Landespressekonferenz vom 10. März 2009 im Rückblick
"Aktionsbündnis gegliedertes Schulwesen" nun auch in Baden-Württemberg gegründet
Mit der gemeinsamen Zielvorgabe "Für Bildungs- und Chancengerechtigkeit" haben sich in Baden-Württemberg das Elternforum Bildung und die drei baden-württembergischen Lehrer-Landesverbände im Beamtenbund Baden-Württemberg (BBW), Philologenverband (PhV BW), Berufsschullehrerverband (BLV) und Realschullehrerverband (RLV), zum "Aktionsbündnis gegliedertes Schulwesen" zusammengeschlossen. Mit ihrem Zusammenschluss dokumentieren die vier Bündnispartner, dass sie sich für den Erhalt und die Weiterentwicklung des bewährten gegliederten Schulwesens in Baden-Württemberg im Sinne einer differenzierten Förderung der Begabungsvielfalt heranwachsender junger Menschen einsetzen. Einheitsschulmodelle, die dem Anspruch nach bestmöglicher differenzierter Förderung nicht gerecht werden, lehnt das Aktionsbündnis ab.
Die in ihrer Zielsetzung für das gegliederte Schulwesen übereinstimmenden Bündnismitglieder haben sich zugleich auch dem inzwischen bundesweit organisierten "Aktionsbündnis Gegliedertes Schulwesen" angeschlossen, dessen Sprecher Wolfgang Kuert aus dem niedersächsischen Bad Harzburg wesentliche Impulse für die Gründung dieses Zusammenschlusses in Baden-Württemberg geliefert hat. Derzeit existieren solche Bündnisse auch in Niedersachsen, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Weitere sollen folgen.
Landespressekonferenz präsentierte begründete Fakten
Im Rahmen einer Landespressekonferenz, die am 10. März im Stuttgarter Mosersaal des Landtags unter der Leitung der stellvertretenden LPK-Vorsitzenden Gabriele Renz stattfand, legten Wolfgang Kuert (Sprecher vom Elternforum Bildung auf Bundesebene), Volker Staffe (Sprecher vom Elternforum Bildung Baden-Württemberg) sowie die Landesvorsitzenden der drei Lehrerverbände im Beamtenbund Baden-Württemberg (BBW) - Bernd Saur (Philologenverband), Rita Haller (Realschullehrerverband Baden-Württemberg) und Waldemar Futter (Berufsschullehrerverband) - die Gründe für die Bildung des Aktionsbündnisses dar. Durch diesen Zusammenschluss soll ein starker Gegenpol zu den Verfechtern von Einheits- und Gemeinschaftsschulkonzepten gebildet werden. Es gilt, die Zerschlagung des Gymnasiums im bewährten gegliederten Schulsystem zu verhindern.
Die von den Repräsentanten des Bündnisses vorgetragenen Motive zur Gründung des Bündnisses spiegelten sich in einem landes- und bundesweit starken Medienecho wider.
In der Verbandszeitschrift werden auch künftig Berichte zum Themenkomplex gegliedertes Schulwesen veröffentlicht. Die von den Bündnispartnern im Rahmen der LPK abgegebenen Statements befinden sich übrigens unter "Aktionsbündnis gegliedertes Schulwesen" auf der Homepage des Philologenverbandes (www.phv-bw.de). Anregungen und Mitarbeit in diesem Aktionsbündnis sind erwünscht.
Das Bündnis setzt sich für folgende Ziele ein:
Neben Niedersachsen, Bayern und Nordrhein-Westfalen gibt es nun auch in Baden-Württemberg ein solches Aktionsbündnis, das für den Erhalt des klassischen Schulsystems eintritt, das in Baden-Württemberg rund 20000 Lehrer und Eltern repräsentieren.
