Philologenverband zur geplanten Neuregelung der Vergleichsarbeiten:

Bernd Saur: "Ein Wegfall der Benotung schmälert den Stellenwert von Vergleichsarbeiten nicht!"

"Vergleichsarbeiten erlauben Schülern, Lehrern und der Schule eine Standortbestimmung. Sie geben Aufschluss darüber, wo man im Geltungsbereich des Bildungsplans steht und wie nachhaltig das Gelernte verankert wurde", so der spontane Kommentar von Bernd Saur in der am 22. Oktober vom Philologenverband Baden-Württemberg herausgegebenen Pressemitteilung zu einer von Kultusminister Rau gegenüber dem SWR gemachten Äußerung, dass die zentralen Vergleichsarbeiten an den Schulen vom Schuljahr 2009/10 an nicht mehr benotet werden. Aus den Schulen gab es zum Teil verärgerte Reaktionen.

Der nunmehr gefasste Beschluss, wonach die in den Vergleichsarbeiten erzielten Noten nicht mehr ins Zeugnis einfließen werden, ändere hieran nichts, sagt Verbandschef Saur und stellt fest, dass für die Zeugnisnoten und für die Versetzung künftig wieder allein die vom Fachlehrer erteilten Noten maßgeblich seien. Der Fachlehrer unterrichte und begleite die Schüler ein ganzes Schuljahr lang, er sei und bleibe "die professionelle und verlässliche Instanz" für die Bewertung der Schülerleistungen. Seine Beurteilung beruhe auf einer Langzeitbeobachtung, "die von fachlicher Kompetenz und pädagogischem Gespür geprägt ist." Saur stellte in diesem Zusammenhang heraus, dass die bisherigen Ergebnisse der Vergleichsarbeiten "die hohe Professionalität der Lehrkräfte an unseren Gymnasien" bestätigt hätten.

Philologenverband: Neue Perspektive eröffnet

Die Verlagerung der Vergleichsarbeiten auf den Beginn der Klassen sieben und neun eröffnet nach Auffassung des Philologenverbandes eine neue Perspektive: Die Fachlehrer übernehmen eine neue Klasse meist für die Dauer von zwei Schuljahren und können zu Beginn dieses Lernabschnitts mit Hilfe der Vergleichsarbeiten eine Lernstandserhebung durchführen. Eventuelle Lerndefizite können erkannt und bei der Konzeption des Unterrichts berücksichtigt werden. "Die Neuregelung beinhaltet also zusätzlich zur Erkenntnis darüber, was in der Vergangenheit gelernt wurde, eine wertvolle Gestaltungsmöglichkeit für die Zukunft.

Verärgerte Reaktionen aus den Schulen

Nachdem die Schulen nach nur zweijähriger Laufzeit benoteter Vergleichsarbeiten zunächst nur aus den Medien von dieser Neuerung erfuhren, waren Irritationen und auch ärgerliche Reaktionen aus den Schulen vorprogrammiert. So fragte ein Kollege: "Wie soll unter solchen Bedingungen eine dringend benötigte Kontinuität an Schulen stattfinden, wenn ständig Neuerungen getroffen werden. Dinge, die als glorreiche Innovationen eingeführt wurden, werden mit einem Mal geändert, und wieder fragen sich zu Recht alle, wie lange die Halbwertszeit kommender Aufgaben und Anweisungen sein werden. Wann hört es endlich auf, dass wir offensichtlich unausgegorene Dinge an unseren Schulen einführen müssen?" Befürchtet wird, dass die Arbeiten ohne Benotung nicht ernst genommen werden: "Warum sollten Kollegen Klausuren korrigieren, deren Ergebnisse sowieso Makulatur sind? ... Wurde hier dem Druck der Eltern nachgegeben?"

Informationen aus dem Kultusministerium

Gleich nach dem Bekanntwerden der neuen Pläne zu den Vergleichsarbeiten hat das Kultusministerium die Schulen informiert: Begründet wird die Änderung damit, dass eine gezielte Vorbereitung auf die Arbeiten der eigentlichen Funktion von Lernstandserhebungen zuwiderlaufe. Vor dem Hintergrund bislang gemachter Erfahrungen sei man zu dem Ergebnis gekommen, künftig von einer Benotung dieser Arbeiten abzusehen. Zentrales Ziel von Vergleichsarbeiten sei es, "den Lehrkräften auf der Grundlage einer testbasierten Standortbestimmung Impulse für die Schul- und Unterrichtsentwicklung zu geben". Der neue Testtermin nach der Sommerpause solle zusätzlich dazu beitragen, dass künftig aufgrund des Wegfalls der Benotung kein Notendruck entstehe.

Die Vergleichs- bzw. Diagnosearbeiten sollen in den kommenden Durchgängen erst nach der Sommerpause, also zu Beginn des neuen Schuljahres, geschrieben werden. Mit dem neuen Testtermin soll auch der "Vorbereitungsdruck" entfallen. "Die bislang als notenrelevant eingeplante Vergleichsarbeit am Ende des laufenden Schuljahres muss nicht durch eine entsprechende Klassenarbeit ersetzt werden", heißt es aus dem Kultusministerium. Ob die Vergleichsarbeit durch eine zusätzliche Klassenarbeit ersetzt werden solle, liege künftig allein im Beurteilungsspielraum der einzelnen Lehrkraft. Über die genaue Terminierung der Vergleichsarbeiten zum Auftakt des Schuljahres 2009/2010 will das Kultusministerium die Schulen zeitnah informieren. Notwendige Anpassungen der Notenbildungsverordnung werden umgehend vorgenommen und in "Kultus und Unterricht" veröffentlicht. Weiter heißt es in der ministeriellen Mitteilung, dass die in Klasse 10 der Gymnasien letztmals in diesem Schuljahr von den Schülern des neunjährigen Bildungsganges zu schreibenden zentralen Klassenarbeiten hiervon unberührt bleiben. Vorgesehen sei, auch für die Schülerinnen und Schüler des achtjährigen Bildungsganges in Klasse 10 ab dem Schuljahr 2009/2010 solche Arbeiten durchzuführen. Über nähere Einzelheiten werden die Schulen noch informiert.

PhV fordert mehr Verlässlichkeit

Unsere Lehrkräfte werden auch diese Regelung bestmöglich zum Wohle ihrer Schüler nutzen", sagt Saur, richtet aber an das Kultusministerium den dringenden Wunsch, diese Neuregelung der Vergleichsarbeiten nicht bald schon wieder über Bord zu werfen. "Alle am Schulleben Beteiligten sollten sich auf ein Mindestmaß an Kontinuität an den Bildungseinrichtungen des Landes verlassen können."

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