetierung der Schulen geschafft wurde. Die Schulen können frei entscheiden, ob sie zusätzliche Stellen zur Senkung des Klassenteilers oder wahlweise ein Personalbudget für schuleigene Schwerpunktsetzungen erhalten wollen.
Kritiker werden einwenden, dass allzu viel Freiheit der einzelnen Schulen zu einem Wildwuchs führen könnte, der den Anforderungen einer von Mobilität geprägten Gesellschaft entgegen stehe. Selbstverständlich muss auch in einer vielfältigen Bildungslandschaft ein Schulwechsel einigermaßen problemlos möglich bleiben. Zur Herstellung der Vergleichbarkeit kommt deshalb überprüfbaren Standards in den einzelnen Fächern besondere Bedeutung zu. Auch gilt es, die Schulentwicklungen professionell zu begleiten und Erfahrungsaustausch herzustellen, weshalb am Landesinstitut für Schulentwicklung nun eine hierfür zuständige Stelle geschaffen wird. Alles in allem denke ich jedoch, dass das Lehren und Lernen nie statisch zu betrachten ist, sondern dass ihm ein stets dynamischer Prozess zugrunde liegt, der sich im Spannungsfeld zwischen Erfahrungswissen und kognitivem Neuland bewegt. In einem solchen Prozess befinden sich zur Zeit gerade auch an den Gymnasien zahlreiche Lehrerkollegien bzw. Fachschaften, die im Rahmen der Umsetzung der neuen Bildungspläne einen möglicherweise manchmal mühsam erarbeiteten, aber dennoch entscheidenden Beitrag zur inhaltlichen und pädagogischen Weiterentwicklung ihrer Schule leisten. Die hierbei freiwerdende Dynamik ist es, welche die Schule und das in ihr stattfindende Lernen und Lehren voranbringt. Ihr muss die Politik die nötige Freiheit zur Entfaltung einräumen.