Hans-Eckhard Giebel
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Kultusminister Rau begrüßt das klare Bekenntnis zum gegliederten Schulsystem
Kultusminister Helmut Rau hat das klare Bekenntnis des "Aktionsbündnisses gegliedertes Schulwesen" zum Schulsystem in Baden-Württemberg begrüßt. Die neu gegründete Initiative mache die Mehrheitsverhältnisse in der Schulstrukturdebatte sichtbar. Rau sagte wörtlich: "Ich bin fest davon überzeugt, dass der ganz überwiegende Teil der Eltern, Lehrer und Schüler keine Abschaffung des gegliederten Schulwesens wünscht. Die Einheitsschule stellt nicht die Zukunft unseres Schulsystems dar, sondern eine bildungspolitische Sackgasse." Verantwortungsbewusste Bildungspolitik respektiere gewachsene Strukturen und mache diese zum Ausgangspunkt für pädagogische Modernisierungsprozesse. Ziel der Landesregierung sei es, die verschiedenen Bildungsgänge im gegliederten Schulwesen qualitativ weiterzuentwickeln. Der Schwerpunkt liege dabei auf dem konsequenten Ausbau differenzierter Förderangebote.
heg/km-pm
Stimmen aus den Medien zum Aktionsbündnis
Aus dem Südkurier Konstanz zitiert:
""Bernd Saur, der neue Vorsitzende des Philologenverbandes Baden-Württemberg, redet sich leicht in Rage. Grund seines Unmuts: Er sieht seine Meinung von den Medien unzureichend dargestellt. "Einseitig" werde Gegnern der Dreigliedrigkeit Öffentlichkeit geboten, etwa den Schulrebellen aus Oberschwaben. Das soll nun anders werden. Saurs Verband, der 8000 Gymnasiallehrer im Südwesten vertritt, hat Mitstreiter gefunden, die das bestehende Schulsystem in einem "Aktionsbündnis gegliedertes Schulwesen" verteidigen wollen"
"Erfolgsfaktor Nummer eins für gelingende Bildungskarrieren seien die Lehrer, deshalb seien auch Lehreraus- und -fortbildung eine "zentrale Stellschraube", sagt Staffe. Zusätzliche Lehrer, Schulpsychologen und Schulsozialarbeiter brächten mehr als jede "Einheitsschule""
"Wolfgang Kuert ist Profi in Sachen Bestandswahrung des dreigliedrigen Schulsystems: Die Einheitsschule wäre eine Zwangsschule, argumentiert er. Dabei brächten Gemeinschaftsschulen "nicht einmal ansatzweise" die Ergebnisse der Schulen im gegliederten Schulsystem hervor. Dass es besser sei, wenn Schwache von Starken lernen, sei eine These - "nicht bewiesen"?"Das Weglassen von Informationen, die Verbreitung von Halbwahrheiten und das Verdrehen von Tatsachen werden wir den Gegnern des gegliederten Schulwesens nicht mehr durchgehen lassen", kündigt Kuert kampfeslustig an".
"Waldemar Futter, der Chef des Berufschullehrerverbandes Baden-Württemberg, glaubt nicht, dass damit bessere Ergebnisse herauskommen. Auch er fühlt die Leistungen seiner Kollegen als "nicht wahrgenommen", obwohl viele ihren Bildungsweg nach oben über die Berufsschulen absolvierten. Auch Rita Haller, Vorsitzende des Realschullehrerverbandes, nennt ihre Schulart eine "klassische Aufsteigerschule", die für viele begabten Schüler den "Königsweg" zur Hochschulreife darstelle."
Aus der Stuttgarter Zeitung und Heilbronner Stimme zitiert:
"Der Vorsitzende des Philologenverbandes, Bernd Saur, sagte, bei einer Abschaffung des Gymnasiums würden die Kinder reicher Eltern auf Privatschulen geschickt und begabte Kinder aus einkommensschwächeren Familien nicht angemessen gefördert. "Wir wenden uns daher gegen ein unsoziales Schulsystem, in dem der Schulerfolg vom Geldbeutel der Eltern abhängt." Die Wahlfreiheit für Eltern und Schülern müsse bestehen bleiben, forderte Saur"."
