PhV-Hauptvorstand tagte am 12. Dezember 2008 im Stuttgarter Hospitalhof
Verbandsarbeit ist vielfältiger und umfangreicher geworden
Die Bilanz des PhV-Landesvorsitzenden Bernd Saur über die Verbandsarbeit der letzten Wochen und Monate mit Informationen zur aktuellen Bildungspolitik und ein ausführliches Referat mit Detailinformationen des BBW-Vorsitzenden Volker Stich über die Arbeit des Beamtenbundes Baden-Württemberg auf den Feldern Wegstreckenentschädigung, Verwaltungsreform, Beförderungen, Beamtenbesoldung und "Pension mit 67" standen im Mittelpunkt der PhV-Hauptvorstandssitzung, mit der am 12. Dezember im Stuttgarter Hospitalhof das arbeitsreiche Verbandsjahr 2008 zum Abschluss gebracht wurde. Volker Stich würdigte nach seinem Vortrag das Engagement von Renate Renner, die sich derzeit aktiv im BBW für den Bereich Gesundheitsschutz engagiert, und dankte dem ehemaligen PhV-Landesvorsitzenden Karl-Heinz Wurster für seine jahrelange Mitarbeit im BBW, der nun die Aufgabe als Ansprechpartner für Pensionäre übernommen hat. Außerdem wurden Fragen zu innerverbandlichen sowie tagesaktuellen berufs- und bildungspolitischen Themen diskutiert.
Bernd Saur, der diese Sitzung des zweithöchsten Verbandsgremiums eröffnete, stellte zunächst heraus, dass die im November 2008 veröffentlichten PISA-E-Ergebnisse einmal mehr die eindeutige Überlegenheit des mehrgliedrigen Schulsystems verdeutlicht hätten. Die Dreigliedrigkeit des baden-württembergischen Systems habe gegenüber der Zweigliedrigkeit ("PISA-Sieger" Sachsen) den Vorteil, dass die Zahl derer, die die Schule ganz ohne Abschluss verlassen, geringer sei. Denn: Diejenigen, die einen mittleren Bildungsabschluss nicht erreichen, können mit dem Hauptschulabschluss eine Qualifikation erwerben, die ihnen den Einstieg in eine berufliche Ausbildung ermögliche. Gerade die große Bedeutung des beruflichen Bereichs werde in internationalen Vergleichen oft gar nicht gewürdigt, dabei sei dieser Bereich ein Markenzeichen für die baden-württembergische Bildungslandschaft. Immerhin kämen etwa 50 Prozent der Studienberechtigungen aus dem beruflichen Bereich, bundesweit seien es nur 16 Prozent. Wie Saur weiter ausführte, sei interessanterweise in Ländern mit einer ausgeprägten beruflichen Bildungslandschaft die Arbeitslosigkeit geringer als in Ländern, in denen die Höhe der Akademikerquote als Ausweis für die Qualität des Bildungssystems gesehen werde. In der Bildungspolitik gelte die Formel "Vielfalt bietet Chancen".
Propagierte Überlegenheit des Einheitsschulsystems nirgends wissenschaftlich belegt
"Umso unverständlicher sei die gebetsmühlenartig vorgetragene Forderungen nach einer Verlängerung der Grundschulzeit und nach Einrichtung von Einheitsschulen, die nicht nur in einigen Bundesländern unserer Republik, sondern auch in so manchem vergleichbaren Land im Scheitern begriffen sind", so Saur. Keine einzige wissenschaftliche Untersuchung könne die propagierte Überlegenheit eines Einheitsschulsystems belegen. Das Gegenteil sei der Fall! Es sei nachgewiesen, dass in einem solchen System der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg mitnichten geringer sei. Saur: "Empörend ist das Verhalten der Presse in Baden-Württemberg. Unter Missachtung vorliegender wissenschaftlicher Erkenntnisse initiieren einzelne Bildungsjournalisten eine tendenziöse Meinungsbildung." In diesem Zusammenhang kündigte Bernd Saur an, dass der Philologenverband Baden-Württemberg durch die Mitbegründung eines Aktionsbündnisses für das gegliederte Schulwesen einen Gegenpol zu politisch motivierten Einheitsschulforderungen bilden werde, die letztlich die Abschaffung des Gymnasiums zum Ziel hätten.
