Die Lehrerausbildung stand im Mittelpunkt
Bundestagung der Jungen Philologen vom 10. bis 12. September 2009 in Bonn
Sandra Ringel (1. Vorsitzende Nordbaden) und Markus Wasserfall (1. Vorsitzender Baden- Württemberg) vertraten den Landesverband Baden-Württemberg bei der Bundesarbeitsgemeinschaft der Jungen Philologen im Deutschen Philologenverband.
Nach der Begrüßung durch den Bundesvorsitzenden Dr. David DiFuccia standen am ersten Tagungstag Gespräche mit Peter Silbernagel, dem 1. Vorsitzender des Philologenverbands Nordrhein-Westfalen, und Ulrich Wehrhöfer, Gruppenleiter der Lehrerausbildung im Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW, im Mittelpunkt.
Peter Silbernagel gewährte einen Einblick in die aktuelle Reform der Lehrerausbildung in NRW als Vorreiterland und deren Folgen für den Bildungsföderalismus in ganz Deutschland. Explizit wies er auch auf den bereits bestehenden Lehrermangel und die zukünftige Verschärfung der Situation in Deutschland hin.
Im Rahmen des Hochschulreformgesetzes solle nicht nur die Stufung der Studiendauer zwischen Grundschul-, Hauptschul-, Realschul- und Gymnasiallehramt nivelliert, sondern auch das Referendariat zunächst auf 18, ab ca. 2018 gar auf 12 (!) Monate reduziert werden. Damit ist das Schreckgespenst Bologna doch in Deutschland angekommen. Weiterhin sei nicht klar, welche Auswirkungen die Bachelor/Master Studiengänge auf die Qualität der Ausbildung neuer Lehrkräfte haben werden, und, anders als eigentlich gewollt, verschlechtern sich insbesondere die Wechselmöglichkeiten zwischen Universitäten für Studenten innerhalb Deutschlands. So wird beispielsweise sogar der Wechsel von einer Universität zur anderen innerhalb eines Bundeslandes, geschweige denn der zwischen den Bundesländern, bereits im Studium nahezu unmöglich.
In Ulrich Wehrhöfer fanden die Jungen Philologen einen kompetenten und aufgeschlossenen Gesprächspartner, der die Situation aus Sicht des Nordrhein-Westfälischen Ministeriums darlegte. Er bestätigte, dass das Staatsexamen in NRW im Sommer 2011 ausläuft. Damit werde in diesem Bundesland nur noch der BA/MA-Abschluss für den Lehrberuf qualifizieren. Überlegungen gehen dahin, einen BA/MA (Lehramt) einzuführen, dessen Studieninhalte sich vom regulären BA/MA unterscheiden. Dies wirft die Frage auf, was mit für den Lehrberuf ungeeigneten Absolventen geschehen soll.
Positiv zu erwähnen sei, dass das Ministerium erkannt habe, dass Lehrer bei der Umsetzung der Reformen zu wenig Unterstützung erfahren. Das Ministerium sei daher bestrebt, den Lehrern Hilfestellung zu geben und sie dadurch zu entlasten. Weiterhin sei es ein Ziel, die Sitzenbleiberquote generell zu reduzieren und möglicherweise die Rhythmisierung der Unterrichtsstunden von 45 auf 60 Minuten zu verändern. Hierzu habe das Ministerium aber noch nicht die entsprechenden Umsetzungsvorschläge ausgearbeitet.
Um Deutsch als Arbeitssprache im Unterricht weiterhin gewährleisten zu können, will das Ministerium Sprachtests für alle Grundschüler als Voraussetzung für den Eintritt ins Gymnasium und ein Zusatzmodul Zweitspracherwerb verpflichtend für alle Lehramtsstudenten einführen.
Am zweiten Tagungstag stellten die einzelnen Bundesländervertreter ihre Ideen zur Mitgliedergewinnung vor und schlossen Patenschaften zwischen den Bundesländern zur besseren Zusammenarbeit und zum intensiveren Austausch ab. Die Jungen Philologen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Bayern werden in Zukunft enger zusammenarbeiten.
Am Nachmittag ging es um die Thematik der nach Schulform gestuften Besoldungen im Lehrberuf. Wie, so die Frage, können wir als Gymnasiallehrervertreter sinnvoll den Unterschied in der Besoldung begründen, wenn die Studiendauer der einzelnen Lehrämter sich nicht länger voneinander unterscheidet?
Am letzten Tagungstag wurden Vorschläge für ein Zukunftspapier für das Gymnasium ausgewertet und diskutiert. Ziel ist es, dass das Papier bis März 2010 vorliegt und aufzeigt, wie sich die Jungen Philologen das Gymnasium 2020 vorstellen. Ein wichtiger Aspekt für den Erhalt der Exzellenz an Gymnasien, so waren sich die Landesvertreter einig, werde auch die kontrollierte Unterstützung durch die Wirtschaft spielen, ohne dabei dem humanistischen Bildungsgedanken abzuschwören.
Ebenfalls Bestandteile der Tagung waren ein Gespräch mit Andreas Bartsch (Schatzmeister des DPhV), der wertvolle Einblicke in die aktuelle Verbandsarbeit auch im Zusammenhang mit dem Dachverband des DPhV, dem DBB, gewährte, sowie die Berichte zur Lage der einzelnen Bundesländer und die Vorstellung der aktuellen OECD-Studien. Die von den Jungen Philologen für Studenten erarbeiteten "Mappen zur Einschätzung der persönlichen Eignung für das Lehramt" sind so erfolgreich, dass verschiedene Bundesländer, unter anderem auch Baden-Württemberg, inzwischen ähnliche Selbsteinschätzungstests für Studenten online zugänglich gemacht haben.
Ingesamt zogen Sandra Ringel und Markus Wasserfall ein durchweg positives Resümee über diese ausgesprochen produktive Arbeitsgemeinschaft mit den anderen Bundesländern und konnten dem Dialog mit den Landesvertretern viele neue Anregungen für die eigene Verbandsarbeit abgewinnen.
Sandra Ringel und Markus Wasserfall