Südbadens PhV-Schulvertreter trafen sich am 27./28. November 2008 in Saig

Keine Rückkehr ins 'ancien régime',sondern 'begabungsgerechte Förderung'

Bei herrlichem Wetter fand im winterlich verschneiten Hochschwarzwald die diesjährige Schulvertreterversammlung des PhV Südbaden statt. Das Programm war allerdings so dicht, dass die meisten Schulvertreter den Alpenblick nur vom Fenster des Tagungsshotels aus genießen konnten. Schwerpunkte der diesjährigen Tagung waren die Wahl des neuen Vorstands, der Vortrag des neuen Landesvorsitzenden Bernd Saur, das Thema "Arbeits- und Gesundheitsschutz" sowie die Ehrung langjähriger Schulvertreter.

Der alte Vorstand des PhV ist auch der neue: Joachim Schröder und Claudia Hildenbrand wurden als Vorsitzende in ihrem Amt bestätigt. Auch Reinhard Frisch (Rechner) und Dr. Renate Mai (Schriftführerin) wurden einstimmig wiedergewählt. Neu hinzugekommen sind die Beisitzer Ruth Schmidt und Andreas Dammert.

Bernd Saur: "Wir wollen eine begabungsgerechte Förderung aller Schüler und keine Rückkehr ins 'ancien régime'!"

Die Schulvertreter erlebten einen kämpferischen Vorsitzenden, der sich leidenschaftlich für den Erhalt des gegliederten Schulwesens mit einer hohen Durchlässigkeit nach allen Seiten hin einsetzte. Kritisch setzte sich der PhV-Landesvorsitzende Bernd Saur mit der Haltung der evangelischen Kirchen auseinander, die in ihrem Positionspapier eine zehnjährige Gemeinschaftsschule verlangen. Bernd Saur führte aus, dass die Einführung eines eingliedrigen Schulsystems ein Rückschritt in das "ancien régime" bedeute, da erfahrungsgemäß alle, die es sich finanziell leisten können, auf die Privatschulen abwandern. Dies ist in fast allen Ländern mit integrativem Schulsystem der Fall. Saur: "In unserem Land gibt es Chancengleichheit. Die Nutzung der Chancengleichheit ist allerdings unterschiedlich. Der PhV will die begabungsgerechte Förderung aller Schüler." Saur bezeichnete die Forderung nach einem eingliedrigen Schulsystem als "Sozialromantik".

Er unterstützte die Forderung von Dr. Ulrich Trautwein vom Lehrstuhl für empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen, der verlangt, dass die Schulform von dem zu erreichenden Abschluss entkoppelt werden müsse. In Baden-Württemberg sei im Übrigen die Durchlässigkeit zwischen den Schulformen bereits jetzt schon sehr hoch.

Saur betonte außerdem, der PhV Baden-Württemberg fordere entschieden, dass Lehrer nach wie vor mit 65 Jahren pensioniert werden. Die Belastung der Lehrer müsse nach 2012 (Doppelabitur) deutlich gesenkt werden. Saur forderte, dass das Gymnasialdeputat dann wieder von 25 auf 24 Stunden gesenkt werden müsse.

Eines der Hauptanliegen des Verbandes sieht Saur darin, dafür zu kämpfen, das Ansehen der Gymnasiallehrer in der Öffentlichkeit zu verbessern. Kein Berufsstand stehe so sehr in der öffentlichen Kritik wie die Lehrer. Der Landesverband werde sich auch für eine bessere Ausstattung der Schulen mit Verwaltungspersonal einsetzen.

Arbeits- und Gesundheitsschutz, die Aufgabe der kommenden Jahre

Für den Vorsitzenden des PhV Südbaden, Jochen Schröder, ist der Arbeits- und Gesundheitsschutz ein wichtiges Anliegen. Er arbeitet in diesem Bereich eng mit dem Landesgruppenvorsitzenden des Berufsschullehrerverbandes (BLV), Gerd Baumer, zusammen. Baumer stellte den Schulvertretern den Arbeits- und Gesundheitsschutz und seine Chancen für die Lehrerschaft vor. Er stellte fest, dass sich die Arbeitsanalysen viel zu lange hinziehen. Im kommenden Jahr finde eine neue Fragebogenaktion zum Arbeits- und Gesundheitsschutz in den Bereichen Freiburg und Hochrhein statt. Gerd Baumer ermutigte die Schulvertreter, insbesondere auch die örtlichen Personalräte unter ihnen, ihre Aufgaben im Sinne der Kollegen wahrzunehmen und die Kollegen zu überzeugen, die Fragebögen zum Gesundheitsschutz zu beantworten. Der ÖPR könne vor allem für Belastungs- und Konfliktpotentiale sensibilisieren. Darüber hinaus habe er die Aufgabe, die Kollegen über Möglichkeiten des Gesundheitsschutzes zu informieren und die Schulleitung in diesen Fragen zu beraten. Baumer: "Wichtig ist vor allem, dass die Menschen bereit sind, selbst etwas zu tun, ihr Verhalten zu überdenken und - wenn es nötig ist - auch zu ändern.

Der PhV lebt von seinen engagierten Schulvertretern

Die Vorsitzenden dankten fünf verdienten langjährigen Schulvertretern, die in den Ruhestand gegangen sind, für ihr Engagement für den PhV und für ihre geleistete Arbeit. Dies sind Ursula Held vom Hegau-Gymnasium Singen, Dr. Rolf-Ingraban Riemer vom Gymnasium Kirchzarten, Hartmut Bödeker vom OHG Tuttlingen, Bernd Gremmelspacher vom Gymnasium Ettenheim und Hans Rudolph vom St. Ursula-Gymnasium in Freiburg. Jeder dieser Schulvertreter hat sehr viel für den PhV geleistet und war immer bereit, sich auch öffentlich für den Philologenverband einzusetzen.

Vorbereitung der Personalratswahlen 2010:

Die Personalratswahlen 2010 werfen schon ihre Schatten voraus. Es wird nicht zuletzt vom Engagement der Schulvertreter abhängen, wie erfolgreich sich der PhV positioniert. Zum Abschluss der gelungenen Schulvertreterversammlung dankte Südbadens Bezirksvorsitzender Jochen Schröder den Schulvertretern schon jetzt für ihren künftigen Einsatz bei der Kandidatenfindung und ihrer Öffentlichkeitsarbeit für den Verband.

Renate Mai

www.phv-bw.de