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heute: Bündnis 90/Die Grünen

Von Renate Rastätter, MdL

G8 darf kein Dogma sein

Auch bei guter Umsetzung an den Schulen klagen viele Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern immer noch über den hohen Druck und strukturelle Mängel beim "Turbo-Abi" - zu Recht, wie ich meine. Aus meiner Sicht ist es deshalb notwendig, dass statt eines "G8-Einheitsmodells" flexiblere Lernzeiten bedarfsorientiert zugelassen werden müssen. Ein Abitur in acht oder neun Jahren könnte der wachsenden Heterogenität der Schülerinnen und Schüler Rechnung tragen. Nun liegt ein Vorschlag dazu auf dem Tisch. Das Kollegium des Auguste-Pattberg-Gymnasiums in Mosbach hat gemeinsam mit dem Gesamtelternbeirat der Schule und unterstützt vom Schulträger ein schlüssiges Konzept für ein G8+ entwickelt und beantragt. Ein Teil der Schülerinnen und Schüler könnte die ersten drei Schuljahre in vier Jahren durchlaufen und würde dann neun Jahre bis zum Abitur benötigen. Das Modell könnte dazu beitragen, Bildungschancen zu verbessern und das Elternwahlrecht zu respektieren. Die Kompatibilität mit dem G8-Landeskonzept bliebe gewahrt.

Wir GRÜNEN haben gemeinsam mit der SPD-Fraktion einen Antrag zur Unterstützung des Schulversuchsantrags in den Landtag eingebracht. In der Antwort des Kultusministeriums wird das Mosbacher Konzept mit dem lapidaren Verweis auf die "pädagogischen Zielsetzungen" abgelehnt. Bei einer Genehmigung des Schulversuchs würde "die mit der Bildungsplanreform intendierte Reduzierung der Ausbildungszeiten für alle Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums aufgegeben" werden. Bei der gymnasialen Schulzeit sollte aber das Wohl - und damit auch der Schulerfolg - der jungen Menschen im Mittelpunkt stehen und kein Dogma. Ein Schulversuch wäre eine gute Chance, die Tragfähigkeit des Modells zu erproben. Selbst die FDP-Abgeordnete Arnold warf Kultusminister Rau in der Plenardebatte "Beratungsresistenz" vor, als über den Antrag zum Schulversuch in Mosbach abgestimmt und dieser abgelehnt wurde.

Wir GRÜNEN haben einen weiteren Antrag in den Landtag eingebracht, mit dem für einen Teil der Schülerinnen und Schüler das G8 "entschleunigt" werden könnte. Alle Gymnasien sollen die Möglichkeit erhalten, bedarfsorientiert ein "Brückenjahr" als "Bypass" nach der 9. Klasse einzurichten. Dieses Brückenjahr können Schülerinnen und Schüler durchlaufen, die nach der neunten Klasse im G8 nicht versetzt werden oder bei denen sich Leistungsrückstände in der Mittelstufe "kumuliert" haben, die befürchten lassen, dass sie die Oberstufe nicht erfolgreich bewältigen können. Mit der Lösung "Brückenjahr" entfällt die Problematik, dass leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler aus dem G8 in die Realschulen drängen. Denn mit dem Brückenjahr können sie am Gymnasium bleiben und dort entweder den regulären Realschulabschluss machen und ins Duale System wechseln oder ihre Chance auf einen erfolgreichen Anschluss in die gymnasiale Oberstufe verbessern. Leistungsstarke Schülerinnen und Schüler aus den Realschulen können dieses Brückenjahr nach der 9. Klasse nutzen, um ins Gymnasium überzuwechseln. Da im Brückenjahr der Lernstoff wiederholt und Lücken geschlossen werden, wird ihnen der Übergang in die anspruchsvolle allgemein bildende gymnasiale Oberstufe erleichtert. Die Entscheidung darüber, ob für die Schüler ein Brückenjahr zu empfehlen ist, treffen die Lehrkräfte gemeinsam mit den Schülern und ihren Eltern. Durch das Brückenjahr können die bisherigen stigmatisierenden Formen der Verlängerung der gymnasialen Schulzeit, nämlich Sitzenbleiben, Rückschulung auf die Realschule oder Schulfremdenprüfung, endlich überwunden werden. Leider hat Kultusminister Rau unseren Antrag abgelehnt und auf diese Möglichkeiten verwiesen. Unsere Vorschläge für zwei Geschwindigkeiten im Gymnasium kosten Geld. Wenn aber das G8 kein Sparmodell sein soll, darf das 9. Schuljahr nicht einfach eingespart werden. Das Gymnasium muss so ausgestaltet werden, dass jedes Kind, das diesen Bildungsgang durchläuft, ohne unzumutbare Belastungen auch erfolgreich das Ziel erreichen kann.

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