Auch Pressereferent Hans-Eckhard Giebel beklagte die zum Teil einseitige Berichterstattung der Medien - insbesondere bei Themen rund um die Strukturdebatte. Oft würden Kommentar und neutrale Meldung miteinander vermischt. Im Jahr 2008 wurden insgesamt 49 Pressemitteilungen vom Verband herausgegeben.
Hinausschiebung der Altersgrenze wird abgelehnt
Mit dem Motto "Lehrer haben ihre Pension mit 65 verdient" habe sich der Philologenverband Baden-Württemberg der Forderung des Deutschen Philologenverbandes angeschlossen, wonach ein Hinausschieben des Pensionsalters auf 67 für Lehrkräfte grundsätzlich abzulehnen sei, und zwar sowohl für beamtete als auch für angestellte Lehrerinnen und Lehrer. Aus arbeitsmedizinischer Sicht gehöre der Lehrerberuf in Deutschland zu den Berufen mit der stärksten Belastung. Er stelle Schwerstarbeit dar. Laut Professor Bauer aus Freiburg befänden sich 30 Prozent aller Lehrkräfte gesundheitlich im "roten Bereich", während es bei der Gesamtbevölkerung nur 13 Prozent seien. "Solche Erkenntnisse, die ja nicht neu sind, dürfen bei der Frage der Verlängerung der Lebensarbeitszeit nicht unberücksichtigt bleiben", so Saur.
PhV fordert Aufstockung von Freistellungen für Personalräte
Angesprochen wurde auch, dass die im Rahmen der "operativ eigenständigen Schule" seit Jahren erfolgende "Abschichtung" von immer mehr Aufgaben auf die einzelnen Schulen vor Ort zu einer unzumutbaren Arbeitsverdichtung geführt habe. Der Philologenverband Baden-Württemberg fordert daher eine deutliche Aufstockung der Freistellungen für die örtlichen Personalräte, deren Aufgaben zugenommen haben, ohne dass die Freistellungen erhöht wurden. Saur: "Ein solcher Schritt ist überfällig!" Verbessert werden müsse auch die personelle Ausstattung der Schulsekretariate. Es könne nicht angehen, dass die Schulträger darauf spekulieren, Schulen in Ganztagsbetriebe umzuwandeln, ohne mehr Personal zu beschäftigen in der Annahme, die Lehrkräfte könnten dies zusätzlich schultern. "Diese Rechnung wird und kann nicht aufgehen", so Saur.
G8, Vergleichsarbeiten und Mittlere Reife
Diskutiert wurde auch das "G8". Hier berichtete Richard Zöller über die unzähligen und bislang vergeblichen Initiativen und Bemühungen des Auguste-Pattberg-Gymnasiums in Neckarelz, dort einen Schulversuch G8+ ("G9 im G8") zu genehmigen. Der Philologenverband wird sich über dieses Modell der zwei Geschwindigkeiten an einer Schule weiter informieren. Diskussionspunkte waren auch die Abschaffung der Benotung für die Vergleichsarbeiten sowie die Position der evangelischen Landeskirchen zum gegliederten Schulsystem. Über beide Themen wurde in der gbw-Verbandszeitschrift, Nr. 11-12/2008 bereits ausführlich berichtet. Für Unmut hatte bei Kolleginnen und Kollegen gesorgt, dass nun eine Klassenarbeit geschrieben werde, ohne dass verwertbare Noten dabei herauskämen. Positiv gesehen wurde aber auch, dass damit eine Lernstandskontrolle zu Beginn eines Schuljahres möglich sei, die für die weitere Planung des gesamten Schuljahres und als Informationsquelle für den ersten Elternabend sinnvoll sei.
