Lehrer haben ihre Pension mit 65 verdient!
PhV-Kritik an CDU-Plänen zur schnelleren Anhebung des Pensionsalters
Heftige Kritik übte Mitte Dezember des letzten Jahres der Hauptvorstand des Philologenverbandes an den Plänen von Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger und CDU-Fraktionschef Stefan Mappus, die beide das Pensionsalter für Beamte und damit auch für Lehrerinnen und Lehrer bedeutend schneller als in den anderen Ländern schrittweise auf 67 Jahre anheben wollen. PhV-Landesvorsitzender Bernd Saur forderte für die Lehrerinnen und Lehrer die Beibehaltung der bisherigen Altersgrenze, denn die Arbeit im Schuldienst sei heute mehr denn je Schwerstarbeit. "Deshalb muss es für Lehrer wie beispielsweise auch für Polizisten eine Sonderregelung geben", so Saur. Zwingend nötig sei außerdem, die Einstellungspolitik für Lehrkräfte künftig so zu gestalten, dass immer wiederkehrende "Schweinezyklen" zum Nachteil aller Beteiligten vermieden werden.
Wenn das Land Baden-Württemberg beim Pensionsalter - abgekoppelt von der wesentlich langfristiger angelegten Planung auf Bundesebene - einen eigenen und aus der Ländergemeinschaft ausscherenden baden-württembergischen Sonderweg beschreiten wolle, dann könne das nicht akzeptiert werden. "Die Anhebung der Regelaltersgrenze auf 67 erfolgt im Renten- wie im Bundes-Dienstrecht von 2012 bis 2029; das vom Ministerpräsidenten angepeilte Jahr 2020 kommt einem unerträglichen Affront nicht nur gegen die Lehrerschaft gleich, sondern gegen jeden Landesbeamten", so der PhV-Landesvorsitzende.
In den letzten Jahren hätten die Lehrer an den Gymnasien Deputatserhöhungen, Besoldungseinbußen, die Streichung der steuerlichen Absetzbarkeit des Arbeitszimmers, Verschlechterungen bei der Altersermäßigung sowie Mehrarbeit durch die Schulzeitverkürzung und zahlreiche Reformen schlucken müssen. Kinder zu unterrichten sei heute oft Schwerstarbeit und die Zeit im Schuldienst mit der in anderen Berufen kaum vergleichbar. "Die Zeit im Schuldienst zählt doppelt und kostet wesentlich mehr Nerven", mahnt Saur. Was man durch eine Dienst- und Arbeitszeitverlängerung der Lehrer an finanziellen Mitteln gewinne, werde durch Krankheitsausfälle und vorzeitige krankheitsbedingte Zurruhesetzungen wieder aufgefressen", warnt der PhV-Landesvorsitzende mit dem Hinweis, dass sich Lehrkräfte immer im 'pädagogischen Fronteinsatz' befänden. Einstimmig sprach sich auch die PhV-Schulvertreterversammlung des Bezirks Südbaden, die am 27. und 28. November in Saig stattfand, für eine Beibehaltung der Pension mit 65 im Lehrerberuf aus. Auch der Vorsitzende des PhV Südbaden, Joachim Schröder, verwies auf die starke berufliche Belastung der Lehrer, die durch zahlreiche medizinische und psychologische Studien belegt sei. "Länger unterrichten und finanziell kürzer treten" bezeichnete er als ein "unmoralisches Angebot"!
Der Hauptvorstand des Philologenverbandes, der am 12. Dezember 2008 in Stuttgart tagte, steht einmütig hinter den Vorschlägen des Deutschen Philologenverbandes (DPhV) und plädiert dafür, entweder darüber nachzudenken, Lehrkräfte ähnlich wie andere besonders belastete Berufsgruppen (zum Beispiel Polizisten und Feuerwehrleute) aus der Verlängerung generell herauszunehmen oder sie in den letzten zehn Dienstjahren stundenmäßig so stark zu entlasten, dass ein gleitender Übergang in den Ruhestand ermöglicht wird. Im Übrigen gebe es in kaum einem anderen Industrieland Lehrkräfte, die noch über das 65. Lebensjahr hinaus unterrichten müssten.
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