Editorial
Verehrte Leserin,
verehrter Leser,
das neue Jahr ist inzwischen gestartet. Es ist zu hoffen, dass von den Nachwirkungen der noch nicht ausgestandenen Finanzkrise der Bildungsbereich verschont bleibt. Schließlich haben sich Bund und Länder beim Berliner Bildungsgipfel am 16. Dezember auf eine gemeinsame Finanzierung der steigenden Bildungsausgaben in den kommenden Jahren geeinigt. Der Bund hat sich bereiterklärt, sich an den gesamtstaatlichen Mehrausgaben von mindestens 13 Milliarden Euro mit 40 Prozent zu beteiligen. Damit würde der Bund seinen Anteil deutlich erhöhen. Immerhin wäre das eine Vervierfachung des Bundesanteils an den normalen Bildungsausgaben. Bundeskanzlerin Merkel wörtlich: "Wir haben das Ziel, bis zum Jahr 2010 drei Prozent für Forschung auszugeben...und bis zum Jahre 2015 sieben Prozent für Bildungsausgaben vorzusehen. Über dieses Ziel besteht auch Einigkeit." Wie allerdings letztendlich die Finanzierung über die Bühne gehen soll, ist noch nicht klar. Eine Zielvorgabe ist der 10. Juni 2010. Bis dahin will man sich über die Finanzierung verständigt haben. Wir erwarten, dass es nun endlich mit der angekündigten "Verständigung" klappt!
Der Amtswechsel an der Spitze unseres Bundeslandes wird aus bildungspolitischer Sicht keine wesentlichen Änderungen zur Folge haben. Baden-Württembergs CDU/FDP-Landesregierung wird auch mit einem neuen Ministerpräsidenten Stefan Mappus an der bewährten gegliederten Schulstruktur festhalten. Es bleibt zu hoffen, dass auch nach der Landtagswahl 2011 der Fokus nicht auf eine Veränderung der Schulstruktur, sondern auf die weitere Ausgestaltung der Qualität schulischer Bildung gerichtet wird. Nach dem G9/G8-Doppelabitur 2012 ergibt sich aufgrund des prognostizierten Schülerrückgangs die Chance und aus Sicht des Philologenverbandes die dringende Notwendigkeit, die Arbeitsbedingungen an den Gymnasien sowohl quantitativ als auch qualitativ deutlich zu verbessern: beispielsweise durch die zwingend notwendige Absenkung des Deputats auf 24 Stunden, durch den Abbau der Überstunden-Bugwellen, durch die Bildung kleinerer Klassen, durch die Gewährung von Klassenlehrerstunden und durch den Aufbau einer funktionierenden Vertretungsreserve. Wenn dann noch verstärkt in Bereiche der Gesundheitsprävention, der Arbeitsplatzverbesserung, der schulischen Ausstattung und der Lehrerfortbildung investiert und den Schulen über das Unterrichtsvolumen hinaus ein Budget für nichtunterrichtendes Personal zur Verfügung gestellt wird, dann könnte sich Baden-Württemberg auch mit dem dann verdienten Titel "Bildungsland" schmücken.
Neues gibt es auch zu den Pisa-Studien zu vermelden: Wegen der zuweilen tendenziösen Interpretationen der Pisa-Ergebnisse kam es wiederholt zu Spannungen zwischen den deutschen Kultusministern und den OECD-Forschern. Kultusminister Helmut Rau hatte beispielsweise Kritik an der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD, Paris) geäußert und mehrfach eine weitere Testteilnahme an klare Bedingungen geknüpft, sodass eine Teilnahme Deutschlands am fünften Pisa-Leistungstest auf der Kippe stand. Nach einem Gespräch mit OECD-Direktorin Barbara Ischinger teilte Rau mit, die OECD werde die Vergleichbarkeit der Ergebnisse der Pisa-Studien sicherstellen und sich in Zukunft politischer Bewertungen enthalten. Deutschland wird also nun auch 2012 wieder beim weltweiten Pisa-Vergleich dabei sein. Das haben die Kultusminister am 10. Dezember letzten Jahres beschlossen.
Mit freundlichen und kollegialen Grüßen
Ihr Hans-Eckhard Giebel
Redaktion Gymnasium Baden-Württemberg
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