Junge Philologen und Jungen Liberale treffen sich zum Gedankenaustausch

Am 9. Mai traf Markus Wasserfall, Baden-Württembergs kommissarischer Vorsitzender der Jungen Philologen, den stellvertretenden Landesvorsitzenden der Jungen Liberalen Baden Württemberg, Jens Brandenburger. An dem Gespräch nahmen außerdem Martin Brenner (Junge Philologen Nordwürttemberg), Sandra Ringel (Bezirk Nordbaden), Jörg Sobora (Bezirk Südwürttemberg) sowie Sebastian Gratz (Beisitzer im Landesvorstand der Jungen Liberalen) teil. Ziel des Treffens war der offene Meinungsaustausch über bildungspolitische Positionen zwischen den Jungen Philologen und den Jungen Liberalen.

Zu Beginn des Gesprächs stellte Jens Brandenburger die Grundposition der Jungen Liberalen vor: Mit etwa 1000 Mitgliedern in Baden-Württemberg verstünden sich die Jungen Liberalen als Jungorganisation der FDP und verträten erwartungsgemäß die Meinung, dass den Schulen die Freiheit gegeben werden müsse, autonom zu entscheiden, wie ihnen zugewiesene Gelder eingesetzt werden. Auch forderten die Julis die Aufhebung der Schulbezirke.

Markus Wasserfall betonte, der Philologenverband kämpfe für die Mehrgliedrigkeit des Baden-Württembergischen Schulsystems und vertrete als Verband insbesondere die Interessen der Gymnasiallehrkräfte. Ein vorrangiges Ziel sei es, die außerordentlich erfolgreiche Schulart Gymnasium zu erhalten. Denn alle Schüler sollten aufgrund ihrer individuellen Begabung gefördert werden, was sich nur im dreigliedrigen Schulsystem durchführen ließe.

Die Jungen Liberalen stimmten dem Leistungsgedanken zu, betonten dann aber, dass das Thema Schulstruktur zwar wichtig sei, jedoch momentan in ihrer Organisation keine Priorität habe, da die Diskussion zu viele Ressourcen binden würde und die Partei spalten könnte. In diesem Zusammenhang wurde auch die Gesamtschule angesprochen, die vom PhV abgelehnt, von einigen jungen Liberalen aber befürwortet wird. Einigkeit herrschte bei der Meinung, dass die Hauptschule durch mehr Geld, Personal und bessere Ausbildung der Lehrer gestärkt werden müsse.

Weitere Themen waren G8, die neuen Bildungspläne, Lehrerausbildung, Schulleitung, der Beamtenstatus, Leistung und Vergütung, das Ansehen der Lehrer in der Gesellschaft und die Lehrerarbeitszeit.

Die Jungen Liberalen legten dar, dass sie für G8 gestimmt hätten, mit der Umsetzung aber nicht zufrieden seien. Es gebe immer noch Lehrpläne, die dringend von Stoff befreit werden müssten. In diesem Zusammenhang bat Jens Brandenburger die Jungen Philologen um konkrete Vorschläge für Kürzungen im Bildungsplan. Markus Wasserfall erklärte daraufhin, dass dies aufgrund des Aufbaus des neuen Bildungsplans nicht so einfach sei, wie man es sich auf den ersten Blick vorstelle. Weiterhin müsse eine Verwässerung des Abiturs dringend verhindert werden, denn erstes Ziel der gymnasialen Bildung bleibe das humanistische Bildungsideal.

Hinsichtlich der Lehrerausbildung fordern die Julis Reformen für eine stärkere Praxisorientierung. Deshalb sollten Lehramtsstudenten verpflichtet werden, u.a. mehr Pädagogik, Psychologie zu belegen, um den Studenten frühzeitig die Möglichkeit zu geben, zu erkennen, ob sie für den Beruf geeignet seien. An dieser Stelle baten die Jungen Philologen die Jungpolitiker, an die Bildungspolitiker ihrer Partei weiterzugeben, dass nicht ständig herumreformiert werden solle. Schulen und Kollegen benötigten vor allem Kontinuität, Stabilität und Verlässlichkeit.

Auf die Schulleitungen sehen die Jungen Liberalen immer mehr Aufgaben zukommen (wie zum Beispiel Marketing, Rechnungswesen, Verwaltung, wirtschaftliches Denken). Sie fordern deshalb ein eigenes Studium für Schulleiter. Diesen Gedanken wies Markus Wasserfall zurück und verwies stattdessen auf erfolgreiche Modelle an Privatgymnasien, die im Schulleiter einen Experten für schulische, im Geschäftsführer einen Experten für wirtschaftliche Belange hätten. Diese Schulen hätten erkannt, dass die Aufgabe der Schulleitung inzwischen so komplex ist, dass sie von einer Person allein gar nicht mehr zu bewältigen sei.

Auch sprachen sich die Jungliberalen für die Abschaffung des Beamtenstatus und für ein reformiertes System der Vergütung aus. Bessere Leistung müsse sich lohnen. Die Schulen sollten auch bei der Auswahl und Einstellung des gesamten Personals mehr Freiheit haben und es sollte ebenfalls mehr Flexibilität hinsichtlich des Wechsels aus und in die Wirtschaft existieren. Markus Wasserfall fragte Brandenburger daraufhin, wie er sich dies alles denn konkret vorstelle. Wenn beispielsweise der Beamtenstatus falle, würden nicht nur die Kosten für das Land explodieren, sondern der Staat würde auch erhebliche Vorteile einbüßen, die der Beamtenstatus mit sich bringe, allen voran das fehlende Streikrecht. Weiterhin sei die Vorstellung einer leistungsgebundenen Bezahlung für Lehrer allein deshalb nicht machbar, weil es keine sinnvollen Messkriterien dafür gebe. Ebenfalls kritisch sah Markus Wasserfall den Aspekt des Lehrers aus der Wirtschaft, denn erstens habe dieser keine pädagogische Ausbildung, zweitens sei fraglich, welcher Mathematiker oder Physiker für einen Bruchteil seines Einkommens an die Schule wechseln würde.

Einig war man sich, dass generell mehr in Bildung investiert werden und die Vergütung der Lehrer erhöht werden müsse. Die Jungen Philologen machten die Jungen Liberalen auf die in den letzten Jahren schlechter gewordene Bezahlung und skandalöse Behandlung von Referendaren und Junglehrern aufmerksam. Hier müsse, auch in Hinsicht auf den akuten Lehrermangel, dringend etwas verändert werden, so zum Beispiel die Weiterbezahlung der Referendare in den Sommerferien sowie die Aufhebung der Eingangsbesoldungsabsenkung.

Am Ende des Gesprächs baten die Jungen Philologen die Jungen Liberalen darum, für ein höheres Ansehen des Lehrerberufs in der Gesellschaft zu werben. Beide Seiten bedankten sich am Ende des Gesprächs für die angenehme Atmosphäre und den regen Gedankenaustausch.

Jörg Sobora,
Vorsitzender der Jungen Philologen Südwürttemberg

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