Ergebnisse der Pisa-E-Studie bestätigen die Auffassung des Philologenverbandes Baden-Württemberg (PhV BW):
Mehrgliedrige Schulsysteme sind Gesamt- und Einheitsschulmodellen deutlich überlegen
Philologenverband: Gegliedertes Schulsystem hat sich bewährt und fördert alle Kinder am besten
Philologenverband empfiehlt: Das baden-württembergische Erfolgsmodell weiterentwickeln und den Schwerpunkt auf die Verbesserung der schulischen Rahmenbedingungen und die Qualitätssicherung legen
"Der Kritik am gegliederten Schulsystem ist nach der Bekanntgabe der Ergebnisse des Pisa-E-Ländervergleichs nun endgültig der Boden entzogen: Die Länder, die bei der Studie am besten abgeschnitten haben, besitzen ein mehrgliedriges Schulsystem", so der PhV-Landesvorsitzende Bernd Saur. Das gegliederte Schulsystem erweist sich als deutlich überlegen!" Sachsen, Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen sind bei den getesteten Kompetenzen die vier Pisa-Spitzenländer in Deutschland. "Alle vier haben ein mehrgliedriges Schulsystem, das schwache und starke Schüler differenziert und begabungsgerecht am besten fördert", so Saur mit dem Hinweis, dass in Sachsen ebenfalls wie in Baden-Württemberg die Grundschulzeit vier Jahre beträgt. "Warum soll bei einem solchen Ergebnis das Risiko 'Eine Schule für alle' eingegangen werden", fragt Saur mit dem Hinweis, dass in Baden-Württemberg trotz des hohen Migrantenanteils die Zahl der Hauptschüler, die diese Schulart ohne Abschluss verlassen, im bundesweiten Vergleich nur halb so hoch ist wie bei den Gesamtschülern.
Trotz seines hohen Migrantenanteils erreicht Baden-Württemberg beim Lesen und Textverständnis Platz 3. Und noch etwas: 45 Prozent der Hauptschüler im Südwesten wechseln auf weiterführende Schulen. Im Bundesdurchschnitt sind es 40 Prozent und bei den Gesamtschülern lediglich 12 Prozent. "Das spricht klar für die Überlegenheit des gegliederten Schulsystems", sagt Saur.
Die Pisa-Studie offenbart das Süd-Nord-Leistungsgefälle. So können die Leistungen der 15-Jährigen aus Hamburg, Berlin und Bremen denen aus Bayern, Baden-Württemberg oder Sachsen bis zu zwei Jahre hinterherhinken. Die wissenschaftlichen Ergebnisse sprechen also klar für den Erhalt des gegliederten Schulwesens. Dass Sachsen in den Naturwissenschaften den ersten Platz einnimmt, liegt am höheren Stundenanteil in diesen Fächern. In Mathematik schafft Baden-Württemberg den dritten Platz vor Thüringen.
Im Blick auf die Durchlässigkeit des Bildungssystems muss sich Baden-Württemberg nicht verstecken: Professor Dr. Ulrich Trautwein, Experte für Bildungsforschung von der Universität Tübingen, hat eine große vertikale Durchlässigkeit des baden-württembergischen Schulsystems festgestellt. Die Entscheidung nach der vierjährigen Grundschule für eine Schulart sei noch keine definitive Entscheidung für den letztlich erreichbaren Schulabschluss. Baden-Württemberg bietet auch Hauptschülern zahlreiche Möglichkeiten für einen höheren Bildungsabschluss.
Optimierungsbedarf besteht aus PhV-Sicht jedoch noch bei der horizontalen Durchlässigkeit. Verbesserungsmöglichkeiten werden auch in den schulischen Rahmenbedingungen gesehen. So sind zum Beispiel in Sachsen die Klassen durchweg kleiner. Für den PhV steht fest: Es ließen sich noch bessere Test-Ergebnisse durch eine schnellere und deutliche Absenkung des Klassenteilers und mit einer Reduzierung der Lehrerbelastung durch eine geringere Lehrer-Unterrichtsverpflichtung erreichen, flankiert von einer gezielten Förderung von Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern, durch eine gute Lehrerausbildung und beste Fortbildung aus erster Hand.
Anmerkung: Die Integrierte Gesamtschule (IGS) hat bei PISA 2006 und bei PISA-E 2006 erneut schlecht abgeschnitten. Nach Analyse des Deutschen Lehrerverbandes (DL) rangiert die IGS trotz einer hinsichtlich Begabung und Herkunft vergleichbaren Schülerschaft und trotz erheblich besserer Personalausstattung im Bundesdurchschnitt um rund 50 PISA-Punkte und quer durch die Länder um bis zu 97 PISA-Punkte hinter der Realschule (hier: Realschule Bayern versus Gesamtschule Bremen). Das sind eineinhalb bis drei Schuljahre Unterschied bereits bei Fünfzehnjährigen.