Englischunterricht an Grundschulen:

Den Kindern mehr zutrauen!

Aus der Sicht der Fremdsprachenlehrer(innen) an den Gymnasien ist bezüglich der Englischkenntnisse der Grundschüler zweierlei zu beklagen: Die Kenntnisse sind insgesamt gering und je nachdem, welche Grundschule die Kinder besucht haben, zeigen sich sehr große Unterschiede.

Um in der Eingangsklasse des Gymnasiums von einem einheitlichen Fundament ausgehen zu können, fordern wir die Festschreibung eines verbindlichen Standards für das Ende der Grundschulzeit. Es ist unverständlich, dass es - übrigens für alle Bundesländer - verbindliche Bildungsstandards in Mathematik und Deutsch nach der vierten Klasse gibt, für Englisch jedoch nicht.

Das in der Grundschule angewandte Konzept des "Sprachbades" scheint angesichts von 2 Wochenstunden nicht zu fruchten. Wir schlagen vor, mit der Grundschulfremdsprache erst in Klasse 3 zu beginnen, dann aber richtig. Anstatt in den vier Grundschuljahren je 2 Wochenstunden vorzusehen, sollten dann in den Klassen 3 und 4 je vier Wochenstunden eingeplant werden. In den ersten beiden Grundschuljahren könnte eine stärkere Fokussierung auf die deutsche Sprache erfolgen, was nicht zuletzt unseren Migrantenkindern zugute käme.

Auf der solideren Grundlage guter Deutschkenntnisse könnte dann in den Klassen 3 und 4 ein viel fundierterer und ertragreicherer Englischunterricht erfolgen von im Übrigen ja zunehmend an den Pädagogischen Hochschulen speziell ausgebildeten Lehrkräften. Letzteres ist auch zwingend geboten, denn ein solider Anfangsunterricht in der Fremdsprache setzt eine hohe fachliche Qualifikation der Lehrkräfte voraus.

Dass der Fremdsprachenunterricht an der Grundschule kind- bzw. altersgerecht zu erfolgen hat, ist selbstverständlich. Ob er deshalb aber ausschließlich "spielerisch" sein muss, hängt nicht zuletzt von der Definition dieses Wortes ab. Die Schriftlichkeit, die Vermittlung einfacher grammatikalischer Strukturen und relevanten Wortschatzes sind angesichts der Wissbegierde unserer Kinder wünschenswerte Bestandteile des Unterrichts. Auch darf eine angemessene Leistungsbeurteilung kein Tabu sein. Ihr Einfließen in die Grundschulempfehlung würde deren Diagnose- und Prognoseleistung weiter erhöhen. Bekanntermaßen muss jeder Gymnasiast mindestens 2 Fremdsprachen lernen.

Wir fordern das Kultusministerium auf, die nun vorliegenden Erfahrungen als Grundlage für eine sich als notwendig erweisende Neujustierung des Fremdsprachenunterrichts in der Grundschule heranzuziehen.

Bernd Saur, Landesvorsitzender

www.phv-bw.de