Gute Gesprächskultur ist die Basis für eine erfolgreiche Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und Lehrern
Der Philologenverband reagierte enttäuscht über Äußerungen der Vorsitzenden des Landeselternbeirats (LEB), Christiane Staab, die, wie der SWR am 28. Oktober und die Landesmedien am darauf folgenden Tag berichteten, "für eine verstärkte Kontrolle der Lehrer" eintrete; nur so könne die Qualität des Unterrichts an den Schulen sichergestellt werden. Weiter hieß es in dem SWR-Bericht, allzu oft würden die Kinder als Problem in den Schulen angesehen, die Rolle der Lehrer würde aber nicht hinterfragt. Die LEB-Vorsitzende sagte: "Der Lehrerberuf ist der einzige Beruf, in dem man keiner regelmäßigen internen Kontrolle ausgesetzt ist." Lehrer seien zunehmend unfähig, mit Kritik umzugehen und sich zu verändern. Es werde nicht mehr gefragt, "was kann ich als Lehrer tun, damit die Schule gelingt", sondern, wie passe das Kind in den Unterricht? Daher müsse die Ausgabe von Fragebögen an Eltern und Schülern zur Pflicht an den Schulen werden. Es müsse in maximal zehn Punkten abgefragt werden, ob die Kinder gern zur Schule gehen, ob sie die Hausaufgaben als zu belastend empfinden. Wie weiter berichtet wird, sollte auch erhoben werden, ob die Kinder Nachhilfe erhalten, ob sie das Unterrichtstempo als angemessen empfinden, ob sie eventuell unter Kopfschmerzen leiden und ob sie mit den Büchern zufrieden sind.
Es könne nicht sein, dass ständig nur in einer Richtung Noten gegeben würden, so Staab. Die bisher vorgeschriebenen Bewertungen griffen zu kurz. Bezweifelt wurde von der LEB-Vorsitzenden, dass die zur Evaluation für wenige Jahre abgestellten Lehrer ihre Kollegen wirklich kritisch beleuchten würden, wenn sie wüssten, sie könnten von jenen später auch einmal bewertet werden. Noten sollen jedoch von Eltern und Schülern nicht gegeben werden.
Der Philologenverband sieht in derlei Vorwürfen der LEB-Vorsitzenden einen wenig hilfreichen Beitrag. Für die an den Schulen zumeist gut funktionierende Entwicklung und Pflege einer auf gegenseitigem Respekt und Vertrauen basierenden Gesprächskultur sind derlei Misstöne keine gute Voraussetzung. Zunehmende Erziehungsdefizite bei Kindern und Jugendlichen werden im Übrigen nicht nur von Lehrern festgestellt, sondern auch in der Öffentlichkeit vermehrt wahrgenommen. Lehrer und Schule können nach Auffassung des PhV nicht der Reparaturbetrieb unterlassener Erziehungspflichten sein, die sich oft auch in unbefriedigenden Schülerleistungen widerspiegeln. Gefragt wurde in diesem Zusammenhang auch: Wer kontrolliert eigentlich Eltern, die ihre Kinder stundenlang vor dem Fernseher parken, die ihre Kinder nicht mit Frühstück versorgen und nicht darauf achten, dass ihre Kinder gut ausgeruht in die Schule kommen? Schulen brauchen verlässliche Partner der Erziehung, so die Forderung des Philologenverbandes.
Kultusministerium: verallgemeinernde Aussagen wenig hilfreich
Das Kultusministerium wies die Kritik des Landeselternbeirats am Verfahren der Evaluation von Schule und Unterricht ebenfalls zurück. Die rechtlichen Regelungen zur Evaluation an Schulen würden die verbindliche Einbeziehung von Rückmeldungen durch Schülerinnen und Schüler sowie Eltern ausdrücklich vorsehen. Dem Unterricht werde dabei besondere Bedeutung zugemessen.
Als wenig hilfreich bezeichnete ein Sprecher des Kultusministeriums verallgemeinernde Aussagen zur Kritikfähigkeit von Lehrerinnen und Lehrern. "Pauschale Schuldzuweisungen tragen nicht zu einem gedeihlichen Zusammenwirken von Lehrkräften und Eltern bei." Ebenso wenig angemessen sei es, die Professionalität der Fremdevaluatoren in Frage zu stellen. Hierbei handele es sich um erfahrene und für diese Aufgabe besonders geeignete Lehrkräfte, die zudem eine intensive Qualifizierung durchlaufen würden. Bei der Fremdevaluation bestehe die Möglichkeit, dass das Evaluatorenteam des Landesinstituts für Schulentwicklung durch so genannte "assoziierte Mitglieder" begleitet und unterstützt werde. Zu den assoziierten Mitgliedern können Eltern, aber auch Externe gehören. Sowohl die Ergebnisse der Selbst- als auch der Fremdevaluation müssten den Schulgremien - und damit auch den Schüler- und Elternvertretern - vorgelegt werden.
Auch der VBE kritisiert den LEB-"Rundumschlag"
Schule gelinge vor allem dann, wenn man Ziele gemeinsam verfolge, wenn Bildungsreformen auch von einer Erziehungsoffensive der Erziehungsberechtigten begleitet würden. Ohne ein Umdenken und Umlenken in den Elternhäusern bewirkten selbst modernste Bildungspläne und die besten Lehrer auf Dauer nur wenig, versicherte der VBE-Sprecher.
"Bildung und Erziehung fangen schon mit der Geburt des Kindes an und sollten nicht erst im Kindergarten oder in der Schule einsetzen", so der VBE-Sprecher. Die ersten Jahre seien die wichtigsten im Leben eines jeden Menschen. Wenn in diesem Zeitraum Zuwendung und Geborgenheit, geistige und seelische "Nahrung" fehlten, koste es später ein Vielfaches an personellem und damit finanziellem Einsatz, Versäumtes nachzuholen oder Verbogenes gerade zu biegen. "Nicht Erzieherinnen oder Lehrer sind zuvörderst gefordert, sondern jeder Vater und jede Mutter", behauptet der VBE-Sprecher, so stehe es im Grundgesetz.
Neue Lehrpläne und Bildungsstandards, Fragebögen und Evaluation von Unterricht sowie Schulstrukturdebatten könnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass alle Kinder wieder erzogen gehörten, damit sie in der Schule gefördert werden können und dort Erfolg haben. Wieder erziehen, bedeute nicht Rückkehr zu Dressur, Unterdrückung und militärischem Gehorsam, betont der VBE-Sprecher. Erziehung sei liebevolle und konsequente Begleitung mit klaren Grenzen. Dabei spiele auch die Vorbildfunktion von Erwachsenen eine wesentliche Rolle.
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