"Aus Sicht von Waldemar Futter, dem Landeschef des Berufsschullehrerverbandes, tragen die beruflichen Schulen im Südwesten mit dazu bei, dass die Quote der Hauptschulabgänger ohne Abschluss nur bei drei Prozent liege - halb so hoch wie bei den Gesamtschulen. Die Jugendarbeitslosigkeit im Südwesten sei zudem mit weniger als fünf Prozent eine der geringsten im Ländervergleich"
Aus der Frankfurter Rundschau zitiert:
"Kuert ist Profi in Sachen Bestandswahrung des mehrgliedrigen Schulsystems: Die Einheitsschule wäre eine Zwangsschule, argumentiert er. Dabei brächten Gemeinschaftsschulen "nicht einmal ansatzweise" die Ergebnisse der Schulen im gegliederten Schulsystem hervor". Dass es besser sei, wenn Schwache von Starken lernten, sei eine "nicht bewiesene" These, schimpft der Elternvertreter. Im Elternforum glaubt man nicht, dass eine sechsjährige Grundschulzeit weniger Probleme bringt" Einer Forsa-Umfrage zufolge wollen 83 Prozent der repräsentativ Befragten am Gymnasium festhalten, 60 Prozent lehnen die Einführung einer Gemeinschaftsschule ab. "Das Weglassen von Informationen, die Verbreitung von Halbwahrheiten und das Verdrehen von Tatsachen werden wir den Gegnern des gegliederten Schulwesens nicht mehr durchgehen lassen".
"Die Bildungsgewerkschaft GEW und der Verband Bildung und Erziehung (VBE) tragen das Aktionsbündnis in Baden-Württemberg nicht mit. Die hätten sich dem Grünen-Konzept verschrieben, sagt Waldemar Futter, der Chef des Berufschullehrerverbandes Baden-Württemberg und damit Vertreter der vierten Säule. Er glaubt nicht an das längere gemeinsame Lernen und die Forderung: " Alle in eine Schule bis Klasse zehn!" Futter sieht die Leistungen seiner Kollegen "nicht wahrgenommen", obwohl viele ihren Bildungsweg "nach oben" über die Berufsschulen absolvierten".
"Rita Haller, die Vorsitzende des Realschullehrerverbandes, nennt ihre Schulart eine "klassische Aufsteigerschule", die für viele technisch begabten Schüler den Königsweg zur Hochschulreife darstelle. Dies wäre durch Zusammenlegung mit der Hauptschule nicht zu erhalten, fürchtet sie - erst recht nicht durch Gemeinschaftsschulen. Deshalb: "Keine Experimente mit ungewissem Ausgang".
"der neue Vorsitzende des Philologenverbands Baden-Württemberg, Bernd Saur, warnt vor dem "Konvoi-Effekt": Schule für alle bremse die Begabten aus und frustriere die Schwächeren erst recht, die abends nachpauken müssten, um am Konvoi-Ende mitzuhalten. Ungerecht sei es zudem, dass die Begüterten in Privatschulen ausweichen könnten. Die Gemeinschaftsschule sei deshalb ein "unsoziales Schulsystem, das vom Geldbeutel der Eltern abhängt""
Aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zitiert:
"Rund ein Drittel der Abiturienten Baden-Württembergs komme über die beruflichen Gymnasien aus den Realschulen. Die Realschule sei eine klassische Aufsteigerschule, über die Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern oder nicht deutschsprachigen Familien den Einstieg in Berufs- und Hochschulausbildung schafften, sagte der Realschulvertreter in Stuttgart. Nach Ansicht des Bündnisses würde eine verpflichtende Einheitsschule auch der Landesverfassung widersprechen, die in Artikel 11 jedem jungen Menschen "ohne Rücksicht auf Herkunft oder wirtschaftliche Lage das Recht auf eine seiner Begabung entsprechende Erziehung und Ausbildung" garantiert. Das Schulwesen sei entsprechend einzurichten. Der Vorsitzende des baden-württembergischen Philologenverbandes sagte, Beispiele aus anderen Ländern zeigten, dass bei Abschaffung des Gymnasiums die Kinder reicher Eltern auf Privatschulen geschickt und begabte Kinder aus einkommensschwächeren Familien nicht angemessen gefördert würden."
-heg-