Editorial
Verehrte Leserin,
verehrter Leser,
die Meinung über Lehrer scheint sich in der Öffentlichkeit zu wandeln. Fielen einst verunglimpfende Bezeichnungen wie "Faule Hunde" und "Halbtagsjobber", so sind nun wesentlich freundlichere Töne und anerkennende Worte für den Lehrerberuf zu vernehmen. Deutlich wurde dies am Weltlehrertag (5. Oktober). Kultusminister Rau würdigte an diesem Tag "das außerordentliche Engagement" und "die anspruchsvolle Arbeit der Lehrkräfte in Baden-Württemberg". An kaum einen anderen Beruf würden so hohe Ansprüche gestellt wie an den des Lehrers. "Es ist eine große Herausforderung, sich diesen Erwartungen zu stellen sowie das Leben und die Kultur kommender Generationen mitzugestalten. Wir brauchen die besten Pädagogen für die Schulen im Land. Junge Menschen, die sich mit Freude und Enthusiasmus für die Zukunftschancen unserer Schülerinnen und Schüler einsetzen möchten, sollten sich für den Lehrerberuf entscheiden", sagte Rau. Er forderte mehr Wertschätzung für den Lehrerberuf und betonte, dass die gesellschaftliche Anerkennung der Lehrerinnen und Lehrer eine "sehr wichtige Grundlage für den Erfolg schulischer Arbeit" sei. Allerdings könnten selbst die besten Lehrkräfte das Elternhaus nicht ersetzen.
Auf heftige Kritik stießen beim Philologenverband hingegen die Sparpläne von Finanzminister Willi Stächele für den Bildungsbereich. Das Kultusressort sollte knapp 128 Millionen beisteuern. Zur Freude des Verbandes schlug sich der CDU-Landesvorsitzende und designierte künftige Ministerpräsident Stefan Mappus spontan auf die Seite von Kultusminister Rau, der keine Kürzungsmöglichkeiten sah. "Es steht die Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit der Landespolitik auf dem Spiel", konterte Mappus, der der Einheitsschule eine klare Absage erteilt, und sagte weiter: "Die Senkung des Klassenteilers ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Bildungsoffensive und dient der nochmaligen Verbesserung der Unterrichtsqualität an den baden-württembergischen Schulen." Schüler, Eltern und Lehrer müssten sich auf die Versprechen verlassen können. Statt der vom Kabinett geforderten Kürzungen von knapp 128 Millionen Euro in den beiden kommenden Jahren forderte Kultusminister Rau zur Freude des Philologenverbandes rund 60 Millionen Euro mehr für sein Ressort. Ursprünglich hatte er sogar 90 Millionen Euro gefordert. Die Forderung wurde jedoch abgeschmettert: Auch das Kultusministerium soll nun 24 Millionen Euro zum Gesamtsparpaket beisteuern! Wie hoch der finanzielle Aderlass des Kultusministeriums tatsächlich sein wird, steht spätestens am 10. Februar 2010 fest. Dann wird nämlich über den Etat abgestimmt. Ministerpräsident Oettinger meinte kürzlich, dass es nicht sinnvoll sei, eine Bildungsoffensive zu beginnen und sie dann gleich wieder zu bremsen. Recht hat er!
Auf der Grundlage der Rückmeldungen von 82 Gymnasien zu Beginn dieses Schuljahres wurde vom Verband eine Hochrechnung zur Unterrichtsversorgung erstellt. Demnach werden über 13.000 Überstunden wöchentlich geleistet (s. Seite?). Landesvorsitzender Bernd Saur appellierte deshalb an die Landesregierung, die Sparpläne des Finanzministers noch einmal zu überdenken. "Über 1.400 jede Woche im Pflichtbereich ausfallende Unterrichtsstunden lassen keine Einsparungen zu", so Saur. - Vom 4. bis 6. Mai 2010 finden nach fünf Jahren wieder Personalratswahlen statt. Dabei ist jede Stimme für den Philologenverband enorm wichtig, damit wir uns auch künftig schlagkräftig für das Gymnasium und für die dort arbeitenden Kolleginnen und Kollegen einsetzen können.
Landesvorstand und Landesgeschäftsstelle des Philologenverbandes Baden-Württemberg wünschen den Kolleginnen und Kollegen frohe Festtage und einen guten Start in ein von Gesundheit begleitetes erfolgreiches Jahr 2010.
Mit freundlichen und kollegialen Grüßen
Ihr Hans-Eckhard Giebel
Redaktion Gymnasium Baden-Württemberg
Beiträge in dieser Ausgabe:
"Vorsicht vor Einheitsschulaktivisten, die unser bewährtes Schulsystem abschaffen wollen!"
"Wie glaubwürdig ist diese Landesregierung?"
50. Bodenseetreffen: "Das Gymnasium ist die Königsklasse des deutschen Schulwesens"
32. Schulvertreterversammlung im Kloster Untermarchtal
Personalräteschulung des Bezirks Nordwürttemberg
Einkommensentwicklung: Beamte und Lehrkräfte als Sparschweine
Umfrage: Überstundenzahl an Gymnasien weiter gestiegen!
PhV BW zum Weltlehrertag: "Berufsfreude ist eng an gute schulische Rahmenbedingungen gekoppelt"
Aktuelles aus dem Hauptpersonalrat
Junge Philologen: Die Lehrerausbildung stand im Mittelpunkt
Die nächste (Schweine-)Grippe kommt - hoffentlich nicht!
Junge Philologen veranstalten 'Junglehrer-Forum 2009'
Mit freundlichen und kollegialen Grüßen
Hans-Eckhard Giebel
Redaktion 'Gymnasium Baden-Württemberg'