Angesprochen wurden Unklarheiten bei der Vergabe der Mittleren Reife im G8. Eine Entscheidung über das Verfahren nach Klasse 10 (Ende Klasse 10, Anfang Klasse 11?) sei noch nicht gefallen. Eine Vergabe der Mittleren Reife nach Klasse 9 stoße bei der Kultusministerkonferenz auf Ablehnung. Nach der Einführung von G8 müsse gewährleistet sein, dass die Klasse 10 zur Oberstufe gehört! Die Zentrale Klassenarbeit der Klasse 10 könne dann aber nicht mehr den Abschluss der Mittelstufe bilden! Zwischenzeitlich ist entschieden, dass im G8 ab dem Schuljahr 2011/12 am Anfang der 11. Klasse Vergleichsarbeiten geschrieben werden sollen.
PhV erwartet ausgeglichenen Jahresabschluss 2008
In seinem Bericht zur Finanzsituation des Verbandes erläuterte Schatzmeister Dr. Andreas Horn den satzungsgemäß vorgelegten Kassenzwischenbericht, der angesichts des nahen Jahresendes schon jetzt einen ausgeglichenen Haushaltsabschluss 2008 erwarten lässt. Er ging in seinem Vortrag auch auf die positive Mitgliederentwicklung mit leicht ansteigender Tendenz der letzten Jahre ein und erklärte auf der Grundlage der von der Vertreterversammlung beschlossenen Beitragsordnung die zum Januar 2009 in Kraft tretende leichte Anhebung der Mitgliedsbeiträge (s. gbw 11/12-2008), die angesichts der vielfältigen Aufgaben des Verbandes auch notwendig sei.
Aktuelle Themen aus dem Hauptersonalrat
Annette Laur, Vorsitzende des Hauptpersonalrats (HPR) Gymnasien am Kultusministerium in Stuttgart, berichtete über die erzielten Erfolge im Zusammenhang mit der Qualitätsoffensive Gymnasien, über die Zwangslage auch für den HPR bei der November-Sonderausschreibung, über das unveränderte Beteiligungsverfahren bei den elektronischen Versetzungsanträgen sowie über die landesweite Ausweitung der Bildungsregionen nach dem Beispiel der Regionen Ravensburg und Freiburg, über die vorgesehene Einführung von Orientierungsseminaren und einer Fortbildung für den Führungskräftenachwuchs sowie über die Situation bei den Beförderungen.
Positive Wende bei den Jungen Philologen
Über die Lage und Aktivitäten der Jungen Philologen, kurz "Juphis", berichtete Cord Santelmann. Bis Oktober 2008 litt die Arbeit der Juphis unter akutem Personalmangel: Sabine Grobe hatte ihre Ämter als Juphi-Landes- und Bezirksvorsitzende Nordwürttemberg niedergelegt, in Nordbaden gab es schon seit Jahren keine aktiven Juphis mehr, und der Kreis der Aktiven war auf eine Handvoll geschrumpft. Trotzdem konnten, wie Santelmann weiter ausführte, die Juphis den Fortbildungstag "Junglehrerforum 2008", der am 10. Oktober 2008 an der PH Freiburg stattfand, mit über 50 Teilnehmern und viel positivem Feedback zum Erfolg führen. Insgesamt zeichnet sich seit der Juphi-Klausurtagung vom 8. November 2008 landesweit eine positive Wende bei den Jungen Philologen ab: An dieser Klausurtagung nahm ein stark erweiterter Kreis von Juphis teil. Seitdem gibt es wieder Juphi-Vertreter in Nordbaden und Nordwürttemberg. In Südwürttemberg findet im Januar 2009 eine Neuwahl des Juphi-Bezirksvorsitzes statt: die personelle Erneuerung der Juphis schreitet also voran.
Die aktiven Juphis planen eine Reihe von Projekten. Dazu gehört eine Neuauflage des erfolgreichen Fortbildungstages "Junglehrerforum 2008": das "Junglehrerforum 2009" wird am Freitag, 2. Oktober, an der Universität Tübingen stattfinden. Außerdem streben die Juphis Infoveranstaltungen an den Universitäten Karlsruhe und Freiburg an. Die Publikationen der Juphis sollen überarbeitet werden.
Wenn Sie jüngere Kolleginnen oder Kollegen kennen, die an einer aktiven Mitarbeit bei den Juphis interessiert sein könnten, sprechen Sie sie an! Cord Santelmann lädt Interessierte gern zur nächsten Juphi-Klausurtagung ein, die am 7. März 2009 in Karlsruhe stattfinden wird. Eine kurze, formlose Mail an santelmann.cord@phv-bw.de genügt.
Verbandsarbeit im Tarifbereich war erfolgreich
Die Tarifbeauftragte des PhV, Ursula Kampf, informierte den Hauptvorstand über die erfolgreiche Verbandsarbeit im Tarifbereich: Allen Lehrkräften im Arbeitnehmerverhältnis, die ihren Vorbereitungsdienst vor dem 1. November 2006 begonnen haben, können Zeiten beruflicher Tätigkeit zwischen dem 1. und 2. Staatsexamen als so genannte "förderliche Zeiten" stufen- und damit gehaltsrelevant bis maximal Stufe 4 anerkannt werden. Bisher galt diese Regelung nur für Lehrkräfte i. A. mit anerkannten Mangelfächern. Ursula Kampf mahnte auch Verbesserungen für andere vom neuen Tarifvertrag TV-L Betroffene an, zum Beispiel für diejenigen, die vor ihrer unbefristeten Einstellung bereits befristet unterrichteten und nicht die Lehrbefähigung für ein Mangelfach haben. Entsprechend der seit Längerem ergriffenen Verbandsinitiativen gegenüber dem Land Baden-Württemberg forderte sie: Die arbeitnehmerfreundlichen Öffnungsklauseln des TV-L müssen großzügig angewendet werden, damit der Eintritt in den unbefristeten staatlichen Schuldienst für potenzielle Lehrkräfte attraktiv im Vergleich zu beruflichen Alternativen ist!
Seit August 2008: "Koordinierungsstelle für Pensionäre"
Der ehemalige PhV-Landesvorsitzende Karl-Heinz Wurster, der die seit 1. August in der Landesgeschäftstelle neu eingerichtete Koordinierungsstelle für Pensionäre des Verbandes betreut, wies in seinem Kurzbericht auf die Entwicklung der Mitgliederzahlen bzw. auf das Zahlenverhältnis von Aktiven zu Pensionären hin. Ein Drittel der rund 8000 Mitglieder des Verbandes befänden sich im Ruhestand, wobei es zwischen den Bezirken Unterschiede gebe. Die Bezirke Nord- und Südwürttemberg haben beispielsweise einen höheren Anteil an Pensionären als die Bezirke Nord- bzw. Südbaden.
Wie Wurster ausführte, ist die Mitgliederentwicklung insgesamt positiv. Dass die Zahl der Pensionäre stärker steige als die der Aktiven, habe vor allem demographische Ursachen.
Für den Philologenverband hat diese Entwicklung aber durchaus Aufforderungscharakter: Einerseits seien weitere Anstrengungen notwendig, um noch mehr junge Kolleginnen und Kollegen für den Verband zu gewinnen; andererseits müsse der Philologenverband die Pensionäre halten, denn auch sie seien eine politische Größe. Zusammen mit den 'aktiven Pensionären' in den Regionen und Bezirken sollte es gelingen, so Wurster, das Dienstleistungsangebot des Philologenverbands (PhV BW) und Bund der Ruhestandsbeamten (BRH) im Sinne der pensionierten Kolleginnen und Kollegen zu optimieren.
Der vom Philologenverband organisierte "Tag des Gymnasiums" wird am Samstag, 4. Juli 2009, stattfinden. Einzelheiten werden noch bekanntgegeben.
Hans-Eckhard Giebel